Scharff-Museum Das große Einräumen im Edwin-Scharff-Museum

Museumschefin Helga Gutbrod packt aus: Jede Depot-Kiste enthält ein Kunstwerk, das die kommenden Wochen seinen Platz im Edwin-Scharff-Museum finden wird.
Museumschefin Helga Gutbrod packt aus: Jede Depot-Kiste enthält ein Kunstwerk, das die kommenden Wochen seinen Platz im Edwin-Scharff-Museum finden wird. © Foto: Oliver Schulz
Neu-Ulm / Lena Grundhuber 30.12.2017
Chefin Helga Gutbrod will ihr Haus Ende Februar wieder eröffnen. Bis dahin hat sie noch gut zu tun.

Helga Gutbrod zieht die Handschuhe aus zur Begrüßung. Sie trägt sie nicht der Temperatur wegen, warm ist es ja bereits in diesen Räumen, sondern, um die Kunstwerke nicht zu beschädigen. Denn nach mehr als einjährigem Umbau beginnt allmählich der schöne Teil für die Chefin des Edwin-Scharff-Museums: Das Einräumen, das Aufstellen, das Hängen, das Gestalten. Bis zur Wiedereröffnung des Hauses Ende Februar muss alles stehen – ohnehin schon ein paar Monate später als ursprünglich geplant (wir berichteten).

Im Herbst 2016 hatte das Museum komplett dichtgemacht. Alles musste raus, damit die dringend notwendige Sanierung inklusive Klimatechnik, Brandschutz und Alarmanlagen endlich ins Werk gesetzt werden konnte. „Im Altbau wurde jede Wand aufgeschlitzt“, erzählt Gutbrod immer noch mit leisem Schrecken in der Stimme, „das sah aus wie nach dem Krieg!“. Die neue Decke, hinter der sich die nötigen Vorrichtungen verbergen, hat in den Ausstellungsräumen des Altbaus denn auch ganze 30 Zentimeter Höhe gekostet.

Edwin Scharffs Marienthaler Kirchentüre haben die Museumsleute mit einiger „Puzzlearbeit“ trotzdem wieder einpassen können, auch seine „Hockende“ ist zurückgekehrt und kauert noch etwas unentschlossen auf der Europalette. Und während ein Sockel noch seiner Anni-Mewes-Büste harrt, ist ihr Schöpfer in Form seines lebensgroßen Abbilds auf Glas bereits zugegen und klopft wie der Schutzheilige der Bauarbeiten mit dem Hammer an einer Skulptur.

Einige alte Bekannte trifft man also, dennoch wird sich manches ändern in der ständigen Sammlung Scharff. Man muss Helga Gutbrods erzählerischen Händen folgen, um sich vorzustellen, wie die Räume aussehen werden, wenn erst alle Kabel versteckt, alle Leitern weggestellt und alle Depot-Kisten ausgepackt sind. Das „riesige Vermittlungsmöbel“ im Gang ist und bleibt weg, Gutbrod zeigt, was nachfolgt: In den noch unsichtbaren Sitzecken mit – auch digitalen – Medienstationen können sich die Besucher künftig über den Bildhauer informieren, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als einer der wichtigsten in Deutschland galt.

An Ausdrucken, die vorläufig an die Wand gepinnt sind, lässt sich die inhaltliche Veränderung ablesen: „Wir legen den Schwerpunkt auf den frühen Scharff“, sagt Gutbrod. Ihr Augenmerk gilt dem früh begabten jungen Mann, der schon als Teenager sehr beachtlich zeichnete und sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg autodidaktisch vom Maler zum Bildhauer weiterentwickelte. Was niemanden mehr überraschen wird, der etwa sein Gemälde mit zwei Akten sieht, die bereits wie gemalte Skulpturen wirken.

Wie sieht ein Künstler Scharff?

Auch dieses Bild lehnt noch auf dem Boden in einem Raum, der nun lustige gelbe Streifen hat: So hat es sich der Künstler Stefan Wissel gewünscht, der hier eine dauerhafte Installation zu Scharff einrichten wird. „Mich hat interessiert, wie ein Künstler auf Edwin Scharff reagiert“, erklärt Helga Gutbrod. Wissel kann sich aussuchen, was er dafür aus dem Depot holt; unter anderem Terrakotten und Gipse werden es sein, Edwin Scharffs „plastische Skizzen“, deren transparente Hauben momentan noch auf dem Fensterbrett ihrer Verwendung harren und selbst eine Art durchsichtiger, temporärer Skulptur ergeben.

Mitmachstationen soll es weiter oben in den Räumen für die Sammlung von Ernst Geitlinger geben. Über die neue, zweite Museumswerkstatt im Keller führt die Museumschefin in den Neubau und damit in den Umbau hinüber: Der neue Haupteingang mit der schönen großen Glasfront ist fertig – „das ist schon eine anderer Auftritt“, meint die Museumschefin. Doch innen im künftigen Café- und Shop-Bereich liegen die Ziegel noch blank, das Radio der Bauarbeiter dudelt vor sich hin.

Immerhin kann Gutbrod demonstrieren, wie man den Eingangsbereich vom Gruppeneingang wird abtrennen können, damit die Besucher ungestört ihren Kaffee genießen dürfen. Und auf einen Namen habe man sich auch schon geeinigt: „Museumscafé am Petrusplatz“ – vielleicht nicht unbedingt originell, dafür auch ohne verunglückten Wortwitz.

Der Innenhof werde zum Eröffnungstermin wohl nicht fertig, sagt Museumschefin Helga Gutbrod. Denn der Anbau für die Toilette, der zuletzt wegen der Mehrkosten einige Verärgerung im Stadtrat hervorgerufen hatte, fehlt noch. Der Rest aber sei „auf den Schienen“ und im Zeitplan. Ist ja auch langsam gut jetzt: „Wir wollen wieder da sein.“

Das Programm im Februar

Die Eröffnung Die Sanierung und der Umbau des Edwin-Scharff-Museums sollten bereits abgeschlossen sein, wurden aber schluss­endlich doch teurer und zogen sich ein paar Monate länger hin. Die Kostensteigerung um mehr als 20 Prozent auf jetzt rund 3,7 Millionen Euro geht unter anderem auf den Einbau der behindertengerechten Toilette zurück, der noch einmal 100.000 Euro ausmacht. Ein „Planungsfehler“, der im Stadtrat Ende Oktober auf Unverständnis stieß. Am 23. Februar nun soll das Haus eröffnen. Das Kindermuseum zeigt von 24. Februar an die Mitmach-Ausstellung „Hör mal, wer da guckt“. Das Kunstmuseum präsentiert den Bildhauer Emil Cimiotti (von 25. Februar an). Am Eröffnungswochenende ist freier Eintritt. Zur Eröffnung wird auch die neue Homepage vorgestellt, unter www.edwinscharffmuseum.de

Erweiterte Öffnungszeiten Samstags wird wie am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet sein.

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