Schwörwoche 2018 Was ist der Schwörmontag?

OB Gunter Czisch bei der Schwörrede im vergangenen Jahr
OB Gunter Czisch bei der Schwörrede im vergangenen Jahr © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Tobias Herrmann 20.07.2018
Der Schwörmontag ist der wichtigste Feiertag in Ulm. Seine Entstehungsgeschichte reicht bis ins Mittelalter zurück

Der Schwörmontag findet jedes Jahr am vorletzten Montag im Juli statt und beendet als wichtigster Feiertag die Schwörwoche in Ulm. Zu ebenjener Schwörwoche gehört unter anderem die Lichterserenade, das Schwörkonzert oder das Nabada.

Streit zwischen Patriziern und Zünften

Die Historie des Schwörmontags reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, als ein Streit zwischen Patriziern und den Zünften um die Machtverhältnisse im Stadtparlament der Freien Reichsstadt Ulm schwelte. Dieser Streit wurde im Jahr 1397 mithilfe des „Großen Schwörbriefs“ beigelegt. Darin wurde der jeweils amtierende Bürgermeister dazu verpflichtet, in der sogenannten „Schwörrede“ jährlich Rechenschaft über seine Handlungen im Parlament abzulegen. Außerdem garantierte der große Schwörbrief allen Mitgliedern des Parlaments gleiche Stimmrechte. Bis ins 19. Jahrhunderte hinein wurde dieser gegenseitige Treueschwur zwischen Stadträte und Bürgerschaft beibehalten. Erst als Ulm im Jahr 1802 seine Unabhängigkeit verlor, wurde der Brauch etwa 130 Jahre lang unterbunden.

Neubelebung des Brauchs durch die Nationalsozialisten

Ausgerechnet die Nationalsozialisten erweckten den Brauch zu neuem Leben und inszenierten die traditionelle Schwörrede als Treuegelöbnis zwischen „Führer und Gefolgschaft“. Dazu sollte der Oberbürgermeister zum einen Rechenschaft über das vergangene Jahr ablegen, zum anderen politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Pläne für das folgende Jahr vorstellen.

Nach Ende des zweiten Weltkriegs entschied sich der neue Oberbürgermeister Robert Scholl dazu, die Schwörrede auszusetzen. Scholl war überzeugter Demokrat, zudem der Vater von Hans und Sophie Scholl. Die beiden leisteten als Initiatoren der „Weißen Rose“ erbitterten Widerstand gegen das Nationalsozialistische Regime und wurden 1943 in München hingerichtet.

„Den Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein“

Robert Scholls Nachfolger hingegen, Theodor Pfizer, führte den Schwörakt 1949 wieder ein. Seither schwört der jeweils amtierende Bürgermeister der Stadt Ulm, den „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt.“ Während der Schwörrede erklingt die Schwörglocke, eine der 13 Glocken des Ulmer Münsters.

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