In der Corona-Krise sieht es auch für Hotels und gastronomische Betriebe – die unter Auflagen weiter öffnen dürfen – zappenduster aus. Das führt dazu, dass Großgastronom Ebbo Riedmüller am Donnerstag alle seine Betriebe geschlossen hat, mit Ausnahme des Hotels in Neu-Ulm. Somit sind auch der „Barfüßer“ mit Riku-Hotel in der Neuen Mitte und das Q-Muh an der Blau dicht. Die Schließungen gelten für unbestimmte Zeit. Die geplante Untervermietung des „Ratskellers“ an das neue italienische Restaurant La Fontana kommt ebenfalls nicht termingerecht zum Monatswechsel zustande.

Großgastronom Ebbo Riedmüller spricht von „beträchtlichem Schaden“

Riedmüller beschäftigt in der Barfüßer-Gruppe 900 Mitarbeiter, die nun Überstunden oder Urlaub nehmen müssen oder in Kurz­arbeit gehen. Es wird zudem Entlassungen geben. Zur Schadensbegrenzung führt der Gastronom Gespräche mit Banken über Tilgungsaussetzungen – was durchaus auf Verständnis stoße. Das Unternehmen müsse schließlich ohne Einnahmen weiterlaufen, allein die Versicherungen kosten sechsstellig pro Jahr. Riedmüller glaubt, dass die Krise vier bis fünf Monate dauern könnte und für seine Barfüßer-Gruppe einen beträchtlichen Schaden verursacht.

Er zeigt gleichwohl Verständnis für die behördlich verordneten Einschränkungen im Sinne des Gesundheitsschutzes. Das Barfüßer-­Management denke auch an den Schutz der Mitarbeiter, die sich zuletzt ohnehin verstärkt krankgemeldet hatten. Man müsse cool bleiben und Corona „ohne Hysterie“ überstehen.

Best Western Hotel in Böfingen schließt von 20. bis 31. März

Das Vier-Sterne-Hotel Best Western Atrium mit Michelin-Restaurant „Siedepunkt“ und Kochschule schließt zumindest vom 20. bis 31. März. Für die Mitarbeiter habe man 100 Prozent Kurzarbeit beantragt. „Uns blutet das Herz“, kommentiert Geschäftsführer Oliver Schreiber die „unverzichtbare Maßnahme“ in einer Mitteilung. Es geht nicht nur um den Schutz von Personal und Gästen, sondern um die wirtschaftliche Lage. Mit dem privaten Reiseverbot sei das Geschäft vollends eingebrochen. Weil sich die Situation täglich zuspitze und ein Ende der Krise nicht in Sicht sei, lasse sich für das Hotel im nördlichen Stadtteil Böfingen „der Gesamtschaden noch nicht in Gänze abschätzen und beziffern“.

Hotel Goldenes Rad in Ulm: Belegung auf 10 Prozent gesunken

In der Innenstadt geht Karin Krings angesichts der zentralen Lage mit dem Hotel „Goldenes Rad“ einen anderen Weg. Sie lässt das Hotel offen und fährt den Betrieb „so weit wie möglich runter“ – auch an der nicht mehr nachts geöffneten Rezeption. Die Belegung sei von 80 auf 10 Prozent gesunken, mit ein paar gestrandeten Geschäftsreisenden  – aber auch Gästen, die wegen Ansteckungsgefahr zu Hause vorübergehend ins Hotel gehen. Allerdings gilt: „Das rechnet sich null.“ Im April werde man mit zwölf Mitarbeitern voraussichtlich auf Kurzarbeit gehen müssen. Denn es gebe keine Touristen mehr. Auch in der Gastronomie kämen die Geschäfte zum Erliegen, sagt Krings als Dehoga-Vorsitzende. Die Branche stehe „wirtschaftlich am Abgrund“. Nun gehe es darum, dass die Banken, aber auch die Politik rasch Liquidität bereitstellen. Sie führe dazu verstärkt Gespräche „mit verzweifelten Kollegen“. Für das Personal falle nicht zuletzt das einkalkulierte Trinkgeld weg. In der lokalen Hotellerie ist auch bei Platzhirsch Maritim mit 287 Zimmern die Belegungsquote mit restlichen Business-Kunden ähnlich wie im „Goldenen Rad“, sagt der stellvertretende Direktor Martin Vintiska. Panorama-Restaurant und Bar sind zu.

L'Osteria in Ulm: Gäste müssen sich mit Personalausweis registrieren

Corona ist auch in der Systemgastronomie ein Thema. Der regionale McDonald’s-Franchisenehmer Gerhard Schmid hatte im Container in der Bahnhofstraße zur Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Meter leerzuhaltende Tische mit rotem Klebeband abgeklebt. In der Filiale Blaubeurer Straße sei noch unklar, wie lange man den Drive-In-Schalter auflassen werde. Es gebe fast täglich eine neue Situation – auch wenn man Pärchen klarmachen muss, dass sie nicht am selben Tisch sitzen dürften.

In Bayern seien mit der Schließung um 15 Uhr noch härtere Vorschriften in Kraft. Wenn die Arbeitszeit-Guthaben der Mitarbeiter aufgebraucht sind, will Schmid ebenfalls Kurzarbeit beantragen. Bei L’Osteria am Judenhof in Ulm werden die neuen Regeln auch streng befolgt: So mussten sich die Gäste diese Woche schon per Personalausweis und Telefonnummer registrieren lassen.

Michael Freudenberg schließt dagegen den „Wilden Mann“ und das Restaurant Klosterhof: „Es kommen fast keine Gäste mehr.“ Er spricht von einer „existenzbedrohenden Lage“. Nur die Bäckerei im „Wilden Mann“ bleibe als wichtige Einnahmequelle in diesen Tagen und zur Nahversorgung des Fischerviertels offen.

„Ulmer Verband der Gastronomie“: Gastronomen gründen Verein

Um ihre Interessen während der Krisenzeit geschlossen nach außen zu vertreten, haben sieben Ulmer Gastronomen einen Verein ins Leben gerufen. Der Name: Ulmer Verband der Gastronomie. „Die Eintragung beim Notar erfolgt so schnell wie möglich“, sagt Daniel Zauner, 1. Vorstand und Betreiber der Gaststätte „Zur Zill“. Gründungsmitglieder sind unter anderem Victoria Ocker (Gerberhaus und Kulisse), Dimitrios Prokopis (Elinaki) sowie Sanjit Singh (Die Bar und Kleinlaut). Zauner rechnet in den kommenden Tagen mit mehr als 40 Neumitgliedern. „Die lokale Gastro-Szene organisiert sich derzeit in einer Chatgruppe, tauscht sich dort aus. Nahezu alle Teilnehmer haben angekündigt, auch dem Verein beizutreten“, so Zauner.

Am Mittwoch hat der Zusammenschluss einen offenen Brief veröffentlicht. Darin werden die aktuellen Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung als unzureichend kritisiert. Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen und Kredite seien zwar nützlich, jedoch noch nicht genug. Was es jetzt braucht, so die Forderung des Vereins, ist ein staatlicher Fonds für den gesamten Dienstleistungssektor. „Lasst uns nicht Konkurs gehen.Helft uns jetzt, damit wir in ein paar Monate unser Leben normal weiterführen können“, heißt es in dem Schreiben.