Ulm Das schmucke Kleinod Postdörfle

Die Verleihung der Pro-Ulma-Plakette fand auf dem Gehweg vor der schmucken Fassade des Gebäudekomplexes Wörthstraße 40-50 statt, weil im Innenhof noch gebaut wird. Typisch für das Postdörfle sind die Erker und die unterschiedlichen Fensterformen.
Die Verleihung der Pro-Ulma-Plakette fand auf dem Gehweg vor der schmucken Fassade des Gebäudekomplexes Wörthstraße 40-50 statt, weil im Innenhof noch gebaut wird. Typisch für das Postdörfle sind die Erker und die unterschiedlichen Fensterformen. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / CAROLIN STÜWE 25.11.2015
Der lange Gebäudekomplex Wörthstraße 40-50 in der Weststadt ist vorbildlich restauriert worden. Für die Fassade mit den vielen Türmchen, Gauben und Erkern und das Projekt gab es eine Plakette von Pro Ulma.

Kernfrage: Wo ist das Postdörfle in Ulm? "Das wissen von 100 Ulmern nur zwei", behauptete Oberbürgermeister Ivo Gönner. Antwort: Dieses Viertel befindet sich in der Weststadt zwischen Wagner-, Blücher-, Wörth- und Elisabethenstraße. Der erste fertig sanierte Gebäudekomplex in der Wörthstraße, schräg gegenüber von Airbus Defence and Space, wurde mit der Pro-Ulma-Plakette ausgezeichnet, "und es gibt noch einen finanziellen Zuschuss", versprach der OB. Der Betrag sei noch unklar – bis alle Rechnungen vorliegen.

Der Bürgerverein Pro Ulma unterstützt seit seiner Gründung im Jahr 1977 die Restaurierung alter Ulmer Bausubstanz. Nun ist "das Kleinod in unserer Stadt" (Gönner) an der Reihe, beziehungsweise der erste Bauabschnitt, genannt Wörthstraße 40-50. Die 21 sanierten Wohnungen sind längst wieder alle bezogen. Wohl einzigartig in Ulm in dieser Mischung sind die vielen Bauelemente an der langen Fassade. Da sieht man zwei Stufengiebel, an denen jede Stufe mit gewölbten Dachziegeln gedeckt ist, erklärte GWO-Bauleiter Hans Haas. Oder einen "Wellenrandgiebel", dessen Oberflächen mit einem breiten Kupferband vor der Witterung geschützt sind. Die weißen Holzfenster sind "Galgenfenster" mit Fensterkreuzen, aber auch mit kippbaren Halbrundfenstern, erklärte der Ulmer Stadtbildgestalter Jörg Schmitz am Rande der Plakettenverleihung.

GWO-Vorstandsvorsitzender Albert Klöckler lobte bei seiner Rede seine Laupheimer Genossenschaft – "da haben wir was Tolles gemacht" – und er lobte später die Handwerker für ihre Leistung. Er begrüßte es, dass auch dort wohnenden Mieter zur öffentlichen Feier auf dem Gehweg in der Wörthstraße gekommen waren. Eine Passantin, die zufällig vorbeikam, fragte gleich, ob noch eine Wohnung frei sei. Antwort: Nein.

Der Vorsitzende betonte, dass die GWO in Ulm immer wieder bei Bau- und Sanierungsprojekten Nachbar der städtischen Ulmer Wohnungs- und Siedlungs-Gesellschaft (UWS) sei. Und versprach sogleich: "Wir werden im Postdörfle im mittleren Bereich des Mietspiegels bleiben, also bei 5,70 Euro Miete pro Quadratmeter". So zahle man beispielsweise für eine 70-Quadratmeter-Wohnung 399 Euro.

Klöckler berichtete überdies vom langen Atem der Genossenschaft. Sie hatte den Komplex an der Wörthstraße vor zehn Jahren gekauft. "Als wir uns dann aber die Gebäudesubstanz genauer angeschaut haben, war das nicht ermutigend". Zeitweilig habe man wieder ans Verkaufen gedacht und sogar an einen Abriss und Neubau. Dieses Vorhaben verhinderte jedoch ganz schnell das Regierungspräsidium Tübingen: Es stellte das Postdörfle unter Denkmalschutz. Klöckler heute: "Alles zu erhalten, war goldrichtig."

Eine Fußgängerin, deren Weg durch die Wörthstraße seit Jahren an der zunehmend alternden Fassade vorbeiführte und zuletzt auch an der kleinen Feierstunde, freute sich sichtlich mit der Bemerkung: "Schön, dass hier doch nichts abgerissen wird."

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