Es ist eine langsame Belebung, die die Einkaufsstadt Ulm nach der neuen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg erlebt. Die Neugier oder das Einkaufsbedürfnis halten sich offenbar noch in Grenzen. Zur Wiederöffung der Läden mit weniger als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche jedenfalls. Die Hirschstraße und die Gassen und Plätze der Innenstadt füllen sich nur zögerlich. Und auch die Händler haben sich marketingtechnisch offenbar nicht viel vorgenommen: Hier und da ein Schild zur freundlichen Begrüßung. Das ist es.

Flormarkt -Blumenhaus in Ulm: Laden erinnert an einen farbenprächtigen Drive-in

Angelika Stieber hat ihren Blumenladen an der Ecke der Herrenkellergasse/Platzgasse wieder geöffnet – mit einem Lächeln auf der Schutzmaske und auch darunter.
Angelika Stieber hat ihren Blumenladen an der Ecke der Herrenkellergasse/Platzgasse wieder geöffnet – mit einem Lächeln auf der Schutzmaske und auch darunter.
© Foto: Matthias Stelzer

Auch Angelika Stieber setzt auf ein freundliches Wort zur Begrüßung. Ihr Lächeln ist unter der Maske nicht zu erkennen. Doch die Augen verraten Stieber. „Es fühlt sich gut an. Die Leute, die in den Laden kommen, sind glücklich, dass es uns wieder gibt“, sagt die Inhaberin des Flormarkt-Blumenhauses an der Ecke Herrenkellergasse/ Platzgasse. Ihr Laden erinnert an eine Art farbenprächtigen Drive-In. „Wir haben einen Rundlauf gemacht“, erklärt sie. Für die Mitarbeiterinnen, die die vergangenen Wochen zu 100 Prozent in Kurzarbeit waren, gibt es einen großen Spuckschutz. Den Shutdown hat die Geschäftsfrau nun abgehakt. Auch wenn sie in den vergangenen Wochen den Eindruck hatte, dass nicht alles richtig durchdacht war. Nur so kann sie sich erklären, dass während ihrer Schließzeit Blumen in Supermärkten, Discountern, Baumärkten und auf dem Wochenmarkt verkauft wurden.

Lederladen Ulm: Betreiber nutzte Auszeit, um Online-Shop aufzubauen

„Vier Wochen zu – das geht schon mal“, sagt Oliver Merkel. Zumal er Glück mit seinem Vermieter habe, der ihm entgegen gekommen sei. Der Inhaber des Lederladens in der Platzgasse blickt allerdings mit Sorge auf die wirtschaftliche Entwicklung. „Ich nehme an, dass die Kaufkraft in den kommenden Monaten nicht so gut sein wird“, sagt er. Die Auszeit des Ladens hat er deshalb auch dazu genutzt, einen Online-Shop einzurichten. Er soll in den kommenden Wochen in Betrieb gehen.

Das Geschäft im Internet hat zuletzt auch Wolf Dieter Frenzel beschäftigt. Der Inhaber der gleichnamigen Ulmer Fotofachgeschäfte und der Fotoprofi-Gruppe, mit sechs weiteren Standorten in Baden-Württemberg, startete am Montag mit „gemischten Gefühlen“. Schon alleine weil man nicht wisse, wie es wirtschaftlich weitergehe. Das ist für den Firmenchef auch wichtig, weil Frenzel im kommenden Jahr in Ulm das 100-Jahre-Jubiläum feiern will: „Den Vorlauf dafür hatte ich mir anders vorgestellt.“

Buchhandlung Jastram: „Gewöhnungsbedürftige Situation“

Samy Wiltscheck, Inhaber der Buchhandlung Jastram, trägt bei der Kundenberatung eine Maske.
Samy Wiltscheck, Inhaber der Buchhandlung Jastram, trägt bei der Kundenberatung eine Maske.
© Foto: Alexander Kern

Auch Samy Wiltschek, Inhaber der Buchhandlung Jastram in der Schuhhausgasse, ist froh, dass er die vierwöchige Zwangspause glimpflich überstanden hat. „Viele Kunden haben sich die Bücher von uns nach Hause liefern lassen oder selbst abgeholt. Die hohe Zahl der Bestellungen hat uns gerettet“, betont Wiltschek. Dass er seinen Laden nun wieder öffnen darf, freue den Buchhändler. Gleichzeitig halte er die Schutzmaßnahmen für gewöhnungsbedürftig. Maximal drei Kunden dürfen sein Geschäft derzeit gleichzeitig betreten. Um diese Vorgabe einzuhalten, hat Samy Wiltschek eine Klingel an der Tür angebracht. Verlässt ein Kunde den Laden, darf der nächste eintreten.

Gänßlen: Lieferservice für Spielwaren war vor Ostern sehr gefragt

Spielwarenhändler Jürgen Gänßlen (rechts) kann seit Montag wieder seine Kundschaft im Laden beraten
Spielwarenhändler Jürgen Gänßlen (rechts) kann seit Montag wieder seine Kundschaft im Laden beraten
© Foto: Alexander Kern

Jürgen Gänßlen freut sich sehr über die ersten Kunden in seinem Laden nach der knapp vierwöchigen Zwangspause: „Es ist gut, dass wieder etwas Normalität eingekehrt.“ Der Inhaber des Spielwarengeschäfts „Gänßlen“ in der Herdbruckerstraße überbrückte die vergangenen Wochen mit einem Lieferservice. „In den Tagen vor Ostern war ich im Dauereinsatz, habe Spielzeug in der ganzen Stadt ausgefahren. Mit so vielen Bestellungen hatte ich vorher nicht gerechnet. Ich bin den Kunden sehr dankbar für die Unterstützung in dieser schwierigen Phase“, sagt Gänßlen.Sollte sich jetzt alles stabilisieren, komme er in der Corona-Krise mit einem blauen Auge davon. „Ein zweiter Shutdown wäre allerdings fatal“, sagt Gänßlen

Comic Home: Corona-Soforthilfe war dringend notwendig

Thomas Treutler von "Comic Home" in der Frauenstraße hat eine Trennscheibe vor seine Kasse gestellt.
Thomas Treutler von „Comic Home“ in der Frauenstraße hat eine Trennscheibe vor seine Kasse gestellt.
© Foto: Alexander Kern

Für Thomas Treutler vom Comic-Laden „Comic Home“ kam Corona zu einem besonders schlechten Zeitpunkt. Er hatte sein Geschäft in der Frauenstraße erst vor einem Jahr geöffnet, kurz vor Beginn der Krise in Deutschland seien die Umsätze spürbar gestiegen. Treutler: „Ich war auf einem sehr guten Weg – dann kam das Virus.“ Mit einem Abhol- und Lieferservice hielt sich Treutler nun über Wasser, das habe sehr gut funktioniert „Trotzdem hat es mich natürlich tierisch gefreut, als klar wurde, dass ich wieder öffnen darf“, sagt Treutler. Um weiter liquide zu bleiben, hatte Treutler die Corona-Soforthilfe beantragt. Die 9000 Euro seien bereits ausgezahlt worden. „Dieser Zuschuss war dringend notwendig“, so Treutler. Um seine Kunden und sich selbst zu schützen, hat Treutler eine Trennscheibe an der Kasse montiert. Zudem trägt er Maske.

Duft und Wärme: Inhaber freut sich über Laufkundschaft

Olaf Reichhardt von "Duft und Wärme" freut sich darüber, dass in der Ulmer Innenstadt wieder Leben einkehrt.
Olaf Reichhardt von „Duft und Wärme“ freut sich darüber, dass in der Ulmer Innenstadt wieder Leben einkehrt.
© Foto: Alexander Kern

Als Drogerie-Anbieter durfte Olaf Reichhardt in seinem Geschäft „Duft und Wärme“ auch in den vergangenen Wochen Kunden bedienen. Trotzdem freut sich Reichhardt darüber, dass auch einige andere Läden in der Frauenstraße nun wieder geöffnet sind: „Ich kann jetzt wieder mit mehr Laufkundschaft rechnen“, erklärt Reichhardt.