Hygiene Darm als Hotspot für multiresistente Keime

Mikrobiologin Prof. Heike von Baum leitet den Kongress.
Mikrobiologin Prof. Heike von Baum leitet den Kongress. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Christoph Mayer 16.03.2017

Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Bakterien.  War es vor 10 Jahren der multiresistente MRSA-Erreger, der Klinikärzten Sorgenfalten ins Gesicht trieb, so sind nun so genannte gramnegative Stäbchenbakterien  auf dem Vormarsch.  MRSA habe man in Deutschland gut in den Griff bekommen, es gebe deutlich weniger besiedelte und infizierte Patienten als vor zehn Jahren, sagte Prof. Constanze Wendt auf einer Pressekonferenz anlässlich des von Mittwoch bis Freitag im Congress Centrum stattfindenden internationalen Symposiums Krankenhausinfektionen. Dafür kommen die ebenfalls multiresistenten Stäbchenbakterien, speziell der 4-MRGN,  neuerdings „an fast jedem Krankenhaus vor“, so die Mikrobiologin aus Heidelberg. Und der VRE-Keim, ein ähnlich übler Bursche, nehme gar „explosionsartig“ zu.

Ein Problem: Während MRSA mittels Nasenabstrich leicht erkannt werden kann, finden sich letztgenannte Keime ausschließlich im Darm. Ein Screening – also die standardmäßige Vorabuntersuchung von Risikopatienten bei der Aufnahme ins Krankenhaus und ihre im Falle eines positiven Befunds mögliche Isolierung – ist schwieriger, greifen solche Untersuchungen doch in den Intimbereich  des Patienten  ein.

Ein Schwerpunkt des mit 1200 Teilnehmern größten deutschen Hygienekongresses in diesem Jahr: Flüchtlinge. Wie Prof. Ursel Heudorf vom Gesundheitsamt  Frankfurt berichtete, tragen überdurchschnittlich viele multiresistente Keime in sich. Bei Untersuchungen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Raum Frankfurt 2015 war nahezu jeder Dritte mit MRSA oder MRGN besiedelt – wobei besiedelt nicht erkrankt bedeutet. Die Betroffenen tragen den Keim lediglich in sich und können ihn weitergeben. Gefährlich wird es aber erst, wenn alte, immungeschwächte oder kranke Menschen mit ihm in Berührung kommen. Bei multiresistenten Keimen helfen gängige Antibiotika nicht, spezielle Antibiotika haben oft sehr starke Nebenwirkungen.

Die Besiedlung mit solchen Keimen sei keine Folge mangelnder Hygiene, darauf weist die Ulmer Mikrobiologin und Tagungspräsidentin Prof. Heike von Baum hin.  Sie erfolge in der Regel über Lebensmittel oder Trinkwasser in südlichen Ländern, Südeuropa inklusive. Auch Urlauber oder Geschäftsreisende gehörten  also zur Risikogruppe. Generell sei die moderne Medizin gut gewappnet, mit solchen Patienten umzugehen.  Auch in Kliniken gehe kein Risiko von ihnen aus. „Wir müssen es eben nur vorher wissen,  um dann entsprechend handeln zu können.“ Am Uni-Klinikum Ulm gebe es für alle Aufnahme-Ärzte entsprechende Leitlinien. Wer, wie etwa Asylbewerber, zu einer Risikogruppe gehört, müsse vorab gescreent werden.

Einstein-Gymnasiasten beim Kongress

Projekt Unter dem Titel „One World Health“ gibt es am Samstag auf dem Hygienekongress eine Sondersession mit Schülern vom Albert-Einstein-Gymasium Wiblingen. Die Klassen 5 und 8 des Hochbegabtenzugs sowie die Mikrobiologie-AG haben zahlreiche Projektarbeiten zum Thema „Mensch, Tier und Natur teilen sich eine Welt“ erstellt. Sie werden dort gezeigt und mit Kongressteilnehmern diskutiert.