Daedalus Quartet beflügelt im Vöhlinschloss

BURKHARD SCHÄFER 25.02.2013

Das Daedalus Quartet brillierte am Samstagabend im Barocksaal des Vöhlinschlosses Illertissen mit Streichquartetten der Ersten und Zweiten Wiener Schule.

Daedalus, Vater des Ikarus und der Mythologie nach genialer Baumeister und Konstrukteur, vermochte es, sich auf selbst erschaffenen Flügeln frei zwischen Himmel und Erde, Sonne und Meer zu bewegen. Seine Besonnenheit bewahrte ihn davor, weder zu hoch noch zu tief zu fliegen und abzustürzen - ein Schicksal, das bekanntlich seinen allzu genialischen Sohn ereilte.

Mit wie viel Bedacht das amerikanische Daedalus Quartet vor 13 Jahren seinen Namen gewählte hatte, konnten die Besucher im vollbesetzten Barocksaal des Schlosses erfahren, denn der konstruktive und dabei buchstäblich beschwingende Geist lag schon nach den ersten Takten von Joseph Haydns Streichquartett Nr. 2, Es-Dur, op. 33 in der Luft. Das frühe Werk umfasst eine ganze Welt: komplexe thematische Arbeit im eröffnenden Allegro moderato, tänzerische Ausgelassenheit im Scherzo, innige Kantabilität im Largo sostenuto und, ja tatsächlich, subtilen Witz im abschließenden Presto. Dieser Finalsatz ist von Generalpausen geradezu durchlöchert, was nicht nur ungeheuer modern, sondern auch urkomisch wirkt. Zur Hochform liefen Min-Young Kim und Matilda Kaul (Violine) sowie Jessica Thompson (Viola) und Thomas Kraines (Cello) dann in Alban Bergs Streichquartett op. 3 auf. Dieses ebenso konstruktive wie expressive Werk schien den vier Musikern wie auf den Leib geschrieben zu sein.

Mit Beethoven ging es nochmals zurück zur Ersten Wiener Schule. Sein Streichquartett Nr. 12, Es-Dur, op. 127 eröffnet die Reihe der späten Quartette - und es stößt, vor allem im überwältigenden Adagio-Satz, in Dimensionen vor, die "luft von anderem planeten" erahnen lassen. Am Ende war klar: Das Daedalus Quartet spielt mit in der allerersten Reihe der internationalen Ensembles.