Kultur Ausstellungen 2019: Das Kunstjahr in der Region

Ulm/Neu-Ulm / Lena Grundhuber 11.01.2019
Vom Löwenmenschen zum Bauhaus, von der Nonne zur Monroe, auf den Kuhberg und in den Salzstadel: Die Ausstellungen 2019.

Mit einem „echten Männerthema“ startet das Stadthaus Ulm ins Jahr, so kündigt Chefin Karla Nieraad an: Es geht ums Boxen. Die Serie „Boxing Cuba“ (22. März) der aus Ulm stammenden Fotografin Katharina Alt sei erst ein einziges Mal gezeigt worden, sagt Nieraad. Boxen habe auf der Insel nichts Prolliges, sondern spiele eine ähnliche Rolle wie früher der Fußball in Deutschland  –  als Sport, für den man kein Geld braucht, der aber soziales Prestige bringen kann.

Stadthaus: Frauen, Landschaften und Kitsch

 Danach hat es sich erst einmal mit den Männern, denn die zweite große Schau im Stadthaus erforscht „Perücken, Kopftuch, Ordenstracht“, also die Bedeckung des weiblichen Haares in den drei monotheistischen Religionen. „Es geht nicht darum zu bewerten, sondern um einen neugierigen Blick darauf, welche Kopfbedeckungen es gibt“, erklärt Nieraad. Und weil das Christentum in „Cherchez la femme“ (4. Juni) etwas kurz kommt, gibt’s dazu die Bilder, die Laurence von der Weid von Nonnen machte.

„Ein ganz anderes Konzept von Frau-Sein“ (Nieraad) zeigt die dritte große Schau. Anbetungswürdig unkeusche Bilder durfte Douglas Kirkland 1961 von Marilyn Monroe schießen. Zu „An Evening with Marilyn“ kommt seine Serie mit Coco Chanel (19. September). Auch das Kabinett bietet Hochkarätiges: Zunächst den allerersten Farbfotografen Hans Hildenbrand, der einst mit Fotos in der „National Geographic“ das Deutschland-Bild der USA prägte – auch das Ulmer Fischerviertel ist dabei (31. März). Zum Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs zeigt das Stadthaus Flatz mit seiner Dogge Hitler („Hitler, ein Hundeleben“, 30. August). Außer der Reihe präsentiert Heike Sauer „Kitsch süßsauer“ (15. Dezember).

Spitzenkoch in der HfG-Mensa

Auch im Museum Ulm herrscht Betriebsamkeit. Zehn kleine und große Ausstellungen stellt das Haus inklusive HfG-Archiv auf die Beine, wo zunächst das Gender Design erklärt wird („Nicht mein Ding“, 15. Februar). Mit „bauhaus ulm“ (28. Juni) und „reclaim context“ (23. November) schließt das Archiv zu den bundesweiten Bauhaus-Festspielen auf. Am Wochenende vor der Kulturnacht lockt ein kulinarischer Clou: Spitzenkoch Frank Oehler wird in der HfG-Mensa ein Wochenende lang ein Pop-Up-Restaurant eröffnen – Mensa-Essen, nur in gut.

Im Museum selbst gestalten die Kuratoren jeweils eigene Kabinett-Ausstellungen: „Like Me!“ etwa zeigt Ulmer Freundschaftsbücher aus vier Jahrhunderten (26. Januar), „Tod im Tal des Löwenmenschen“ erzählt Knochengeschichten aus 100.000 Jahren (10. Mai), außerdem gibt es aus Anlass einer Schenkung eine Schau zu „Fluxusdesign“ (6. April). Ansonsten konzentrieren sich die kreativen Anstrengungen auf die zwei großen Sonderausstellungen, deren erste wieder im Frühsommer eröffnet. Ging es in den Vorgängerausstellungen um die musealen Kernaufgaben des Sammelns und Vermittelns, so steht nun das Bewahren im Zentrum – schließlich wird im Herbst ja das neue zentrale Kunstdepot bezogen, und zwar plangemäß, wie Chefin Stefanie Dathe betont.

Sachen gibt’s. Museum in Umordnung“ heißt die Ausstellung (8. Juni), deren Kern eine Auftragsarbeit an zwei Fotografen bildet. Die beiden sind spezialisiert auf Sammlungsfotografie und bringen Objekte aus dem Depot in ungewöhnliche Kombinationen. Auch die Besucher selbst sollen in die Konzeption einbezogen werden; den Museumsleuten schwebt ein „Bürgerbeirat“ vor, der sich auch in die Neukonzeption des Hauses einbringen soll. Der objektiven und subjektiven Zeiterfahrung in Kunst und Kultur schließlich widmet sich die zweite Sonderausstellung (16. November), in der auch zeitgenössische Kunst zu sehen sein wird.

Und was gibt sonst noch?

Während das Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Museum sich vorerst noch bedeckt hält, was sein Programm angeht, kündigt das Museum Brot und Kunst seine feierliche Wiedereröffnung unter neuem Namen und mit neuer Dauerausstellung für den 25. Mai an – am Sonntag, 26. Mai, steht das Museum allen Besuchern bei freiem Eintritt offen – und verspricht in der zweiten Jahreshälfte eine Sonderausstellung mit Fotografien von Steve McCurry.

Die längste Winterpause aber hat die Walther Collection in Burlafingen, die am 5. Mai wieder aufmacht: „Then and Now: Life and Dreams revisited“ kombiniert einen Teil der letztjährigen China-Ausstellung mit historischen Aufnahmen aus China und „sehr zeitgenössischen Neuankäufen“.

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Ausblick nach Oberschwaben

Im Museum Villa Rot in Burgrieden/Rot beginnt das Kunstjahr mit der Ausstellung „Inspiration Meisterwerk“ (3. März). Sie dreht sich um die Frage, wie Künstlerinnen und Künstler sich heute mit den großen Namen und Bildern der Kunstgeschichte auseinandersetzen – zu sehen ist dabei alles außer Malerei. In der Schau „Auf Herz und Nieren“ (30. Juni) geht es um Organe in der Kunst, auch im Hinblick auf neue Technologien. Das Jahr schließt mit der Retrospektive des Stiftungsvorstands des Museums Villa Rot, dem Bildhauer Willi Siber (3. November), der im Herbst auch seinen 70. Geburtstag feiert. Mehr Informationen zum Programm finden sich unter: www.villa-rot.de

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