Das Ulmer Fischerstechen findet im Vier-Jahres-Rhythmus an den beiden Sonntagnachmittagen vor dem Schwörmontag statt. Bereits am Vormittag ziehen Mitglieder des Ulmer Schiffervereins durch die Stadt und führen historische Tänze der Fischerzunft auf. Diesem Festzug wohnen auch die Stecherpaare bei, also diejenigen, die am Nachmittag beim eigentlichen Fischerstechen gegeneinander antreten.

Bildergalerie Zweiter Festumzug des Fischerstechens

Wer nass wird, verliert

Das Stechen findet auf der Donau vor Tausenden von Zuschauern statt und folgt dabei sehr strengen Regeln. Wichtigstes Utensil - neben des etwa 2,80 Meter langen Speers - ist dabei die Zille, ein etwa zehn Meter langes und ein Meter breites Holzboot. Auf einer Zille stehen drei Fahrer sowie ein Stecher. Zu Beginn jedes Zweikampfes fährt je eine Zille vom Ulmer und Neu-Ulmer Ufer ab. Ziel des Wettkampfes ist es, „trocken“ zu bleiben und nicht „nass“ zu werden. Ein Stecher gilt dabei nicht nur als „nass“, wenn er ins Wasser fällt, sondern auch wenn er seinen Speer verliert, nach dem Speer des Gegners greift, das Standpodest verlässt und in die Zille tritt oder durch unfaires Handeln einen Sturz des Gegners provoziert beziehungsweise seinen eigenen verhindert. In Streitfällen entscheidet ein Schiedsgericht unter Vorsitz des Zunftmeisters, ob ein Stecher nass geworden ist.

Kuhhirt gegen Ratsherr

Ausgerichtet wird das Ulmer Fischerstechen vom Ulmer Schifferverein e. V., einer Nachfolgeorganisation der Ulmer Schiffer- und Fischerzunft. Die Teilnehmer setzen sich größtenteils aus Nachfahren und Angehörigen dieser Zünfte zusammen und werden nach strengen überlieferten Regeln ausgewählt.

Jedes Stecherpaar ist einer bestimmten Rolle entsprechend kostümiert und stellt eine historische Figur einer speziellen Epoche dar. Diese Figuren sind beispielsweise Narren, Kuhhirt und Ratsherr, Weißfischer oder König von Württemberg und König von Bayern.

Ein Stecher fällt ins Wasser und wird „nass“.
© Foto: Volkmar Könneke

Insgesamt treten an einem Sonntag 15 historische Stecherpaare sowie zwei Kontrahenten aus dem aktuellen Zeitgeschehen gegeneinander an und ermitteln jeweils einen Tagessieger. Diese beiden Tagessieger liefern sich am zweiten Sonntag einen finalen Zweikampf um den Gesamtsieg.