Ulm / HELMUT PUSCH  Uhr
Das Internationale Donaufest ist auch immer ein Forum für Literatur, die entlang der Donau spielt. Gestern wurde das Festival-Programm vorgestellt.

Die Donau ist nicht nur ein Fluss, für viele Schriftsteller ist sie auch ein literarischer Schauplatz, ein Erzählstrom im Wortsinn. Das spiegelt das Literaturprogramm des 10. Internationalen Donaufests wider, das am 1. Juli startet. Und weil an der Donau auch Weltliteratur entstanden ist, sind die Lesungen im Stadthaus, für die die Programmmacher zwei populäre Darsteller verpflichtet haben, mit „Weltliteratur im Stadthaus“ überschrieben: August Zirner, der US-Schauspieler mit österreichischen Wurzeln, und ZDF-Kommissarin Ulrike Kriener stellen zwei Autorenschwergewichte aus dem Donauraum vor. Zirner liest am Samstag, 2. Juli, aus Danilo Kiš’ antistalinistischem Erzählzyklus „Ein Grabmal für Boris Dawidowitsch“, Ulrike Kriener liest aus Aleksandar Tišmas „Der Gebrauch des Menschen“. Darin schildert der Sohn eines Serben und einer ungarischen Jüdin, wie er als 18-Jähriger die Schlüsselerfahrung seines Lebens machte: Kroatische Nazis massakrierten in seiner Heimatstadt Novi Sad mehr als tausend jüdische Kinder, Frauen und Männer und warfen die leblosen Körper durch ein Loch in die eisigen Fluten der zugefrorenen Donau.

Ganz im Hier und Heute ist die vielleicht interessanteste Veranstaltung des Literatur-Programms verankert: Ein eintägiges Symposium beschäftigt sich am 4. Juli in der Ulmer vh mit der Lage der Frauen in den Donauanrainer-Ländern, die sich in vergangenen Jahren dramatisch verändert hat. Schließlich galt zu Zeiten der kommunistischen Regierungen die Frauenfrage als geklärt. Die Gleichberechtigung galt als verwirklicht. Welche Veränderungen brachte die politische Wende 1989? Wo stehen Frauen entlang der Donau heute? Gibt es ein West-Ost-Gefälle? Dazu lesen und diskutieren die Autorinnen Noémi Kiss (Ungarn), Babi Markovic (Serbien), Dana Grigorcea (Rumänien) und die Kroatin Alida Bremer. Letztere, die auch als bedeutendste Übersetzerin aus dem Kroatischen und Serbischen ins Deutsche gilt, war schon vor zwei Jahren zu Gast auf dem Donaufest und hatte damals für die Reihe „Literarische Absacker“ die Erzählung „Burek an der Mündung der Save in die Donau“ geschrieben. Die Absacker gibt es auch diesmal während der Festivalwoche, jeweils 23 Uhr, in der Galerie Tobias Schrade.