Aufgrund des anhaltenden Corona-Pandemie sind derzeit die Schulen und Universitäten im Land geschlossen. Die Universität Ulm ist seit dem 19. März geschlossen und befindet sich im Notbetrieb. Die Vorbereitungen für ein digitales Sommersemester seien aber in „vollem Gange“: möglichst viele Lehrveranstaltungen sollen in einer Online-Variante angeboten werden. Auch für Prüfungen sind Alternativen in Planung. Das schreibt die Uni in einer Mitteilung am Dienstag.
„Die Corona-Pandemie stellt auch die Universität vor große Herausforderungen“, wird Universitätspräsident Professor Michael Weber zitiert. „Wir nutzen diese Situation als Chance für die weitere Digitalisierung der Lehre, um die Lernfortschritte der Studierenden zu gewährleisten und um die Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten.“

Online-Plattform „Moodle“ erweitert

Das Kommunikations- und Informationszentrum (kiz), das die IT- und Bibliotheksdienste der Uni verantwortet, arbeitete am Ausbau der technischen Systeme für die digitale Lehre: So wurde die Online-Lernplattform Moodle erweitert; zudem sind neue Optionen für die interaktive Lehre wie Videokonferenzen mit hoher Teilnehmerzahl geschaffen worden. Ziel sei es, den Stundenplan des Sommersemesters beizubehalten. Vorlesungen, Seminare oder Übungen sollen zum geplanten Zeitpunkt in einer Online-Variante verfügbar sein.
Vom ausschließlichen Einsatz synchroner Formate wie Live-Übertragungen von Vorlesungen rät das Zentrum für Lehrentwicklung (ZLE) in Zeiten überlasteter Netzwerke jedoch ab. Praktikabler seien vorab aufgezeichnete Vorträge oder auf der Online-Plattform bereitgestellte Lernmaterialien, die Studierende zuhause herunterladen und bearbeiten können.
Für Diskussionen stehen Online-Foren zur Verfügung, über die auch Dokumente ausgetauscht werden. Gruppenarbeiten können hingegen durch gemeinschaftlich erstellte Wikis oder Glossare ersetzt werden. „Um die Motivation der Studierenden aufrecht zu erhalten, sollten sie regelmäßig Rückmeldung zu ihrem Lernfortschritt erhalten“, wird Dr. Tatjana Spaeth, inhaltliche Leiterin des ZLE, in der Mitteilung zitiert. „Hierzu bietet sich die Quizfunktion der Plattform Moodle an, oder die Studierenden erledigen fristgerecht Aufgaben, die bewertet und diskutiert werden.“
Wie die Online-Varianten ihrer Lehrveranstaltungen ablaufen werden, sollen die Studierenden rechtzeitig unter anderem auf der Webseite der Universität erfahren.

Nicht für alle Veranstaltungen sind digitale Angebote eine Lösung

Während Lehrende von den Online Erfahrungen einiger Kollegen und Fachbereiche profitieren könnten - beispielsweise der School of Advanced Professional Studies (SAPS) oder dem Institut für Psychologie und Pädagogik - sind digitale Angebote für manche Veranstaltungen keine geeignete Alternative.
Für naturwissenschaftliche Praktika im Labor, Lehrveranstaltungen der medizinischen Fakultät mit Patientenkontakt oder Exkursionen werde es schwierig, gleichwertige Online-Lösungen zu finden. Wann immer möglich, sollen diese Formate in die zweite Hälfte des Sommersemesters verschoben und theoretische Studieninhalte vorgezogen werden. Es sei denn, Lehrende finden kreative Alternativen: So plane beispielsweise der Biologe Dr. Philipp von Wrangell eine Online-Exkursion. „Die Exkursion ,Frühblüher‘ eignet sich besonders gut für ein Lehrvideo, denn die Zahl der zu erwartenden Arten ist überschaubar“, erklärt der Biologe in der Mitteilung. „Ich gehe also mit der Kamera in ein geeignetes Gebiet, dokumentiere relevante Arten und gebe Begleitinformationen. Wenn das Video auf der Lernplattform hochgeladen ist, kann ich mit den Studierenden diskutieren – und ich gebe ihnen die Möglichkeit, die Exkursion anhand der veröffentlichten GPS-Daten alleine, in freier Natur nachzuvollziehen.“

Das ist für Prüfungen geplant

Prüfungen sollen weiter stattfinden. Es bestehe die Möglichkeit Doktor- oder Habilitationsprüfungen sowie weitere mündliche Abschlussprüfungen per Videotelefonie abzulegen. Ob diese Prüfungsform ausgebaut wird, müsse sich im Laufe des Sommersemesters zeigen. Weiterhin könnten schriftliche Klausuren durch Hausarbeiten oder andere onlinebasierte Leistungsnachweise ersetzt werden.
Für Medizinstudierende gelten Ausnahmeregelungen. Sie erhalten zum Beispiel die Möglichkeit, vor ihrer M2-Prüfung, bei der die ärztliche Approbation erworben wird, ins Praktische Jahr einzutreten.