„Jetzt kann Weihnachten kommen.“ Dieser Stoßseufzer ist am Montag Brigitte Nething entfahren. Da saß sie gemeinsam mit ihrem Mann Frieder, Dekan Ernst-Wilhelm Gohl und Pfarrer Peter Schaal-Ahlers auf einer Bank vor dem Münsterbild. Denn die Kunst-Installation von 2015 hat jetzt ihren endgültigen Platz gefunden: an der Wand des nördlichen Seitenschiffs, schräg hinter der Kanzel.

Die Geschichte dieses Bildes ist ungewöhnlich: Frieder Nething hatte im Jubiläumsjahr 2015, als sich die Fertigstellung des Münsterturms zum 125. Mal jährte, zehn Künstler aus Ulm und Köln  für ein gemeinsames Projekt gewonnen. Die Idee: Eine Collage aus 21 gleich großen Quadraten, die Nething anhand eines mittelalterlichen Turmrisses festgelegt hatte. Die Flächen (jeweils 60 auf 60 Zentimeter groß) wurden den Künstlern per Los zugeteilt, so dass „jeder einmal Himmel und einmal Bauwerk bekommen hat“, berichtet Nething. Einzige Ausnahme: In einem Fall waren es drei Lose, um auf die Zahl von 21 zu kommen.

„Niemand wusste, wer seine Nachbarn sind“, sagt Nething. So war es für alle ein spannender Moment, als die Einzelflächen zusammengesetzt wurden und das Bild mit den stattlichen Maßen von 1,80 auf 4,20 Meter entstand. In ihrer Unterschiedlichkeit ergeben die Einzelbilder klar das Münster als Ganzes: Es stehen naturalistische Bilder wie von Gunda Kawel neben abstrakten wie die Tuschelinien von Michael Danner oder die sich überlagernden Farbflächen von Herbert Volz. Nething: „Es sind individualistische Sichtweisen.“ Lothar Seruset verweist auf Ulmer Geschichte: Das Halbrelief ist ein Holzschnitt nach Ulmer Tradition; zum anderen erinnert er an die verheerende Bombardierung von Ulm am 17. Dezember 1944.

Finanziert wurde das Projekt durch 125 Paten. Für Nething erinnert das an jenes „bürgerschaftliche Engagement, das 1377 den Bau des Münsters ermöglichte“.

Offiziell enthüllt wurde das Münsterbild im Ulmer Museum, wo es im Juli und August des Jubiläumsjahrs ausgestellt war. Anschließend kam es ins Münster, wo es in der nördlichen Vorhalle neben dem Kuttelfenster aufgehängt wurde. Aber damit war Frieder Nething unglücklich. Dekan Gohl konnte das verstehen: „Trotz seiner Größe wirkte es da oben wie eine Briefmarke.“

Doch nun, nach verschiedenen Überlegungen, ist der neue Platz gefunden, und alle sind zufrieden. Die Idee kam von Münsterbaumeister Michael Hilbert: Das Bild auf einen Sockel stellen, wie ihn bald auch die mittelalterlichen Risse an der gegenüberliegenden Wand bekommen werden.

Nething strahlte: „Das ist ein toller Platz. Durch den halben Meter Abstand zur Wand wirkt das Bild sehr plastisch.“ Auch Dekan Gohl lobte den Standort: „ Von der Weite hat man den Überblick und wer näher tritt, kann die Details erkennen.“ Dem Denkmalschutz wurde  Rechnung getragen: Das Bild ist nicht an der Wand befestigt. Auf dem mobilen Sockel kann es bei Bedarf auch nach vorn geholt werden kann.

Sechs Künstler aus Ulm, vier aus Köln


Die Beteiligten

Die Künstler in alphabetischer Reihenfolge: Michael Danner (Ulm), Hermann Geyer (Ulm), Birte Horn (Ulm), Anne Dahm-Puchella (Köln),  Gunda Kawel (Köln), Eva Volmer-Kopka (Köln), Barbara Ruf (Köln), Thomas Kahl (Ulm), Lothar Seruset (Ulm) und Herbert Volz (Ulm).