Ulm / HANS-ULI THIERER  Uhr
Ehrgeizig? Jawohl, ehrgeizig. Sagt Ralf Gummersbach, bei SWU Verkehr verantwortlich für die Planung der Straßenbahnlinie 2, über den für das Millionenprojekt vorgesehenen Zeit- und Finanzfahrplan. „Aber auch realistisch.“

2019: Bis dahin muss die Straßenbahnlinie 2 nicht nur gebaut, sondern auch abgerechnet sein. Nur wenn Ulm diesen Zeitrahmen nicht überzieht, wird der Streckenbau nach aktuellen Vorgaben des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) in vollem Umfang bezuschusst. Zwar sind Politiker und Verkehrsplaner überzeugt, dass der Bund ein neues Förderprogramm zur Verkehrsfinanzierung in den Kommunen auflegen wird, weil er die Städte und Gemeinden beim Ausbau der Verkehrsinfrastrukturen nicht hängen lassen kann. Wie solche neuen Zuschussrichtlinien aussehen könnten, weiß aber kein Mensch.

Ausgangslage Vor diesem Hintergrund hat der Gemeinderat auf Grundlage zweier Eckpunkte den Baubeschluss gefasst: Realisierung und Abschluss des Projekts Linie 2 bis Ende 2019; Kosten für die Strecke 192 Millionen Euro. Die Vorgaben sind von der Zeitschiene her gesehen ebenso ambitioniert wie in der Kostenbetrachtung. Ralf Gummersbach, bei SWU Verkehr zuständig für die Gesamtplanung (siehe Kurzporträt oben), hält den Fahrplan zwar für stramm, er sei aber einzuhalten.

Finanziell Gummersbach sagt, der jetzigen Kostenrechnung liege eine Baukostensteigerung (Index) von drei Prozent zugrunde. Die Gesamtstreckenlänge betrage 10,5 Kilometer (9,3 Kilometer Neubau, der Rest zwischen Ehinger Tor und Theater ist die Linie 1). Entstehen werden entlang der Strecke 18 neue Haltestellen. „15 Millionen Euro für einen Streckenkilometer samt Haltepunkten sind eine realistische Größe.“ Puffer für Risiken wie Altlastenflächen seien ebenso vorgesehen wie Aufwendungen für Erschütterungs- und Luftschallschutz. Solche Absicherungen hatten Anwohner an der Trasse durchs Stadtgebiet (siehe Grafik) während des frühzeitigen und umfänglichen Bürgerbeteiligungsverfahrens vielerorts angemahnt. Alles in allem sei die Linie 2 auf wenig Kritik und viel Zustimmung gestoßen. „92 Einwendungen bei so einer Strecke großteils mitten durch die Stadt sind wahrlich nicht viel. Vorgebracht wurden Bedenken aus Sicht der Betroffenen, dazu ist das Verfahren ja da. Polemik ist mir nicht begegnet“, berichtet Gummersbach.

Vor dem Baubeschluss sind Kostensteigerungen von 22 Millionen Euro bekannt geworden; verantwortlich waren außer dem Kostenindex zusätzliche Forderungen wie etwa die Verlegung sensibler universitärer Einrichtungen weg von der Strecke, um Schall- und Erschütterungsrisiken zu minimieren. Damit beschreibt Gummersbach aus seiner Sicht eine der großen Herausforderungen während des Planfeststellungsverfahrens. Er glaubt, die Risiken in der aktualisierten Kostenberechnung seien nun überschaubar. „Ulm wird finanziell keine Elbphilharmonie und zeitlich kein Flughafen Berlin-Brandenburg“, sagt er gelassen.

Zeitlich Ursprünglich war vorgesehen, erst den Streckenast auf den Kuhberg zu bauen und dann den auf den Eselsberg. Nach Verzögerungen, die das Planfeststellungsverfahren ausgelöst hat, werden nun beide Streckenteile parallel miteinander realisiert. Der erste, für 15 Millionen Euro bereits an die Bietergemeinschaft Geiger+Schüle/Stahlbau Eiffel vergebene Auftrag betrifft die 270 Meter lange Straßenbahnbrücke über die Gleisanlagen vor dem Kienlesberg. Beginn der vorbereitenden Arbeiten ist noch diesen Monat.

Dieser Brückenbau und die Neubaustrecke der Bahn mit dem unterm Kienlesberg herausführenden Alb-Abstiegstunnel kommen einander geografisch ins Gehege. Beides muss unter laufendem Bahnbetrieb gebaut werden. Daher waren minutiöse Abstimmungen der Bauabläufe nötig, skizziert Gummersbach eine der logistischen Problematiken, die es zu lösen galt.

Sie ist ebenso bewältigt worden, wie die insgesamt 80 einzelnen Bauphasen mittlerweile miteinander vertaktet und verzahnt und Ersatzfahrpläne sowie Umleitungsstrecken für die SWU-Busse während der Bauzeit ausgetüftelt sind. Alle planerischen Bemühungen, Lasten und Belästigungen zu minimieren, gibt sich Gummersbach keiner Illusion hin: „Drei Jahre Bauzeit – das wird hart, anstrengend für alle.“

Um so zuversichtlicher ist er, dass Ende 2018 der Streckenbau abgeschlossen ist und die neuen Straßenbahnfahrzeuge, die für 32 Millionen Euro beschafft werden, im Probebetrieb laufen. Der Fahrplan sieht nämlich so aus, erläutert Gummersbach: „Der Abschnitt Kuhberg soll Ende 2017 befahrbar sein, der zur Wissenschaftsstadt dann im Sommer 2018.“

Der Straßenbahnplan hat ein Gesicht: Ralf Gummersbach

Alles klar für die Linie 2; und doch noch offene Fragen zur Finanzierung