Das Treffen. Das muss es gewesen sein, als er sich infiziert hat, meint Simon Schöfisch. Der 34-Jährige sitzt in seiner Wohnung im Amstetten. Seine Freundin liegt im Nebenzimmer. Sie ist krank geworden. Fieber, Husten: Corona? Corona. Darüber haben beide Gewissheit. Spätestens seit vergangenen Mittwoch. Seit Schöfischs Hausarzt anrief und ihm das Ergebnis des Tests mitteilte: Der Sachbearbeiter hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

Nach dem Treffen mit Freunden spürt Schöfisch Kratzen im Hals

Der 14. März. Schöfisch erinnert sich noch genau an den Abend. Ein ehemaliger Studienkollege lud ihn und zwei andere Ex-Kommilitonen nach Stuttgart ein. Die vier treffen sich, trinken und essen gemeinsam. Alles auf engem Raum. Am darauffolgenden Tag bekommt Schöfisch eine Nachricht auf Whatsapp. Sein Studienkollege schreibt: „Mir geht es nicht so gut.“ Und: „Mein Arbeitskollege liegt mit Fieber im Bett.“

„Man macht sich da schon Sorgen“, sagt Schöfisch. Er versucht, die sozialen Kontakte zu reduzieren. Am Abend des 18. März spürt der Sänger der Ulmer Band „Die Autos“ ein Kratzen im Hals. „Es hat sich angefühlt, als wäre da ein Fremdkörper“, sagt Schöfisch.Als er am nächsten Morgen aufwacht, ist das Kratzen weg. Dafür das Fieber da. Erhöhte Temperatur, 37,9 Grad. Im Laufe des Tages wird es schlimmer. „Ich habe gemerkt, da ist was im Anmarsch“, sagt er.

Corona-Symptome: Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen

Tatsächlich: Das Fieber steigt, erreicht bis zu 39 Grad. Dazu kommen Gliederschmerzen, Kopfschmerzen – und die Sorgen. „Natürlich denkt man gleich an Corona“, sagt Schöfisch. Daran, dass man womöglich andere angesteckt habe. Daran, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen könne.

Wegen Corona: Schöfisch berichtet von Geschmacksstörungen

Schöfischs Glück: Bei ihm läuft die Infektion mild ab. Das Fieber geht am dritten Tag zurück. Auch die anderen Symptome klingen ab. Vorerst. Denn auf einmal verliert er den Geschmackssinn, riecht und schmeckt tagelang kaum etwas. Dann, nach acht Tagen, sind die Symptome verschwunden. „Es hat sich angefühlt wie eine leichte Grippe“, sagt Schöfisch. „Da war ich früher schon deutlich stärker erkrankt.“

Schöfisch: Ich fühle mich schuldig, obwohl ich nichts falsch gemacht habe

Mittlerweile geht es ihm wieder gut, erzählt Schöfisch. Er schlafe nur extrem viel. Auch tagsüber. Viel mehr kann er sowieso nicht machen. Der 34-Jährige steht bis zum 1. April unter Quarantäne. Verlässt er die Wohnung, begeht er eine Straftat. „Man verbringt viel Zeit auf der Couch“, sagt Schöfisch. Netflix, Nachrichten, TV-Shows. Dazu arbeitet der Musiker an neuen Songs. Und er denkt viel nach. Schöfisch weiß, dass er höchstwahrscheinlich seine Freundin und einen Arbeitskollegen angesteckt hat. Er weiß auch, dass seine Schwester nun nicht mehr als Altenpflegerin arbeiten kann, weil sie Kontakt zu ihm hatte. „Es ist ein ganz komisches Gefühl. Ich fühle mich schuldig, obwohl ich nichts falsch gemacht habe.“

Im Gegenteil: Er hat vieles richtig gemacht. Schöfisch entschloss sich, nach dem Stuttgart-Wochenende, seine Eltern nicht mehr zu besuchen. Obwohl die ebenfalls in Amstetten wohnen. „Mein Vater ist 73 Jahre alt. Er gehört zur absoluten Risiko-Gruppe“, sagt Schöfisch.  Er mache sich Sorgen um seine Eltern. Aber immerhin wisse Schöfisch jetzt, dass er sie nicht mehr anstecken kann.

Wegen Corona-Infektion: Schöfisch muss Tagebuch führen

„Jetzt habe ich es hinter mir“, sagt Schöfisch lachend. Wobei: noch nicht ganz. Er muss ein Tagebuch schreiben, Körpertemperatur und Befinden notieren. So will es das Gesundheitsamt. Die Behörde wird den jungen Mann auch nochmal vor dem Quarantäne-Ende anrufen. Erst wenn sie ihm eine Erlaubnis erteilen, darf Schöfisch wieder raus. Zurück in die Normalität. Zumindest ein Stück weit. Schöfisch: „Das Thema wird uns noch lang beschäftigen.“