Neu-Ulm Das Hirn kann jeder trainieren

Sich etwas zu merken, das ist für Boris Konrad ein Kinderspiel.
Sich etwas zu merken, das ist für Boris Konrad ein Kinderspiel. © Foto: Oliver Schulz
BEATE STORZ 17.09.2016
350 Menschen. 350 Namen. Einmal hat Boris Konrad sie gehört und konnte 50 Besucher persönlich begrüßen. Der Gedächtniskünstler referierte in Neu-Ulm.

Der Mann ist Hirnforscher, Neurowissenschaftler und hat einen Doktortitel in Psychiatrie, Buchautor und Selbstvermarkter. Er ist bei „Wetten dass. . .“ aufgetreten und außerdem Gedächtnisweltmeister: Er konnte sich 500 Zahlen in fünf Minuten merken. Chapeau!

Konrads Vortrag gehört zur Reihe „Südwest Impuls – Vorsprung durch Wissen“ der SÜDWEST PRESSE. Er betonte, dass seine Gedächtnisleistung nicht unbedingt eine angeborene Gabe sei. Er habe als Schüler einen Gedächtniskünstler gesehen und wollte diese Kunst auch beherrschen. Er kaufte sich Bücher und mit etwas Training vermochte er sich plötzlich auch viel mehr zu merken: „Schon als Schüler habe ich davon profitiert. Jeder kann es lernen.“ Und wie das funktioniert, haben die Besucher gleich selbst erfahren.

Konrad hielt keinen theoretischen Vortrag über die Funktionsweise des Gehirns. Er bezog das Publikum mit ein und trainierte an diesem Abend 350 Gehirne. Bei der Routenmethode erzählte er eine Geschichte, die eher merkwürdig war. Viel Heu mit einer Lücke kam in der Geschichte vor, ein Haifisch, ein Sack Weizen, ein Herzog oder ein Gaukler. Konrad erzählte seine Geschichte mehrmals, danach war das Publikum in der Lage zehn Begriffe aufzusagen. Er machte aus Gaukler Gauck oder aus dem Sack Weizen Weizsäcker, und schon konnte der ganze Saal die Namen der Bundespräsidenten aufsagen. Doch das reichte Konrad nicht: Er wollte, dass sich die Leute 20 weitere Begriffe merken konnten. Und sie konnten!

Zahlen merkt Konrad sich ebenfalls mit Symbolen. So ist bei ihm die Eins eine Kerze, die Drei ein Dreizack. Auch Namen könne man mit Bildern abspeichern. Bei der WM musste er sich 215 Namen merken. Einfach sei es bei Namen, die einen Beruf bezeichnen wie Koch oder Schäfer. Da stellt er sich sein Gegenüber in Berufskleidung vor Schwieriger sei es bei ausländischen Namen. „Am besten Silbenweise aufteilen: Der Name Kaczmarzik wird zu Katze und Marzipan oder Rodriguez zu Rot und Riegel.“

Um sich die Namen zu merken muss man sie auch richtig verstehen. Konrad fragt lieber nach, wenn er unsicher ist. Den Namen müsse man mindestens einmal ausgesprochen haben und sich immer ein Bild dazu merken. Am Beispiel seines eigenen Namens Boris Nikolai Konrad: Boris spielt mit Nikolausmütze Tennis und trägt eine Tüte vom Conrad-Markt mit sich.

Doch nutzt es nichts, sich eine Sache nur einmalig zu merken. Natürlich müssen die neu gelernten Informationen wiederholt werden. „Nicht einfach die Liste nachlesen, sondern versuchen, aus dem Gedächtnis die Liste wieder zusammen zu bekommen, rät Konrad. Er appellierte an die Anwesenden, doch selbst Gedächtnisübungen zu machen. „Täglich eine halbe Stunde ein halbes Jahr lang genügt, damit ihr Gedächtnis trainiert ist“, verspricht Konrad.

Zur Person

Wissenschaft Dr. Boris Nikolai Konrad ist 32 Jahre alt. Er hat angewandte Informatik und Physik studiert. 2006 machte er sich als Gedächtnissportler selbstständig, lebt von populärwissenschaftlichen Büchern und Vorträgen. Im Januar 2014 hat er am Max Planck Institut für Psychiatrie promoviert.