Die Pause reicht gerade mal für einen Kaffee. Zehn, vielleicht 15 Minuten. Dann muss Kevin Wassmuth weiter. Das Abendgeschäft steht an. Mehr als 15 Stunden arbeitet er momentan am Tag. Morgens bereitet er die Speisen vor. Mittags kocht er in seinem Foodtruck. Abends liefert er aus und bietet einen Abholservice an. Vier Mal pro Woche geht das so. Immer von dienstags bis freitags. Alles, um irgendwie über die Runden zu kommen.

Wegen Corona: Foodtruck-Betreiber klagen über abgesagte Veranstaltungen

Die Corona-Krise trifft auch die Betreiber von Foodtrucks sehr hart. Bislang war ihr Geschäftsmodell einfach und lukrativ: Unter der Woche Speisen an ausgewählten Standorten verkaufen, am Wochenende auf Geburtstagen, Hochzeiten und Firmenevents das Catering übernehmen. Aber jetzt ist eben alles anders. Das öffentliche Leben ist massiv eingeschränkt, Essen darf in diesen Tagen nur noch zum Mitnehmern verkauft oder per Lieferdienst ausgefahren werden. Und an Veranstaltungen ist vorerst ohnehin nicht mehr zu denken.

„Mir sind alle Events bis Mitte Juni abgesagt worden“, erzählt Wassmuth. Seit mehr als drei Jahren ist der Hörvelsinger mit seinem „Herr von Schwaben“-Mobil in Ulm und der Region unterwegs. Eine Situation wie jetzt habe er freilich noch nie erlebt. Der gelernte Koch versucht nun, dort zu sparen, wo es nur irgendwie geht. „Ich kaufe jetzt wesentlich gewissenhafter ein als vorher“, sagt Wassmuth. Jede weggeschmissene Portion sei weggeschmissenes Geld.

„Herr von Schwaben“: Team-Meeting in Corona-Krisenzeiten

Er hofft nun, dass ihm der Staat hilft. Am Donnerstag habe er ein Meeting mit anderen „Herr von Schwaben“-Franchisenehmern. Es gehe darum, wie und wo man staatliche Unterstützung beantragen kann. Wassmuth versucht, optimistisch zu bleiben: „Läuft es so wie bisher, kommen wir wohl noch mit einem blauen Auge davon.“ Doch er weiß, wie fragil die Hoffnung ist: „Wenn Ausgangssperren kommen, ist das für uns der wirtschaftliche Totalschaden.“

„Illerbuben“ und „Umami“: Die Corona-Zeit mit Lieferservice überbrücken

Auch Kevin Alizade plagen angesichts der ungewissen Lage Zukunftssorgen. Mit seinem Geschäftspartner Benjamin Holzinger verkauft er seit drei Jahren Burger, Currywurst und Co im gemeinsamen Foodtruck. Die „Illerbuben“ haben feste Standorte, die sie anfahren. Beispielsweise im Industriegebiet Donautal. Die Nachfrage sei in den vergangenen Wochen massiv zurückgegangen, berichtet Alizade: „Es arbeiten zurzeit natürlich viel weniger Personen in den Firmen, somit sinkt automatisch die Zahl unserer Kunden.“ Das Wochenendgeschäft sei darüber hinaus komplett weggebrochen, ob Hochzeiten oder Geburtstage – alles abgesagt: „Wir haben Stornierungen bis in den Juli.“ Den Kopf in den Sand zu stecken, komme für das Duo allerdings nicht in Frage. Um am Wochenende weiterhin Umsätze verbuchen zu können, bieten die Illerbuben nun einen Lieferservice an. Das Team kocht in der eigenen Produktionsküche im Donautal, anschließend fahren drei Boten die Speisen aus. Als weitere Maßnahme hat Alizade Soforthilfe beantragt. Die ihm zustehenden 5.000 Euro habe er allerdings noch nicht erhalten, zudem sei die Summe angesichts der laufenden Kosten „ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Auch Ardian Stralemann und sein Geschäftspartner Niyzai setzen in Corona-Zeiten auf einen Lieferservice. Beide stehen mit ihrem Foodtruck „Umami“ ebenfalls im Donautal und sind unter der Woche ab 11 Uhr als Essensboten unterwegs. Ihre türkischen Speisen wie Kebap, Lahmacun oder Yufka liefern sie im Ulmer und Neu-Ulmer Stadtgebiet sowie im Donautal aus. Gemeinsam mit Alizade ist sich Stralemann einig: „Dieser Zustand kann selbstverständlich keine Dauerlösung sein.“

Flotte Lotte: Kurzarbeitergeld und vorsichtiger Optimismus

Timo Hiebsch schätzt die Situation ähnlich ein. „Wenn die Corona-Zeit noch ein halbes Jahr dauert, sind wir weg.“ Der Ulmer betreibt seit zwei Jahren gemeinsam mit seiner Frau Lotte den Foodtruck „Flotte Lotte“ . In ein paar Wochen wollte das Paar eigentlich einen neuen Koch einstellen. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt. „Im April wird es wärmer und da gibt es normalerweise mehr zu tun“, sagt Hiebsch. Normalerweise. Momentan sei selbst zum Mittagsgeschäft nicht so viel los, dass man zu zweit am Stand stehen müsse, sagt Hiebsch. Daher hat er jetzt Kurzarbeitergeld beantragt.

Am Wochenende fährt das Paar mit dem Essensmobil nun ebenfalls durch Ulm – damit sie die anfallenden Kosten halbwegs bezahlen können. Ansonsten leben sie von Rücklagen. Trotzdem: Noch sei er relativ optimistisch, sagt Hiebsch. Er habe vor, den neuen Koch trotz der schwierigen Situation einzustellen. Hiebsch hofft, dass er mit dessen Hilfe die Speisekarte noch ein wenig ausgefallener gestalten kann.