Das Lieblingsstück der Museumsleute prangt ganz vorne, es ist eine hübsche Standuhr. Ende des 18. Jahrhunderts wanderte sie vom Bodensee in das Banat nach Rumänien, 250 Jahre später trat sie den Weg zurück nach Deutschland an. Einmal die Donau hinab und hinauf – und hinein ins Donauschwäbische Zentralmuseum, das der vorerst letzte Erbe des Stücks aus der Familie Planck ist.

In der Ausstellung des DZM, die den Rumänien-Schwerpunkt 2018 einleitet, verkörpert sie das Auf und Ab einer ganz speziellen Migrationsgeschichte: „Deutsche in Rumänien. Eine Minderheit – viele Geschichten“ heißt die Schau, die vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien und der deutschen Botschaft in Bukarest erarbeitet wurde. In vier Kapiteln – historisch, sozial, wirtschaftlich und kulturell – widmet sie sich dem wechselvollen Schicksal der deutschen Minderheit. Dazu kommen in einer eigenen kleinen Ausstellung die beschaulichen Dorfidyllen des Künstlers Georg Haller, eines Sathmarer Schwaben.

850 Jahre in vier Kapiteln

Die wenigsten werden von Sathmar gehört haben, womit wir bei der ersten Erkenntnis sind: „Die deutsche Minderheit“, das waren streng genommen mehrere Minderheiten. Neben den Siebenbürger Sachsen und Banatern wären da zum Beispiel Zipser und Landler. Sie alle kamen im Verlauf einer 850-jährigen Geschichte nach Rumänien und gingen im 20. Jahrhundert zum größten Teil auch wieder; heute lebten keine 40 000 Deutsche mehr in Rumänen, sagt Rita Siegmund vom DZM. Sie selbst stammt ebenfalls aus Siebenbürgen und reiste im Jahr 1987 nach Deutschland aus.

Die extrem kleinteilige historische Tafel-Landschaft nimmt ihren Anfang im 12. Jahrhundert, als die ersten Siebenbürger Sachsen von ungarischen Königen geholt wurden und als Siedler zunächst große Freiheiten der Selbstverwaltung erwarben.

Deutsche Schulen und Theater stehen für das kulturelle Selbstbewusstsein, auch wirtschaftliche Erfolge werden mit einigem Stolz aufgeführt – die Beteiligung von Rumäniendeutschen an NS-Verbrechen wird nicht verschwiegen. „Die Strafe folgte auf dem Fuß“, sagt Siegmund, erzählt von Repressionen nach dem Krieg und zeigt an einem Schulbuch von 1968, wie sich die deutsche Minderheit durch den Kommunismus lavierte. So schreibt Oskar Pastior in einem Gedicht: „Wie dankbar sind wir der Partei!“

Die zweisprachige Schau soll nicht nur „Nabelschau“ sein, inzwischen empfinde man sich als Brückenbauer zwischen den Ländern, heißt es hier. Charmant sind vor allem die vielen Erinnerungsstücke, die aus Privatbesitz oder als Zufallskäufe ans DZM gelangten, wie die Sammlung von 30 historischen Kaffeemühlen oder eine Kollektion von Blasmusikinstrumenten, die fast vollständig die Ausstattung einer Banater Blaskapelle rekonstruiert.

Das Symbol für Migration schlechthin ist mehrfach vertreten: die Truhe einer Amerika-Auswanderin von 1913, der Fluchtkoffer eines Arztes von 1944, das Gepäck von Spätaussiedlern 1987. Sie stehen für die Gründe, die Menschen haben können, ihren Koffer zu packen. Und für die legitime Hoffnung auf einen sicheren Ort, um ihn abzustellen.

Info Beide Ausstellungen im DZM laufen bis zum 27. Mai, Di-So 11-17 Uhr.