Das Coronavirus verbreitet sich und legt Deutschland lahm. Firmen, Geschäfte, Restaurants – nahezu alles ist dicht, die Menschen sollen daheim bleiben, es herrscht ein weitreichendes Kontaktverbot. Erlaubt ist es in Baden-Württemberg immerhin noch, unter bestimmten Bedingungen in die Natur zu gehen.

Diese Möglichkeit nehmen offenbar immer mehr Menschen wahr, wie das Wochenende wieder zeigte: Tausende gehen spazieren, treiben Sport – zum Beispiel Joggen oder Rad fahren – sogar Inline-Skates werden zusehends aus dem Keller geholt.

Tausende machen Ausflüge in Zeiten von Corona

An vielen Hotspots in der Region ist dementsprechend viel los. Am Wasserfall Bad Urach zum Beispiel waren Horden von Wanderern unterwegs. Auch im beliebten Naturschutzgebiet Eselsburger Tal bei Herbrechtingen stiefelten und radelten am Sonntagmittag zahlreiche Menschen an der Brenz oder in den Hügeln darüber herum.

Und wer zurzeit an der Donau in Ulm und in der Friedrichsau unterwegs ist, muss auf den engen Wegen zeitweise Slalom gehen, um einigermaßen den Sicherheitsabstand gegen das Coronavirus zu anderen Menschen einhalten zu können. Doch das ist zeitweise kaum möglich, ständig werden Fußgänger von Radlern angepingt, Skater ziehen ihre Kurven und Jogger keuchen nur wenige Zentimeter an einem vorbei. Ganz zu schweigen von den Wochenmärkten, bei denen Abstände zwangsläufig manchmal nicht einzuhalten sind.

Aktivitäten außerhalb der Wohnung reduzieren

Da kann schon ein mulmiges Gefühl aufkommen und man stellt sich die Frage: Wie groß ist das Risiko einer Ansteckung im Freien – und welche Regeln muss ich einhalten? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) in Köln erklärt auf Anfrage, die Botschaft zum aktuellen Zeitpunkt sei, „dass alle Bürgerinnen und Bürger dazu beitragen, dass die Verbreitung von Covid-19 verlangsamt wird“. Und weiter: „Dafür ist es wichtig, alle Aktivitäten außerhalb der Wohnung auf ein Minimum zu reduzieren.“ Zudem verweist die Behörden auf die allgemeinen „Verhaltensregeln und -empfehlungen  zum Schutz vor dem Coronavirus im Alltag und im Miteinander.“

Wie groß ist das Risiko einer Ansteckung im Freien?

Doch welche Gefahren drohen konkret im Freien, wenn man zum Beispiel Sport treibt oder Sportlern begegnent? Fragen und Antworten zum Verhalten im Freien

  • Was ist der wichtigste Schutz im Freien? Grundsätzlich gilt – auch beim Sport und Bewegung im Freien sowie auf dem Wochenmarkt: Mindestens 1,5 Meter Abstand halten. Außerdem sollen die üblichen Hygieneregeln eingehalten werden.
  • Radtouren in Gruppen sind freilich nicht erlaubt. Das gleiche gilt für Lauf- oder Walkingtreffs. „Maximal zwei Personen, zwei Meter Abstand zu anderen halten und die Hygienevorgaben beachten“, erklärt Andreas Silbersack, Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes für die Bereiche Breitensport und Sportentwicklung die Regeln zum Sporttreiben in der Natur.
  • Muss ich keuchenden Joggern ausweichen? „Bild“ zitiert eine Lungenfachärztin. Demnach werden in der freien Natur die möglicherweise infektiösen Tröpfchen schnell verweht: „Wenn man mit Abstand aneinander vorbeijoggt, ist keine Infektionsgefahr gegeben.“ Außerdem würden möglicherweise infektiöse vor allem durch Husten, weniger durch Schnaufen verbreitet.
  • Ist es gefährlich, beim Sport im Freien durch die Anstrengung tiefer zu atmen? Die Expertin sagt dem Blatt zufolge, dass das nicht gefährlicher sei. Vielmehr sorge die körperliche Bewegung für eine bessere Durchlüftung und Durchblutung der Lunge. Dies senke das Risiko einer Lungenentzündung. Allerdings empfiehlt die Expertin Petra Platen ein moderates Training, sprich keine extremen Belastungen insbesondere im Ausdauerbereich. Denn Leistungssportler und auch Freizeitsportler seien während und nach hohen Belastungen besonders anfällig für Viren, erklärt die Leiterin des Lehrstuhls für Sportmedizin und Sporternährung an der Sportfakultät der Ruhr-Universität Bochum.
  • Darf ich mich mit Fremden im Freien unterhalten? Das sollte man entsprechend der allgemeinen Kontakteinschränkung vermeiden.
  • Wenn jemand hustet, bleibt dann an dieser Stelle eine Art „Wolke“ mit infektiösen Tröpfchen stehen, die ich einatmen könnte? Hier sagt die Expertin Bild zufolge klar: „Nein. Die Tröpfchen, die beim Husten entstehen, sind vergleichsweise groß und fallen recht schnell zu Boden, zusätzlich werden sie vom Wind verweht.“

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Ulm

Das sind die Regeln für Sport und Spaziergänge im Freien

  • Verbot von Ansammlungen von mehr als zwei Personen für ganz Deutschland
  • In allen Bundesländern außer Bayern ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person erlaubt
  • Ausnahmen gelten in Baden-Württemberg für Großeltern, Eltern, Kinder und Lebenspartner, auch wenn sie nicht im eigenen Haushalt leben. Mit ihnen kann man sich also jederzeit treffen.
  • Beim Sport gilt dasselbe wie beim Spaziergehen. Erlaubt mit der Familie oder mit einer anderen Person, wenn der Sicherheitsabstand eingehalten wird.
  • Diese Regelung gilt voraussichtlich mindestens bis 20. April.

Polizei registriert immer wieder Verstöße gegen Corona-Vorschriften

Der Polizei zufolge halten sich die meisten Menschen in der Region an die neuen Vorschriften zum Infektionsschutz. Wenn Verstöße registriert werden, handelt es sich dem Polizeipräsidium Ulm zufolge „fast ausschließlich um verbotenes Verweilen im öffentlichen Raum oder um zu geringe Abstände“.

So zum Beispiel in Kirchdorf an der Iller, wo die Polizei am Sonntagmorgen eine „Zusammenkunft“ von 17 Personen auflösen musste, und dabei dem Polizeibericht zufolge auf „massives Unverständnis“ stieß.