Ulm Das Recht, ein aktiver Vater zu sein

Schwierige Situation für Väter: die Trennung von ihren Kindern.
Schwierige Situation für Väter: die Trennung von ihren Kindern. © Foto: dpa
LISA MARIA SPORRER 13.07.2016
Seit einigen Jahren gibt es in Ulm die Gruppe Väteraufbruch. Sie bietet Vätern Hilfe an, die durch Scheidung den Kontakt zu ihren Kindern verlieren.

Streitigkeiten um das Sorgerecht sind in der Regel langwierig. Oft dauert es Monate, bis sich die Eltern über ihre Anwälte einigen oder das Familiengericht ein Urteil fällt. Und diese Entscheidung ist nur der Abschluss eines langen Weges den viele mitgehen, Anwälte, Mediationsstellen, Jugendämter.

Noch immer herrsche in Deutschland die Meinung: Das Kind gehört zur Mutter, sagt Peter Stökler, der vor einigen Jahren zu der Selbsthilfegruppe „Väteraufbruch“ in Ulm kam, und mittlerweile deren Vorsitzender ist. Dabei gebe es die klassische Rollenverteilung schon lange nicht mehr, in der der Vater arbeiten geht und die Mutter die Erziehung übernimmt.

Seit 1988 besteht der Bundesverband „Väteraufbruch für Kinder“, dessen Gründung auf die Scheidungsreform zurückgeht, die Vätern nach einer Scheidung lediglich die Stellung eines Zahlvaters zuwies, und nichtehelichen Vätern so gut wie keine Rechte einräumte. „Aber Kinder brauchen beide Eltern“, sagt Stökler, der nach der Geburt seines Sohnes „entsorgt“ wurde, wie er sagt und spricht von Vätern, die nicht von ihren Kindern lassen wollen.

Kinder, auch kleine Kinder, können durch eine Trennung in einen schweren Loyalitätskonflikt gestürzt werden. „Wenn Eltern sich trennen, heißt das ja nicht, dass Kinder sich trennen sollen“, sagt Stökler. Denn: Jedes Kind brauche beide Eltern. Eine Trennung verunsichere Kinder. Sie wissen nicht, ob sie beide Eltern gleich lieben dürfen. Wenn die Eltern sich nicht mehr lieben, werden Kinder häufig zu Bündnispartnern, zu Tröstern, zu Schlichtern, manchmal sogar zu Richtern.

Rund 170 000 Kinder und Jugendliche sind jedes Jahr von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Zusammen mit den nicht verheirateten Paaren, leiden etwa doppelt so viele Kinder unter der Trennung der Eltern und rund 150 000 Kinder davon werden dabei zu Halbwaisen, weil Väter aus verschiedensten Gründen den Kind-Kontakt vollkommen verlieren. Immerhin habe sich mit mehreren Grundsatzurteilen die rechtliche Situation von Vätern verbessert.

Seit vier Jahren gibt es in Ulm die Regionalgruppe, zu der auch schon Frauen und Großeltern kamen. „Keiner von uns hier ist Anwalt, jeder hat seine eigenen Erfahrungen, aber hier findet man Menschen die einen verstehen“, sagt Stökler über die monatlichen Treffen der Selbsthilfegruppe. „Hier kommen Väter die sind richtig am Ende und wir versuchen sie aufzubauen, dass sie dann hier mit erhobenem Haupt wieder rausgehen können.“ In der Selbsthilfegruppe geht es aber nicht nur um Umgangsrecht, Sorgerecht und Unterhaltsrecht; es werden zum Vatertag Ausflüge organisiert und auch Vorträge werden angeboten. „Wir versuchen auch, den Blickwinkel auf das Kind zu richten“, sagt Stökler. Denn: „In vielen Dingen nicht mitentscheiden zu können, das tut weh.“