Für manche Ulmer ist er ein Schandfleck. Andere haben sich so an den Anblick gewöhnt, dass sie die Hässlichkeit nicht mehr wahrnehmen: Die Rede ist vom Bauzaun, der den Chor des Münsters umgibt.

Für Münsterbaumeister Michael Hilbert ist nicht nur der Anblick traurig, sondern in erster Linie die Tatsache, dass die Bretterwand immer noch steht. Aufgestellt wurde der drei Meter hohe und 100 Meter lange Holzzaun 1993, als die Sanierung der Chorfassade in Angriff genommen wurde. Sämtliche Arbeiten sind längst abgeschlossen, im Sommer 2015 wurde das Gerüst abgebaut.

Hilbert, damals ein gutes Jahr offiziell im Amt, nahm daraufhin mit der Stadt Kontakt auf und stellte zwei Bedingungen für den Abbau: Erstens vollendet die Stadt die Pflasterung, die am Bauzaun aufhört. Zweitens – und für Hilbert wichtiger – muss die Stadt für eine ausreichende Beleuchtung am südöstlichen Münsterplatz sorgen. Um die frisch sanierten Münsternischen vor Wildpinklern zu schützen.

Keine Kapazität für Planung

Seither wartet Hilbert vergeblich, dass sich etwas tut. Im Herbst 2017 gab es zwar eine Bemusterung von Lampen, die ins städtische Beleuchtungskonzept passen, aber Kapazitäten für die weitere Planung gab es nicht.

Ist es jetzt besser, nachdem die Stadt ihren Planungs-Kraftakt mit Inbetriebnahme der Straßenbahnlinie 2 gestemmt hat? Baubürgermeister Tim von Winning beantwortet die Frage eindeutig – mit ja. „Leider sind wir im Bereich des südöstlichen Münsterplatzes nicht so schnell, wie ich mir das persönlich gewünscht hätte“, sagt er. Die Verzögerung sei „den allgemeinen Umständen des Bauens derzeit geschuldet“.

Und im Besonderen der Tatsache, dass die in der Bauverwaltung Verantwortlichen bislang mit der Planung der Lichtsignalanlagen der Linie 2 ausgelastet gewesen seien. „Es hatte Priorität, dass die Stadt funktioniert“, nimmt er seine Leute in Schutz. Nun aber hätte man mit der Planung am Münster begonnen. In der Sitzung des Fachbereichsausschusses Stadtentwicklung, Bau und Umwelt am 9. April soll das Thema auf die Tagesordnung kommen. Im Etat sind rund 600.000 Euro dafür eingeplant.

Klar ist die Art der Beleuchtung: Bodenstrahler für die Nischen, Lampenmasten und eine Nachrüstung der Strahler auf den Dächern, damit sie künftig ein wärmeres Licht aufs Münster werfen. Unklar ist aber, wann die Arbeiten erledigt werden können.

Viele Veranstaltungen in der City

„Das Problem ist, dass wir für die Bodenarbeiten und das Installieren der Lampen acht bis zehn Wochen brauchen – aber eine so lange Zeit ohne Veranstaltungen gibt es nicht“, formuliert von Winning die Crux. Zwei Varianten sind denkbar: Entweder die Arbeiten werden in zwei Etappen erledigt – „das bedeutet aber Einschränkungen, es wird teurer und dauert länger“. Oder aber man macht alles in einem Zug, „dann sind wir aber vermutlich schon in 2020“.

Münsterbaumeister Hilbert kann über die Schwerfälligkeit der kommunalen Entscheidungsfindung nur den Kopf schütteln. „Das heißt dann wohl: Der Zaun bleibt noch ein Jahr stehen.“ Aber immerhin kann er die Hoffnung nähren, dass es das letzte ist. Die Bauhütte richtet die Schäden am Zaun nicht mehr, entfernt auch keine Graffiti. An vielen Stellen löst sich die oberste Schicht der 26 Jahre alten Schalungsplatten. Michael Hilbert braucht vier Wochen Vorlauf, damit seine Mitarbeiter den Zaun abbauen können. Ihm wären die Arbeiten im Winter lieber: „Da habe ich dafür mehr Kapazität, im Sommer müssen meine Leute eigentlich am Münster arbeiten.“

Nächster Schritt ist, dass die Stadträte im April einen Beschluss fassen und damit Baurecht schaffen. Einig ist sich Hilbert mit Tim von Winning darin, dass sich ohne Zaun, mit neuem Licht und dann sanierter Valentinskapelle tolle Perspektiven für den südöstlichen Münsterplatz ergeben. „Das wird ein schöner Ort mit hoher Aufenthaltsqualität in der Stadt, der einen ruhigen Charakter haben wird, besonders in den Abendstunden“, gibt der Baubürgermeister als Vision vor.

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Wildpinkler zurückgedrängt


Ärgernis Münsterbaumeister Michael Hilbert hatte sich am Anfang seiner Amtszeit über Wildpinkler am Münster aufgeregt, insbesondere bei größeren Veranstaltungen. Inzwischen sei „der Zustand erträglich“, sagt er. Weil die City und die Veranstalter darauf achten, die Nischen – auch nachts  – abzuriegeln und gut sichtbar auf die aufgestellten Toiletten hinzuweisen.