Das Kleid ihrer Schulzeit

EDITH EISELE / BEATE ROSE / UTE GALLBRONNER 07.07.2012
Warum alle Mädchen ihr Abitur bestehen wollen? Weil sie das Kleid für den Abiball längst im Schrank hängen haben. Fünf Abiturientinnen erzählen über das Kleid, in dem sie das Ende ihrer Schulzeit feiern.

Shoppen mit Mama: Wer könnte besser beim Abiballkleid beraten als eine Frau vom Fach? Wie gut, dass die Mutter von Laura Kurz (19), Abiturientin an der Valckenburgschule in Ulm, als Modeberaterin gearbeitet hat. Die Mutter also fuhr mit nach Senden zu einem Modehaus. Dort dauerte die Suche nach dem Kleid: Laura kaufte nach längerer Anprobe diverser Kleider ein sommerliches, buntes Kleid mit überkreuzten Trägern. Wird das Sommerkleid dem festlichen Anlass gerecht? Laura war sich unsicher - und kaufte nochmal zwei Kleider. Zu Hause beriet sie sich mit Mutter und Schwester. Die Wahl fiel auf das zuerst gekaufte, bunte Kleid. Begründung: "Das kann ich nochmal anziehen." Außerdem "wollte ich nicht, dass eine andere das gleiche Kleid trägt wie ich".

Am Abiball selber, der im CCU Ende Juni gefeiert wurde, hat sich die 19-Jährige "sauwohl" gefühlt. Denn die Abiturientinnen hatten die verschiedensten Kleider an, und ihr sommerliches Kleid war nicht unpassend. Das hängt bis zum nächsten Anlass vorerst im Schrank. "Ich würde mein Kleid niemals weiterverkaufen. Für mich hat es persönlichen Wert und es wird mich immer an meine Abizeit erinnern." Der Preis fürs Kleid: 80 Euro.

Ballkleid aus München: Zweifel, ob ihr Kleid das richtige ist, hatte Saskia Strelow (19) nie, Abiturientin an der Valckenburgschule. Schon zwei Monate vor dem Abiball stand ihr Outfit fest. Sie war zur Kleidsuche extra nach München in Begleitung ihrer Mutter Irmgard gefahren. "In München gibt es mehr Auswahl." Als sie in einem großen Modehaus ein zartrosa Ballkleid entdeckte, wusste sie: "Das ist es!" Das Kleid war mit 150 Euro am Limit des Preises, den die Eltern bezahlen wollten. "Mir hat das Kleid 100 Prozent zugesagt." Auch eine schwarze Clutch, eine schmale Handtasche, passend zu dem schwarzen Gürtel am Kleid, war schnell gefunden. "Beim Abiball habe ich mich sehr gut gefühlt. Es war perfekt!" Das gute Stück kommt jetzt in die Reinigung und wartet dann im Kleiderschrank darauf, dass es nochmal ausgeführt wird.

Schlicht, aber mit Stil: "Nicht so auffällig, sondern eher schlicht", sollte es sein, das Kleid, das Alexandra Klos (17) zu ihrem Abschlussfest an der Fachhochschule Neu-Ulm tragen wollte. Kein leichter Auftrag, wie sich bald herausstellte. "Entweder haben mir die Kleider nicht gefallen oder sie haben nicht gepasst", erzählt sie. Der erste Anlauf wurde erfolglos abgebrochen, erst am zweiten Tag wurde sie fündig: "Meine Schwester Luisa hatte es plötzlich in der Hand gehabt, und vom Stil her hat es mir gleich gefallen", erzählt Alexandra. Dunkelblau, knielang und Spaghettiträger - darin hat sie sich wohlgefühlt.

Die Zeugnisübergabe ist zwar erst am Dienstag, getragen hat Alexandra ihr Kleid aber schon, sogar zweimal: "Beim Abiball meiner Freundin und der Hochzeit meiner Tante." Ihr Urteil: "Ich hab mich wohlgefühlt, obwohl es an beiden Tagen wahnsinnig heiß war."

Knöchellanges Abendkleid: Abiball? Da kauf ich mir doch nichts Neues. Dachte sich Edith Eisele (19), Abiturientin an der Valckenburgschule Ulm. Sie wollte kein Geld ausgeben für ein Kleid, das sie nur einen Abend lang anziehen wird. Ihre Vorstellung: Da nehm ich ein Kleid, das ich schon habe, und peppe es mit einer Schleife auf. Für diese Idee lachte ihre Schwester sie aus, ihre Freundinnen konnten Ediths Meinung so gar nicht verstehen. Ein Freund redete auf sie ein: "Der Abiball ist wichtig. Davon willst du später mal deinen Kindern Fotos zeigen." Da war Edith überzeugt.

Was fehlte, war das Kleid. Denn sie hatte genaue Vorstellungen, wie das sein sollte: Lang, "so eines hatte ich nämlich noch nie", am Rücken geschlossen sein und vorne V-Ausschnitt haben. In Ulmer Läden fand sie nichts, was diese Kriterien erfüllte. Also klickte sich Edith durchs Internet, fand bei einem Versandhandel das Kleid ihrer Träume und bekam es im Paket geliefert. Bräunlich-rot, fließende Seide bis zu den Knöcheln. "Das Kleid war mein Kleid." Und genauso hat sie sich darin auf dem Abiball gefühlt, "voll gut" eben. Edith hatte also das Kleid, es fehlten noch Schuhe, Gürtel - und was sollte sie mit ihren Haaren anstellen? Am Ende hatte sie "das volle Programm" mitgemacht. Sie hatte einen Gürtel mit Blume gekauft, eine Kette und war noch zum Friseur gegangen, der ihre Haare zu Locken gedreht hatte. Derart hübsch gemacht, hat sie nicht etwa ihr Abi gefeiert, sagt sie, sondern "drei schöne Schuljahre, in denen ich Freunde gefunden habe". Der Preis fürs Abendkleid: 70 Euro.

Mädchenhaft mit Korsage: "Sollte ich noch anfangen zu hungern?" Sofort verwirft Jasmin Braun (17), Abiturientin des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums in Neu-Ulm, diese Idee. "Quatsch, unser Abiball ist ja schon Freitagabend." Viel zu kurz also, um noch eine Blitzkur zu starten, damit Jasmin in ihr Ballkleid passt. Zumal sie bei der Anprobe vor zwei Tagen problemlos den Reißverschluss schließen konnte. Zugegeben, die Korsage ist eng. Wie das bei trägerlosen Kleidern so ist - die Korsage muss eng sitzen. Jasmin: "Da rutscht nichts!"

Das Kleid hat sie vor einem halben Jahr gekauft, den Preis weiß sie nicht mehr, und es zum ersten Mal bei einer Hochzeit getragen. "Ich liebe es." Wegen seiner Seide, dem Unterrock aus Tüll und den ungewöhnlichen Farben wie lila, braun, gelb. Und: "Es ist bequem, darin kann ich sogar rennen."

In diesem Kleid kommt sie sich nicht ballköniglich vor. "Es ist eher mädchenhaft. Ich will jung aussehen, weil ich jung bin." Das Kleid mache ihr wegen seiner Farben gute Laune. Für sie das Richtige zum Ball, denn "der soll fröhlich sein. Wir haben ja etwas zu feiern."

Was sie vom Ball erwartet, auf dem sie gestern im CCU getanzt hat? "Das Essen soll gut sein und die Musik. Ich will tanzen." Schließlich sei das der letzte Abend, an dem die Schüler ihres Jahrgangs zusammen sind, was sie "krass" findet. Sie freue sich jedoch aufs erste Klassentreffen in zehn Jahren. Eine prima Gelegenheit für ein neues schönes Kleid.

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