Das Coronavirus breitet sich mit großer Dynamik aus, auch nach Europa. Inzwischen wurde der Internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen. In Deutschland war schon vor Tagen im Kreis Starnberg der erste Fall bestätigt worden, tags darauf wurden weitere Fälle gemeldet. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis noch mehr Fälle von Infektionen mit dem neuen Virus mit dem Namen 2019-nCov bekannt werden. So soll es jetzt auch schon in Stuttgart zwei Verdachtsfälle des Coronavirus geben.

Obwohl Experten darauf hinweisen, dass kein Grund zur Panik bestehe, sind offenbar viele Menschen verunsichert. Aus diesem Grunde steigt in deutschen Apotheken die Nachfrage nach Atemschutzmasken, wie man sie in Asien häufig im Straßenbild sieht. Noch begehrter sind Masken der Schutzklasse FFP3.

Das ist auch in Ulm so: In der vergangenen Woche kamen hauptsächlich Asiaten in die Apotheke und fragten nach Atemschutzmasken, seit dieser Woche verlangen alle möglichen  Kunden danach, seitdem der erste Coronavirus-Patient in Deutschland bekannt wurde. So fasst es Apothekerin Barbara Itschert-Warth von der Mohren-Apotheke am Münsterplatz zusammen.

Engpässe in Ulmer Apotheken: über 1000 Masken verkauft

Die Menschen würden, um sich gegen das neuartige Coronavirus zu schützen, ausschließlich nach Atemschutzmasken (Kosten pro Stück rund zehn Euro) fragen, sagt Itschert-Warth. Nur: „Wir sind ausverkauft. Bei uns gibt es nichts mehr.“ Selbst ihr Zulieferer, ein Großhandel, gibt keine möglichen Liefertermine bekannt, da die Nachfrage so groß ist.

Ein Unterschied ist ihr ebenfalls aufgefallen: Asiaten sind sehr informiert über die Masken. „Sie möchten Masken mit bestimmten Filtern, wie Kohlefiltern, die beschichtet sind.“ Doch da hatte der Großhändler signalisiert, dass es diese nicht gibt.

Philipp Klemm, von der Hirsch-Aapotheke Ulm, spricht von vier bis sechs Wochen Lieferzeit bei großen Händlern wie Uvex. „Donnerstagmittag haben wir noch eine Lieferung bekommen, nachdem wir am Mittwoch über 1000 Masken verkauft haben.“

Auch in Frankreich erlebten Apotheken nach dem ersten bekannt gewordenen Fall einen regelrechten Ansturm. Eine Apotheke am Pariser Hauptflughafen Roissy-Charles de Gaulle verkaufte binnen 15 Minuten 240 Atemmasken.

Nachfrage nach Atemschutzmasken steigt - Großhandel kann nicht mehr liefern

„In vielen Apotheken bundesweit werden die Masken verstärkt nachgefragt“, bestätigt auch Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Das gilt auch in Ulm. In der Hirschapotheke etwa fragen Kunden verstärkt nach Atemschutzmasken. Deswegen habe man bereits Masken nachbestellen müssen - allerdings direkt beim Hersteller von Masken: Denn der Pharma-Großhandel könne derzeit keine Atemmasken mehr liefern.

Beim Großhändler Sanacorp erklärt Sprecher Norman Keil zu den Lieferproblemen auf Anfrage: „Als Pharmazeutischer Großhandel nehmen wir eine verstärkte Nachfrage wahr. Daher sind Atemschutzmasken aktuell nahezu nicht lieferbar. Wir haben größere Bestellungen bei den Herstellern platziert.“ Wann es Nachschub geben wird, ist unklar. „Uns liegen noch keine Informationen zu möglichen Lieferterminen vor“, so Keil.

Auch beim Pharma-Großhändler Phönix in Mannheim merkt man, dass die Menschen in Apotheken Masken kaufen wollen. „Bundesweit verzeichnen wir eine extrem gestiegene Nachfrage, die zehnmal so hoch ist wie noch vor einer Woche“, erklärt Jacob-Nicolas Sprengel, Sprecher des Unternehmens. „Darauf haben wir uns eingestellt.“

Atemschutzmasken werden auch in Europa verstärkt gefragt. Hier bei Passagieren am Flughafen London Heathrow.
© Foto: Daniel Leal Olivas, afp

Wie man sich vor der Infektion mit dem Virus schützt

Das Virus wird, wie etwa auch die Influenza, durch Tröpfcheninfektion über die Luft übertragen. Zum Beispiel beim Sprechen, Niesen oder Husten. Zum Schutz vor einer Infektion mit Viren gelten die üblichen Hygienemaßnahmen:

  • Regelmäßiges Händewaschen
  • Einsatz von Desinfektionsmitteln
  • Abstand zu Erkrankten.

Diese Maßnahmen sind laut Robert-Koch-Institut in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten.

In China ist ein Mundschutz beziehungsweise eine Atemschutzmaske vielerorts bereits vorgeschrieben, auch wenn der Nutzen als begrenzt eingestuft wird.

Wie ansteckend das neue Virus ist, lässt sich bisher nur schwer beurteilen. Chinesische Behörden gehen davon aus, dass ein Infizierter durchschnittlich 1,4 bis 2,5 Menschen ansteckt.

Was ein Mundschutz gegen Viren bringt

Ob und wie Masken schützen, hängt unter anderem vom Typ ab. Die verbreiteten, so genannten chirurgischen Gesichtsmasken sind eigentlich nicht zum Schutz vor Ansteckungen gemacht, erläutert der Mediziner Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg. Vielmehr sollen sie dafür sorgen, dass aus dem Atemtrakt von Chirurgen keine möglicherweise infektiösen Tröpfchen in das Operationsgebiet gelangen. Es ergebe Sinn, zum Beispiel als Grippekranker eine Maske zum Schutz anderer Menschen zu tragen. „Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit“, sagte Salzberger. Die Wirkung sei nicht besser als mit einem Schal vor Mund und Nase. Mehr Schutz versprechen Masken des Standards FFP3, die ein Filter haben. Diese Schutzmasken werden zum Beispiel empfohlen, wenn man mit Staub zu tun hat, der möglicherweise mit Hanta-Viren belastet  ist.

FFP3-Masken haben einen Filter

Im Zuge der Sars-Epidemie 2002/2003 hätten einige Studien für sogenannte FFP3-Masken einen schützenden Effekt nahelegen wollen, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, Christoph Drosten. „Das waren aber keine normalen Masken, wie man sie in Asien auf der Straße sieht oder bei uns im OP, sondern spezielle Feinpartikelmasken.“ Mit solchen Masken könne man im Alltag nicht lange herumlaufen. „Wogegen die normalen Masken schützen, ist vielleicht der häufige Griff an Mund und Nase - also die Schmierinfektion“, betonte Drosten.