Ulm Das stille Ende der Linie 44

Ulm / HANS-ULI THIERER 13.09.2016

Ja geht’s noch? Die Stadt Ulm stellt zum Schuljahresbeginn eine kleine Buslinie im Ulmer Norden ein. Ohne einen Ton zu sagen. Heimlich, still und leise.

So stellte sich der Sachverhalt erst mal dar. Die Mutter einer Schülerin der privaten Poligenius Realschule in  Böfingen äußerte am Freitag ihr Unverständnis darüber,  dass von Montag an, dem ersten Schultag, die Buslinie 44  nicht mehr verkehren sollte. Wo dieser Bus bisher doch jeden Morgen „acht bis 12 Schüler“ nach Böfingen brachte und außerdem immer auch noch etliche Arbeitnehmer mitfuhren.

Stimmt so weit. Nur ist das Leben eben komplexer als oft auf den ersten Blick. Und mancher Sachverhalt wie  jener des Unterhaltens und Finanzierens öffentlicher Buslinien ist schrecklich kompliziert.

Der 44er stellt so eine vertrackte Angelegenheit dar. Die Stadt hat sich diese Linie zulegt, als die Welt im Ulmer Norden noch in Ordnung war. Jungingen war zentraler Standort der Hauptschule, also  auch für Lehr und Mähringen. Die Stadt ließ, wie der fürs Schulwesen zuständige Abteilungschef Gerhard Semler erläutert, eine nur für den Schülertransport gedachte Linie laufen. Der 44er brachte die Schüler aus Mähringen und Lehr nach Jungingen. Konzessionsträger war die RAB, die die Linie ihrerseits an das private Busunternehmen Klöpfer aus Neenstetten weiter vergeben hatte.

Nun kostete die bildungspolitische Reformhektik im Lande, ausgelöst durch rückläufige Schülerzahlen, viele Hauptschulen ihr Dasein. Auch die Junginger wurde auf eine Grundschule zurechtgestutzt. Was für die Schüler aus Mähringen, Lehr und Jungingen bedeutete, dass sie nach Böfingen mussten auf  die nach dem schwäbischen Dichterfürsten benannte Eduard-Mörike-Schule.

Den Weg dorthin fanden aber immer weniger Kinder aus den drei Ortschaften. Seit freie Schulwahl herrscht, bevorzugen die Eltern andere Schulstandorte, etwa Dornstadt oder Ulm. Dieser Trend hielt dermaßen an, dass Semler irgendwann die Nachricht ereilte: Im Schuljahr 2016/17 kommt kein Schüler mehr aus einem der drei Orte.

Was für Semler bedeutete, dass er auch die zuschussbedürftige Linie 44 einstellen konnte. „Die war immer ausschließlich für Schüler gedacht. Wenn da auch Arbeitnehmer mitgefahren sind, wird’s interessant“, analysiert Semler. Um artig wie ein ABC-Schütze hinzuzufügen, dass ihm die neue Situation für die Poligenius-Schüler sehr leid tue. Freilich: „Dass auch die den Bus benutzen, wussten wir nicht. Also konnten wir dort niemanden informieren. Wir haben keine Zahlen von der Poligenius-Schule und keine Ahnung, wie viele Kinder betroffen sind. Da werden wir drüben reden müssen.“

Ohne die bislang gegen Null tendierenden Kommunikation zwischen öffentlichem Schulträger Stadt und privater Schule wird also nichts laufen. Sonderlich auskunftsfreudig ist man an der Realschule freilich nicht. Unsere Anfrage, wie viele Kinder denn nun längere Weg in Kauf nehmen müssen, beantwortete Poligenius-Schulleiter Amir Muhic ganz kurz angebunden. „Das muss ich mit unserem Geschäftsführer klären.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel