Ulm/Neu-Ulm / HANS-ULI MAYER EDWIN RUSCHITZKA  Uhr
Krautwickel, Gulasch oder Hahnhoden: Das Donaufest bietet auf beiden Ufern kulinarische Angebote aus den Donauländern. Ein Rundgang.

„Die Politik hat viel kaputt gemacht, aber hier sind wir alle Freunde“, sagt der in Ulm lebende Bosnier Almir Hodzic. Er bietet an seinem Stand am Ulmer Ufer Halal-Gerichte an, koschere Cevapcici, Gebäck und mit Käse gefüllte Pide. Rings um ihn herum wird ungarisch, serbisch oder kroatisch gesprochen, und so sehr die Menschen dieser Länder noch vor 25 Jahren teilweise  Krieg geführt haben, so gut verstehen sich die Gastronomen auf dem Donaufest. „Hier sind wir eine große Familie“, schwärmt Hodzic, der zwar in Ulm geboren ist, aber bis zu seinem 14. Lebensjahr im damaligen Jugoslawien gelebt hat.

Sein kleiner Stand trägt die Nummer G 09, wobei das G für Gastronomie steht. Sein koscheres Fleisch bezieht er von einem Spezialmetzger bei Augsburg, seine Cevapcici (5 Euro) stellt er von Hand her. Fertigprodukte einkaufen, kommt bei ihm nicht in Frage, sagt er. Selbstverständlich ohne Schwein und ohne Alkohol  hat er sich für Menschen jüdischen oder islamischen Glaubens auf dem Markt zum Treffpunkt schlechthin entwickelt.

Die Vielfalt auf diesem zehnten Donaufest ist groß und reicht von Käsespätzle (9,80 Euro) und Schupfnudeln  (8,90 Euro) in der Besenwirtschaft über Szeklergulasch (6,90 Euro), Szegediner Fischsuppe im Brotlaib (7,50 Euro) bis hin zu dem legendären Hahnhodengulasch und Palatschinken (ab 2,50 Euro), gegrilltem Fisch (10 Euro), scharfen und fettigen Würsten bis hin zu süßen Versuchungen, die oft der türkischen Küche entspringen.

Zum ersten Mal dabei sind Silvia und Djuro Didovic, die in Buch-Obenhausen ein eigenes Restaurant („Zur blauen Traube“) betreiben und für das Donaufest ein großes Holzhaus in Kroatien haben bauen lassen. Neben Tintenfischen (12,50 Euro) und Goldbrassen grillen sie vor allem auch Spanferkel (11,50 Euro) am Spieß, von denen sie alleine am Wochenende rund zehn pro Tag verkauft haben. Auch wenn das anstrengende Tage seien, Silvia Didovic macht es Spaß, die Atmosphäre sei einfach toll.

Nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Idee ist Amir Zahirovic mit seinem Essensstand dabei. Für den in Neu-Ulm lebenden Bosnier ist das Fest eine „super Idee“, bei der er einfach dabei sein wollte. Zunächst nur mit einem überschaubaren Angebot. Bei ihm gibt es Burek (3 Euro), mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, die man in seiner Heimat sowohl als Haupt- wie auch als Zwischengang serviere.

Aus Budapest kommen Anna Bozso und Moro Gabor, und weil die Nachfrage trotz des eher durchwachsenen Wetters gut ist, ist er gestern zurück in die ungarische Hauptstadt gefahren, um in seinem Laden Stelazsi Nachschub zu holen. Er hat ein breites Sammelsurium an Büffelsalami, Akazienhonig, sauer eingelegtem Gemüse, geräuchertem Käse, Aprikosenmarmelade und vielem mehr an seinem Stand und ist schon das dritte Mal in Ulm. „Das Schöne ist, das wir zu zweit sind. So kann immer einer auch etwas von den Veranstaltungen ansehen“, sagt Gabor.

Alte Bekannte und Neues trifft man am Neu-Ulmer Ufer. Da sind zum Beispiel die Stände des Vereins „Deutsch-Rumänische Freundschaft – Donauban“, die Essen und Weine anbieten. Auf die Teller kommen Kuddel- oder Gemüsesuppe mit Fleischbällchen, für jeweils 4,50 Euro. Gefüllte Paprika und Krautwickel (je 6 Euro) werden angeboten, dazu Hackfleischbällchen bzw. -würstchen (3 bis 5,50 Euro). Umfangreich ist die Weinkarte.

Gute  Bekannte sind  wieder die Mitglieder der Ukrainisch-Katholischen Kirche in Neu-Ulm. Andreij und Roksoliana Wasylyshyn und ihre Mitstreiter haben an fünf Wochenenden im Vorfeld Gerichte aus der Ukraine gekocht und eingefroren. „Mehr als vor zwei Jahren, als uns das Essen ausging“, sagen sie. Da ist zum Beispiel der Rote-Beete-Eintopf „Borschtsch“, der Teller für 2,50 Euro, oder die mit Hackfleisch, Speck und Reis gefüllten Krautwickel „Holubzi“ (4 Euro), vor allem aber „Warenyky“ wie die kleinen, mit Kartoffel, Käse und geschmelzten Zwiebeln gefüllten Teigtaschen heißen, die kleine Portion für 3 Euro, die große für 5 Euro. Zum Verdauen bieten die Ukrainer was Hochprozentiges an: „Horilka“ heißt der Schnaps mit der eigenwilligen Mischung aus Honig und Pepperoni,  das Glas für 2 Euro.

Auch Zorica Muhr vom serbischen Kulturverein „Sloga“ in Ulm hat eines ihrer Gerichte selbst gekocht: eine schmackhafte Bohnensuppe, den Teller für 3 Euro. Ein paar Meter weiter ist der Stand des Kroatischen Kultur- und Sportvereins in Ulm. Sie haben etwas ganz Besonderes auf der Speisekarte: Doraden aus dem Mittelmeer bei Zadar. 600 Kilo haben sie aus ihre Heimat ankarren lassen, über 150 Kilo wurden allein am ersten Sonntag verkauft. Grillmeister Dalibor Baresic, der extra aus Zadar nach Neu-Ulm gekommen ist, salzt die Fische und wendet sie in Ölivenöl, bevor sie auf den Grill wandern. Zusammen mit Kartoffelsalat ist das für 10 Euro zu haben.

Ansonsten findet man am Neu-Ulmer Ufer ungarische Süßwaren oder Langos, aber auch Dinnede aus der oberschwäbischen Holzofenbäckerei in Bad Schussenried. Wer auf leichtere Kost steht, holt sich in der „Kostbar“, dem „regionalen Gaumentheater“ aus Ulm, einen  Joghurtbecher mit Früchten (4 Euro).

Von 11 bis 23 Uhr

Öffnungszeiten
Die Stände mit Essen und Trinken öffnen auf dem Donaufest zumeist schon um 11 Uhr morgens – und sind so für Berufstätige zu einer willkommen Abwechslung beim Mittagstisch geworden. Gegen  Abend – bis 23 Uhr ist unter der Woche und bis 24 Uhr am Wochenende  geöffnet – muss man sich zuweilen  in Geduld üben. Die Wartezeiten sind mitunter recht lang. Das Donaufest endet am Sonntagabend.