Sedelhöfe Das neue Portal in die Ulmer Innenstadt

Ulm / HANS-ULI THIERER 21.07.2016
Closing, also Abschluss, steht für den Anfang: Jetzt gehört das Sedelhöfe-Baugelände dem Investor, der DC-Gruppe. Die Verträge sind notariell beglaubigt.

Ein tiefer Schnaufer. Ein: „Günstig geht anders. Aber wir machen es wirklich gern.“ Dann griff Lothar Schubert zum Füllfederhalter und leistete als letzter eines Trios seine fünf Unterschriften.

Zuvor hatten im kleinen Saal des Ulmer Rathauses schon der Ulmer OB Gunter Czisch und  Baubürgermeister Tim von Winning die im wahrsten Sinne  des Wortes dicken Papiere unterzeichnet. Schließlich ist damit ein millionenschweres Geschäft zwischen der Stadt Ulm und der renommierten Hamburger Projektentwicklungsgesellschaft DC Developments/DC Values, dessen Chef Schubert ist, besiegelt und notariell beglaubigt: das Projekt Sedelhöfe, das unterm alten, inzwischen vom Markt verschwundenen Investor MAB zwischenzeitlich schon kurz vor dem Aus gestanden hatte.

Closing nennt sich das ganze Procedere – und markiert das Gegenteil von Abschluss, nämlich den Anfang des Vorhabens. Ehe die Unterschriften geleistet wurden, waren am Mittwoch für die Beteiligten erst mal fünf Stunden des Vorlesens aller notariellen Vertragsdetails zu überstehen gewesen. Dann, vor der Presse, die Stunde der Genugtuungen, der Freudensausdrücke, der  Danksagungen.

Speziell OB Czisch blitzte der Stolz aus allen Knopflöchern, dass dieses 200-Millionen-Euro-Projekt eines ganz neuen Stadtquartiers mit Läden, Büros und Wohnungen nun vor der symbolträchtigen Kulisse von Günther Ueckers Tuchkunstwerk „Großer Schwörbrief, Teil 1“ in trockene Tücher gepackt  werden konnte. Schließlich hat er als Finanzbürgermeister und mit ausdrücklichem Plazet seines Vorgängers Ivo Gönner den ersten Kontakt zur DC-Gruppe hergestellt und die Sedelhöfe erst mit Alt-Baubürgermeister Alexander Wetzig und dann mit dessen Nachfolger Tim von Winning entschieden vorangetrieben.

Dass diese personellen Wechsel unbeschadet für das Projekt vergleichsweise rasch in die Gänge kamen und dass zwischen besagtem ersten Telefonat und dem Closing dann nur noch zwei Jahre lagen (Schubert: „Das ist Weltrekord für ein Vorhaben dieser Dimension“) sind für den DC-Chef Belege  des hohen Einvernehmens und der gegenseitigen Wertschätzung.

„Es war eine respektvolle, partnerschaftliche, aber auch anstrengenden Zusammenarbeit. Denn wir wollten es beide“, kommentierte Czisch. Auf der Brache zwischen Bahnhof und Innenstadt entstehe ein „Leuchtturm für die Stadt und den neuen City-Bahnhof“,  der durch die Schnellbahnstrecke nach Stuttgart und die Tiefgarage am Hauptbahnhof – der Bau läuft gerade an – aufs Gleis gesetzt sei.

Baugrube Offizieller Start mit dem Aushub der bis zu 18 Meter tiefen Baugrube ist auf einer Fläche von 10.800 Quadratmetern Mitte August. Den Auftrag hat die Firma Züblin Spezialtiefbau, die laut Schubert mit 300 Mann anrückt. Während des Rohbaus werden sogar bis zu 400 Bauarbeiter auf einmal zugange sein. Welche Firma den Hochbau besorgt, blieb ungenannt. Auf Verzögerungen durch archäologische Funde oder Bomben-Blindgänger aus dem Krieg ist der Investor gefasst.

Wohnungen Schubert sagte, dass 112 hochwertige Mietwohnungen entstehen, ein bis vier Zimmer groß, Wohnraum für Singles wie für Familien also. Obwohl erste Anfragen vorlägen, starte die Vermarktung erst Ende 2018. Die Wohnungen gruppieren sich um eine 1000 Quadratmeter große Gartenlandschaft, angelegt in 15 Meter Höhe auf dem Dach.

Einzelhandel Ohne Namen zu nennen, kündigte Schubert an, dass bislang nicht vertretene  Marken nationalen und internationalen Zuschnitts nach Ulm kommen werden. „Der Einzelhandelsumsatz wird signifikant steigen, es wird wenig Umverteilung geben“, äußerte sich der DC-Chef zuversichtlich, dass die Sedelhöfe eine Zugnummer und die Ulmer  Kaufkraft erhöhen werden. Die 18.000 Quadratmeter an Einzelhandelsflächen – darunter 3500 qm für den dann größten Lebensmittelmarkt in der City – seien so flexibel gestaltet, dass allzeit auf neue Flächenbedürfnisse einzelner Branchen reagiert werden könne.

Einstein Mit Albert Einstein, dessen Geburtshaus in der Bahnhofstraße stand und die Sedelhöfe tangiert, „gehe ich sehr gerne um“, sagte Schubert. Um anzukündigen, im Einvernehmen mit der Stadt eine „gebührende, keinesfalls verniedlichende Stätte der  Erinnerung“ zu schaffen. Fest steht, dass der neue  Platz, der sich herausbildet, nach dem Nobelpreisträger benannt wird.

Sedelhöfe-Zahlen

Millionen-Investition 200 Millionen Euro nimmt der Hamburger Investor DC Developments/DC Values in die Hand, um die Sedelhöfe zu realisieren. Nach Fertigstellung Ende 2019  verkauft DC komplett an die Aachener Grundvermögen, die zu 75 Prozent der katholischen Kirche gehört. In den Sedelhöfen entstehen über drei Tiefgaragen-Etagen (7000 Plätze, auf 18.000 qm) branchen-flexibele Einzelhandelsflächen, auf 7000 qm Büros und außerdem 112 im Schnitt knapp 70 qm große Wohnungen (ein bis vier Zimmer). DC zahlt an die Stadt einen Grundstückspreis von 27,5 Millionen Euro, erhält von der Stadt aber für die Tiefgarage einen Zuschuss von 10 Millionen.

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