Die Städte Ulm und Neu-Ulm trennt nur die Donau – aber die Grenze rückt nun in den Vordergrund: In Bayern müssen bereits alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt werden. Das hatte Ministerpräsident Markus Söder am Dienstagmittag verkündet. „Wir wollen kein Kompetenzwirrwarr unter den Ländern“, sagte Söder. In Baden-Württemberg gibt es noch keine Regelung dazu, Gesundheitsminister Manne Lucha will sie jedoch so schnell wie möglich beschließen.

Fest steht: In Neu-Ulm fallen reihenweise Großveranstaltungen aus. Am Freitag sollte in der Ratiopharm-Arena der Sänger Max Giesinger auftreten, am Samstag Hundeprofi Martin Rütter. Für kommenden Dienstag war die Rockshow „Rock meets Classic“ geplant. Alle drei Veranstaltungen sind abgesagt.

„Das ist kein Plan, das ist völliges Durcheinander“

„Wir können ja nicht gegen ein Gesetz verstoßen“, sagt Carlheinz Gern, Mitveranstalter des Giesinger-Konzerts. Stattfinden werde hingegen die Party „Disco Inferno“ am Samstagabend in der Neu-Ulmer Oldtimer-Fabrik mit rund 600 Gästen. „Ein bisschen Spaß muss sein“, findet Gern.

Vaddi Concerts, Veranstalter der Auftritte von Rütter und der Rockshow, kommt den behördlichen Vorgaben ebenfalls nach. Doch Geschäftsführer Marc Oßwald kritisiert: „Die Verhältnismäßigkeit bleibt auf der Strecke.“ Oßwald hält die Regelung des Freistaats für inkonsequent, betont, dass die Länder ganz unterschiedliche Vorgaben erlassen: „Das ist kein Plan, das ist ein völliges Durcheinander, das ist reiner Aktionismus.“ Die Tickets für Martin Rütter und „Rock meets Classic“ bleiben vorerst gültig, teilt der Veranstalter mit. Man suche nach Ersatzterminen.

Ob oder unter welchen Bedingungen die kommenden Heimspiele von Ratiopharm Ulm stattfinden, ist noch unklar. Die Basketball-­Bundesliga suche nach einer ligaweiten Lösung, heißt es in einer Mitteilung des Clubs. Das Problem: Wenn nur in Bayern Geisterspiele ausgetragen werden, entgehen auch nur den dortigen Vereinen wichtige Einnahmen.

Die „Schwaben Darts Gala“, die am 20. März in der Neu-Ulmer Arena stattfinden soll, hat der Veranstalter PDC Europe unterdessen verschoben. Das Showturnier soll nun im Sommer stattfinden.

Ulm: Stadt sagt vorerst keine Veranstaltungen ab

Ganz anders ist die Situation in Ulm: Der SSV Ulm 1846 Fußball wird am Samstag im Heimspiel wohl wie geplant gegen den FSV Frankfurt spielen – vor Publikum. Auch die Stadt Ulm wird vorerst keine Veranstaltungen absagen. Die Ulmer Denkanstöße sollen wie geplant von Mittwoch bis Samstag im Stadthaus stattfinden. Das wurde am Dienstagvormittag bei einer Sitzung des Verwaltungsstabs im Rathaus beschlossen, wie Pressesprecherin Marlene Müller auf Anfrage mitteilt.

Man habe im Rathaus die aktuellen Entwicklungen im Auge und überprüfe den Stand der Dinge regelmäßig, berichtet Müller. Andere Veranstalter in Ulm haben hingegen reagiert: Die Hauptversammlung der Feuerwehr am Freitag wurde bereits abgesagt, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehrleute weiterhin gewährleisten zu können. Die jüdische Gemeinde hat die ­Feier zu ihrem 20. Geburtstag auf Juni verschoben, das gilt auch für das Jubiläumskonzert im Kornhaus. Der lebendige Kreuzweg findet dieses Jahr nicht statt.

Unklar ist noch, was aus dem Auftritt von Reinhold Messer am Samstag im Congress Centrum Ulm wird. „Wir sind im Dialog mit dem Veranstalter“, sagt dazu Geschäftsführer Jürgen Eilts. Er empfehle, die 1000er-Regelung anzuwenden. Der Vortrag des ehemaligen Extrembergsteigers könne dann mit maximal 1000 Teilnehmern stattfinden, die Entscheidung liege aber beim Veranstalter.

Semester an Hochschule Neu-Ulm startet später – Unternehmertag verschoben

Das Kultusministerium hat indes beschlossen, die Anmeldetermine für die weiterführenden Schulen in Ulm nicht zu verschieben. Darum hatte Gerhard Semler von der Abteilung Bildung und Sport das Ministerium gebeten.

Eltern, die in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet waren, sollen aber nicht zu den Anmeldungen am Mittwoch und Donnerstag kommen, teilte die Stadt mit. Stattdessen können sie sich telefonisch oder per E-Mail bei der Schule melden und bekommen einen späteren Anmeldetermin.

Das bayerische Kabinett hat am Dienstag beschlossen, dass das Sommersemester an den Hochschulen erst am 20. April beginnen soll – wie bei den Unis. Die Hochschule Neu-Ulm hat zudem ihren Hochschulinformationstag am Freitag, 23. März, abgesagt. Der Ulmer Unternehmertag in der Donauhalle wurde am Dienstagabend kurzfristig von 26. März auf 23. September verlegt.

Der Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Söder beruht auf einem Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn, der empfohlen hatte, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Die Ulmer Regionalgruppe der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges begrüßte diesen Vorschlag in einer Stellungnahme. Sie forderte den Bund dazu auf, die Militärübung „Defender“ der USA, die auch in Deutschland stattfindet, zu stoppen. Die Übung gefährde „alle durch eine Erhöhung des Ansteckungspotentials“. Die USA proben die Verlegung großer Truppenteile durch Europa. An der Übung sind etwa 37.000 Menschen beteiligt.

SWP-Forum mit Franziska Giffey fällt aus


Die beiden für kommende Woche geplanten SWP-Foren mit Familienministerin Franziska Giffey am Dienstag, 17. März, im Stadthaus und mit Nahost-Korrespondent Martin Gehlen am Donnerstag, 19. März, in der SWP-Galerie werden aufgrund der Entwicklungen rund um das Coronavirus abgesagt. Die Eintrittskarten können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden.