Die „Csárdásfürstin“ oder „Ein Käfig voller Narren“ in Zeiten der Corona-Pandemie? Undenkbar. Auch das Theater Ulm hat jetzt den Spielbetrieb eingestellt, nicht nur im Großen Haus, sondern komplett bis zum 19. April, um die Menschen vor der Ausbreitung des Virus zu schützen. Damit folgte die Bühne am Freitagnachmittag der Vorgabe der Stadtverwaltung.

Intendant Kay Metzger, der eigentlich am Staatstheater in Meiningen den „Fliegenden Holländer“ probt, hatte am Vormittag schon in Ulm mit seinem Team die Situation besprochen. „Es ist ein schmerzliches Gefühl für uns alle“, sagte Metzger am Nachmittag der SÜDWEST PRESSE. „Ich rechne aber mit einem ganz großen Verständnis unserer Abonnenten.“

Auch eine Reihe von Premieren fällt in diese Zeit: das Kinderkonzert „Die Prinzessin auf der Erbse“ an diesem Samstag im Podium, Verdis Oper „Rigoletto“, das Tanztheater „Ein Sommernachtstraum“ und Elfriede Jelineks Schauspiel „Am Königsweg“. „Wir hoffen, dass alle gesund bleiben, und machen das Beste aus dieser Lage“, verspricht Metzger. Soll heißen: „Es wird weiter geprobt, damit die Stücke fertig sind, wenn der Lappen wieder hochgeht.“ Was die Vorstellungsausfälle für den Spielplan und die Terminlage im Abonnement bedeuten und was das Theater in dieser Zwangspause etwa im Internet anbieten könnte, werde am Montag in einer Leitungssitzung besprochen. Da bitte er das Publikum noch um Geduld.

Alle Kultureinrichtungen der Stadt Ulm geschlossen

Nicht nur das Theater Ulm, sondern alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen der Stadt sind jetzt für den Publikumsverkehr geschlossen, um die Infektionsgefahr einzudämmen, sagte Kulturbürgermeisterin Iris Mann am Abend unserer Zeitung. Das bedeutet, dass nicht nur Veranstaltungen abgesagt sind, sondern dass im Museum Ulm oder im Stadthaus auch kein Ausstellungsbesuch möglich ist.

Das betrifft nicht zuletzt die Musikschule. Die Aufführungen des Beethoven-Kindermusicals „Freunde, Töne, Götterfunken“ der Ulmer Spatzen werden verschoben; ein Nachholtermin steht aber noch nicht fest. Bis auf Weiteres behalten alle bereits verkauften Karten ihre Gültigkeit. Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn hat alle Termine bis zum 19. April gecancelt – selbstverständlich ist auch das Ulmer Konzert im Kornhaus am 20. März davon betroffen.

Felix Lobrecht im September

Absagen über Absagen, der Kulturbetrieb in Ulm und der Region kommt nahezu vollständig zum Erliegen. Noch ein paar Beispiele: Das Studio Ulmer Musikfreunde kann sein Konzert am Sonntag in der Pauluskirche nicht spielen. Das Donauschwäbische Zentralmuseum kann die Buchvorstellung und Lesung mit Michael Martens nicht durchführen. Abgesagt ist die Mozart-Oper „Don Giovanni“ am Sonntag im Historischen Stadttheater Weißenhorn. Und überall setzen die Veranstalter auf die Zukunft, wälzen die Terminkalender: Einen Nachholtermin gibt es für das ausverkaufte Gastspiel Felix Lobrechts in der Ratiopharm-Arena, der Comedy-Abend soll nun am 22. September stattfinden.

Roxy stellt Spielbetrieb ein

Das Roxy teilte in einer Presserklärung am Freitagabend mit, dass der Spielbetrieb bis zum 19. April ausgesetzt wird. Derzeit verhandle Roxy-Team mit den von der Absage betroffenen Künstlern und Agenturen über Ersatztermine für die geplanten Veranstaltungen. Bei einigen Terminen stehen diese bereits fest, alle anderen werden in den nächsten Tagen kommuniziert.

Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit für die Ersatztermine oder können an den jeweiligen Vorverkaufstellen, an denen sie erworben wurden, zurückgegeben werden.

Der Musikmarathon am 14. März, die Open Stage am 16. März und der Edelfummelflohmarkt am 21. März entfallen komplett.

Doch kein Musikmarathon im Roxy 


Das Benefiz-Festival im Roxy an diesem Samstag findet wegen des Coronavirus nicht statt. Der Verein „Einsatz – Musik für Menschen in Not“ hatte schon am Freitagmorgen die Reißleine gezogen. „Aktuell ändert sich die Situation stündlich. Der Musikmarathon ist abhängig von vielen fleißigen Helfern, fast 100 Musikern und einer großen Anzahl von Unterstützern. Dass dieses ganze Konstrukt stabil bleibt, können wir nicht garantieren, genauso wenig wie eine ausgelassene Stimmung, weshalb wir uns schweren Herzens zu einer Absage entschieden haben“, heißt es in der Mitteilung. Durch die Absage bleibe der wirtschaftliche Schaden gering: „Die monatelangen Vorarbeiten wurden ehrenamtlich geleistet“,  sagt Vereinsvorsitzender Tobias Schmid. 300 Besucher hatten im Vorverkauf ein Ticket erworben. Diese können bis zum 31. März an den jeweiligen Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. Schmid hofft aber, dass viele der Käufer die jeweils zehn Euro als Spende betrachten und auf die Rückgabe verzichten. hep