Auf den ersten Blick erscheint es unverzichtbar: Firmen, die wegen Corona über längere Zeiträume keine Einnahmen erzielen konnten – oder wie die Gastronomen noch auf dem Trockenen sitzen –, versuchen mit allen Mitteln ihre Ausgaben zu reduzieren. Sie wollen liquide bleiben und nicht insolvent gehen. Dabei standen zum Auftakt der Corona-Krise im März gleich auch die Mieten im Fokus. Große Filialisten kündigten pauschal an, die Mieten wegen der Pandemie und damit verbundenen Zwangsschließungen nicht mehr zahlen zu wollen.

Das Beispiel machte auch lokal Schule – aber so einfach ist die Materie nicht. Die Beweislast liegt beim Mieter, betont der Verein der Grundeigentümer, Haus und Grund Ulm. Der Mieter hat nun freilich das Recht auf Stundung für drei Monate bis Juni, mit Nachzahlung bis 2022. Der Eindruck herrscht vor, dass es sich bei den – vielleicht institutionellen – Immobilien-Besitzern um solvente Adressen handelt, die im Kontrast zu ihren Mietern auf Einnahmen nicht angewiesen sind.

Dies mag für robuste Investoren zutreffen, nicht aber für kleine Vermieter, die ihre Immobilien womöglich finanzieren. Ihnen droht aus Sicht von Haus-und-Grund-Chefin Simone Eberle sogar die Pleite. Das gilt natürlich nicht fürs Rathaus, dessen Angebot zu einem Mietverzicht in Notfällen dennoch als groß­zügig gelten darf.