Ulm Das alte Röhrenwerk

Geschichte verpflichtet: Der neue Eigentümer der Industriegebäude in der Weststadt investierte binnen eines Jahres fast eine Million Euro. Foto: Matthias Kessler
Geschichte verpflichtet: Der neue Eigentümer der Industriegebäude in der Weststadt investierte binnen eines Jahres fast eine Million Euro. Foto: Matthias Kessler
Ulm / REGINA FRANK 03.11.2012
Einst wurde dort der Siegeszug des Fernsehens mit befördert - inzwischen bietet das alte Röhrenwerk Raum für die unterschiedlichsten Technologien.

Der größte Mieter in dem Industriekomplex an der Söflingerstraße 100 ist der französische Thales-Konzern, der dort mit mehr als 500 Mitarbeitern Wanderfeldröhren für die Raumfahrt herstellt. Einer der kleinsten ist das Geo-Büro, das Erde auf ihre Beschaffenheit und auf Altlasten untersucht: Es hat 4 Beschäftigte. Wo einst AEG-Telefunken seine berühmten Fernseh-Röhren herstellte - bis zur Übernahme durch den französischen Thomson-Brandt-Konzern, der das Knowhow abzog und die Produktion schloss -, entstand ein Gewerbepark: Er bietet 40 Firmen diverser Branchen ein Zuhause. Der neue Eigentümer der Immobilie, der Berliner Projektentwickler Beos, will das Objekt weiterentwickeln und investierte in den vergangenen zwölf Monaten bereits 920 000 Euro. Und demnächst soll ein Parkhaus mit 300 Plätzen gebaut werden.

"Unsere Daseinsberechtigung ist, mit Budgets Investitionsstaus abzubauen", sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Ingo-Hans Holz. Hinter Beos stecke ein amerikanischer Eigenkapitalgeber, der ausschließlich an langfristigen Investitionen interessiert sei. Die Beos AG kümmert sich nicht nur um die Neuvermietung freiwerdender Flächen, sie baut sie auch um, je nachdem, ob ein Callcenter einzieht oder eine Firma eine Produktionshalle benötigt. Holz: "Umbauten für die Mieter sind unser Hauptthema." Das Unternehmen hat eigenes technisches Personal.

Um die Immobilie zurück ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen, wurde ihr ein neuer Namen gegeben und zwar einer, der an die einstige Bedeutung erinnert und ein Stück Industriegeschichte bewahrt: Aus "Industriepark West" wurde "Altes Röhrenwerk".

Karl-Heinz Raguse vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat zu einem Werkstattgespräch in eine der Fabrikhallen eingeladen - genauer: eine Halle, die vom Anzeigentafel-Hersteller AEG MIS genutzt worden war, bis er seinen Neubau im Science Park II bezog. Die 6000 Quadratmeter wird Thales übernehmen. Damit verringert sich der aktuelle Leerstand im Alten Röhrenwerk von 4 Prozent auf annähernd Null.

"Seit dem Eigentümerwechsel funktioniert es viel besser", sagt Robert Mayer, Bereichsleiter der Firma Steep, die bislang als Generalmieter fungierte. "Es tut dem Standort gut, wenn sich jemand um die Mieter kümmert." Der Vorgänger, eine Bank, sei nicht sehr aktiv gewesen. Zudem ist Steep zwar Spezialist für Dienstleistungen rund um das Gebäude, aber eben nicht Profi für Vermietungen. Deshalb sei es eine große Erleichterung, leere Flächen nun an die Beos zurückgeben zu können, was in der vorherigen Konstellation nicht möglich war.