Noch sind die Betten auf der Intensivstation des Bundeswehrkrankenhauses (BWK) Ulm mit Plastikfolie abgedeckt, Beatmungsgeräte und Überwachungsmonitore ausgeschaltet. Doch es dürfte sich nur noch um Tage handeln, bis sie mit Corona-Patienten belegt sind, die mit lebensbedrohlichen Symptomen beatmet werden müssen. „Die Covid-Lage“ hält die Bundeswehr und die Verantwortlichen des BWK auf Trab: Alles ziele darauf ab, sich auf eine große Zahl an infizierten Patienten vorzubereiten, sagte Oberstarzt Prof. Matthias Helm.

BWK stimmt sich mit anderen Kliniken in der Region ab

Der Klinische Direktor der Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall-, und Schmerztherapie am BWK führte nun die Presse durch freigeräumte Stationen, um über die Vorbereitungen zu informieren. „Wir arbeiten dabei eng mit den anderen Krankenhäusern in der Region zusammen, stimmen uns ab.“ Auf was genau sich die Kliniken vorbereiten, könne er nicht sagen. Auch in stark betroffenen Ländern wie Italien und Frankreich gebe es von Region zu Region große Unterschiede, extrem belastete Hotspots, wo das System an Grenzen komme. Ulm und die Region seien im Moment zumindest ruhig.

Zur Not wird das ganze Krankenhaus mit Covid-19-Patienten gefüllt

Klar sei, dass in den kommenden Tagen und Wochen die Zahl der Infizierten und damit die Patientenzahlen in den Kliniken steigen. „Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor“, sagte Helm. Im Moment stünden für Corona-Patienten im BWK drei Intenstiv­stationen bereit, eine vierte werde eingerichtet. Reiche auch das nicht, „werden wir eine Station nach der anderen mit Covid-19-Patienten füllen, zur Not das ganze Krankenhaus.“

Bald sollen 44 Intensivbetten bereitstehen

Laut dem Klinikleiter stehen am BWK – mit insgesamt knapp 500 Betten – 22 Intensivbetten zur Verfügung. „Wir sind gerade dabei, die Zahl zu verdoppeln“, sagte Helm. Nicht ohne hinzuzufügen, dass dies ein Kraftakt sei: „Dafür ist ein immenser Aufwand nötig: Material, Infrastruktur, Personal.“ Verschärfe sich die Situation dramatisch, könne die Klinik weitere Beatmungsbetten einrichten, allerdings nicht auf dem Niveau eines Intensivbettes.

Ehingen

Ungewöhnliche Wege in der Beschaffung: Trigema liefert Masken

Im Moment gebe es an der Klinik auch keine großen Materialengpässe. „Aber fragen Sie mich in ein paar Tagen, dann kann es bei bestimmten Dingen schon wieder anders aussehen.“ Helm betonte, dass alle Kliniken bei der Beschaffung von Material viel Unterstützung erfahren. Auch ungewöhnliche Wege würden eingeschlagen, um Dinge zu organisieren: „Da telefoniert unsere Apotheke eben auch mal mit Trigema wegen Atemschutzmasken.“

Personal könnte im Verlauf der Krise Mangelware werden

Ein Problem sieht der Oberstarzt auf sämtliche Krankenhäuser zukommen: das des Personals. Insbesondere für die Betreuung von Intensivpatienten brauche man hochqualifizierte Kräfte. Bereits jetzt sei das BWK auf personelle Unterstützung des Sanitätsregiments 3 aus Dornstadt angewiesen. Und die Lage dürfte sich nach Helms Einschätzung mit der Ausbreitung des Virus verschärfen: „Wir gehen davon aus, dass uns zwischen 10 und 20 Prozent des Personals im Verlauf der Krise ausfallen werden.“ Reservisten aus dem Gesundheitsbereich, die sich nach einem entsprechenden Aufruf des Verteidigungsministeriums bereits gemeldet haben, würden dann sicher gebraucht.

Helm: „Werden Dinge erleben, die für uns nicht neu sind“

Wie er und die übrigen Ärzte, Pfleger und Mitarbeiter der Klinik, insgesamt sind es 2000, mit dem Druck und dem Stress umgehen, der durch die Zunahme an Infizierten zu erwarten ist? „Wir sind allesamt sehr erfahren, und wir werden Dinge erleben, die für uns nicht neu sind.“ Gefragt seien Ruhe und Professionalität.

Zwei Patienten aus dem Elsass in Ulmer Kliniken


Solidarität Das baden-württembergische Wissenschaftsministerium hat Frankreich zugesagt, Corona-Patienten aus dem stark betroffenen Elsass zu übernehmen. Zwei sind seit Montag in Ulm, einer wird auf der Intensivstation der Uni-Klinik behandelt, der andere am BWK. „Wir haben uns entschieden, aus Solidarität einen Patienten zu übernehmen“, erklärte Prof. Matthias Helm vom BWK. Erstaunt habe ihn die große Dankbarkeit auf französischer Seite für die Aufnahme von insgesamt zwölf Intensivpatienten durch das Land. „Die sind am Limit und für jede Entlastung dankbar. Und solange wir die Kapazitäten haben zu helfen, solange machen wir das auch.“