Von Jungingen mit dem Elektroauto aus dem Car-Sharing-Programm der SWU bis zur Uni und dann mit der Linie 2 in die Innenstadt zum Einkaufen. Oder andersherum von der Innenstadt aus mit der Linie 2 in die Wissenschaftsstadt und dann weiter mit autonom fahrenden E-Kleinbussen zum weiter entfernten Arbeitgeber im Science Park III oder IV.

So sieht die Mobilität der Zukunft in Ulm aus, wenn es nach den Vorstellungen von Oberbürgermeister Gunter Czisch geht. „Autonom fahrende Kleinbusse in Ulm klingt vielleicht nach einer verrückten Idee“, sagt Czisch. „Aber ich fände es toll, wenn der Science Park für so ein Modell Testfeld werden würde.“

Neben dem Prestige, den ein solches Testfeld laut Czisch darstellen würde, und der Ausweitung der emissionsarmen Elektromobilität, spielen auch die Stadtfinanzen eine Rolle bei solchen Überlegungen. In Ulm stehe in den kommenden Jahren die Erhaltung und Instandsetzung der bestehenden Infrastruktur im Fokus. Pläne für einen baldigen Ausbau des bestehenden Straßenbahnnetzes erteilt Czisch dahingehend eine Absage. „Die Straßenbahn nach Neu-Ulm ist eine Vision. Was nützt die mir?“

Kein Geld für Großprojekte

Vielmehr müsse man sich nun um dringliche Probleme wie etwa die drängenden Brückensanierungen und den Engpass am ZOB kümmern. Für Projekte in der Größenordnung der Linie 2 sei da schlicht kein Geld da.

Gerade beim zentralen Busbahnhof zeige sich aber auch, dass Ulm im Bereich E-Mobilität im Nahverkehr keine Alleingänge machen kann. „Wir sind ein Teil des Nahverkehrskonzepts der Region und müssen in Räumen denken.“ Im November verabschiedete Czisch mit seinem Neu-Ulmer Kollegen Gerold Noerenberg auch deshalb eine Erklärung zur künftigen Zusammen­arbeit in Sachen Mobilität.

Darin festgehalten ist eine geplante Referenzstrecke für Elektrobusse zwischen dem ZOB und dem Zentralen Umsteigepunkt (ZUP) am Neu-Ulmer Bahnhof. „Unser Wunsch sind batteriebetriebene Busse in der Innenstadt“, sagt Czisch. „Keine Busse mit Euro-II-Norm, in denen jeweils zwei Fahrgäste sitzen.“ Mithilfe der Referenzstrecke, bei der sich auch Bushersteller Evobus einbringen will, sollen die Emissionen in den Städten reduziert werden. Ein Pendelverkehr zwischen ZOB und ZUP soll Fahrgäste, die mit verschiedenen Buslinien aus der Region am ZUP in Neu-Ulm ankommen, gesammelt nach Ulm fahren. „So könnten etwa 20 Prozent der rund 400 Fahrten am Tag eingespart werden“, sagt Czisch.

Grüne fordern E-Bus

Die Umsetzung sei jedoch weder einfach noch unumstritten. „Dafür müsste das Streckennetz aufgebrochen werden“, was die Oberbürgermeister beider Städte jedoch nicht einfach beschließen können. Czisch rechnet durch solch einen Pendelverkehr auch mit einer Entlastung des ZOB. Dessen künftige Größe im Zuge der Umgestaltung der Friedrich-Ebert-Straße wird derzeit noch kontrovers von IHK, Busbetreibern und Stadt diskutiert.

Um weitere Möglichkeiten für den Einsatz alternativer Antriebe im Stadtgebiet auszuloten, läuft bei den SWU derzeit eine Machbarkeitsstudie (wir berichteten). Erste Ergebnisse sollen Anfang 2019 folgen. Der Grünen-Fraktion geht das jedoch nicht schnell genug. In einem Antrag an den OB fordern sie, die Anschaffung von mindestens einem E-Bus im kommenden Jahr. Zwar sei die deutsche Industrie nach wie vor nicht in der Lage, einen Gelenkbus mit einer Reichweite von 400 Kilometern zu liefern, aber kleinere Modelle könnten etwa auf den Linien 9 oder 6 außerhalb der Spitzenzeiten eingesetzt werden.

Die Anschaffung von sechs Hybrid-Bussen der SWU im November sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Mithilfe eines Energierückgewinnungssystems etwa beim Bremsen können so rund 8,5 Prozent des benötigten Kraftstoffs eingespart werden.

„Ein weiterer Vorteil dieser Technik ist, sie ist verfügbar und bezahlbar.“ Während ein Hybridbus rund 10 000 Euro mehr kostet als ein Bus mit ausschließlich Verbrennungsmotor, komme ein E-Bus auf gut das dreifache. Zudem sei ein E-Bus nur dann praktikabel, wenn er einen Tag ohne Ladepause auskomme. „Das ist bislang schwer realisierbar.“

„E-Mobilität ist hier in der Stadt ein Thema“ ist Czisch überzeugt. Aber anders als etwa in der chinesischen Metropole Shenzhen, wo binnen weniger Jahre die komplette Busflotte auf Elektroantrieb umgestellt wurde, müsse das Thema hier in der Region Schritt für Schritt gedacht werden. „Die Frage ist: Wo wollen wir hin? Unsere Stadt soll letztlich leiser, grüner und sauberer werden.“ Dafür müssen nicht unbedingt mehr Busse auf die Straße geschickt werden, ist Czisch überzeugt. Vielmehr sollen künftig Projekte wie elektrisch angetriebene Busse und Straßenbahnen, Car- und Bike-Sharing sowie Ladepunkte für private E-Autos ineinandergreifen.

SWU als Mobilitätanbieter

In diesem Prozess sollen aus Sicht der Stadt die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm als der zentrale Mobilitätsanbieter in der Region positioniert werden. „Wir brauchen ganz viel Sichtbarkeit.“ Das laufe neben dem Nahverkehr eben auch über das bereits Mitte des Jahres 2018 ins Leben gerufene lokale Carsharing-Projekt SWU2go. „Wir haben hier etwa in Jungingen bereits losgelegt. Jetzt ist Neu-Ulm gefragt.“ Letztlich sei es der Plan, gerade in den Ortsteilen an einer Stelle alles anzubieten – Ladepunkte, Leihautos oder auch Leihräder.

„Die Kunst wird es sein, verschiedene Ansatzpunkte so zu verknüpfen, dass es zusammenpasst. Vor allem für den Kunden.“ Denn der entscheide letzten Endes mit seinem Nutzungsverhalten, ob das Konzept aufgehe oder nicht. „Auch bei der Linie 2 sind nicht mehr Fahrzeuge auf die Straße gekommen, aber das Angebot hat sich für die Kundschaft verbessert. Das muss unser Ziel sein.“ Ansonsten nutzten die Leute den Nahverkehr nicht.

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tausend gefahrene Bus-Kilometer von insgesamt rund 3,5 Millionen Kilometern sparen die zwölf neuen Straßenbahnen auf der Linie 2 ein. Der Bus-Fuhrpark der SWU schrumpft um elf Fahrzeuge auf 50 Fahrzeuge.