In diesen – zumindest gelegentlich – vom Nebel getrübten Ulmer Novembertagen fällt den meisten Menschen der Kampf gegen die Corona-Pandemie doppelt schwer. Eine Zeit, die sonst davon geprägt ist, dass wir zusammenrücken, hält uns auf Abstand. Die Traditionen, mit denen wir die dunkle Jahreszeit erhellen, sind unmöglich: das Treffen mit Freunden zum Essen, gemeinsames Singen und Feiern.
Die „Aktion 100.000 und Ulmer helft“ trifft das besonders hart. Denn von der Begegnung, von dem Miteinander, lebt diese einmalige Spendenaktion. All das, was uns Freude bereitet, nutzen tausende Menschen aus der Region, um Gutes zu tun. Ob es etwa das Konzert der JBU mit den Ulmer Spatzen in der Pauluskirche ist, Theateraufführungen, der Verkauf von Weihnachtsartikeln – der Erlös hunderter Aktionen fließt in den einen großen Topf, der Bedürftigen aus Ulm, Neu-Ulm und der Umgebung zugute kommt.

Die Region steht zusammen

Das ist seit 50 Jahren so, und eigentlich hatten sich Aktionsleiter Karl Bacherle und seine Helfer auf eine ganz besondere Jubiläumssaison vorbereitet – die es auch geworden ist, aber eben unter ganz anderen Vorzeichen. Doch es zählt zu den Eigentümlichkeiten dieser Pandemie, dass sie nicht nur Leid bringt und Opfer fordert, sondern Dinge auch zum Positiven verändert. Sie stellt unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt wirklich auf die Probe – und den Ulmern muss man in dieser Hinsicht ein Kompliment machen. Solidarität ist für sie nicht das Wedeln mit dem Scheckbuch (dagegen hat Karl Bacherle im Übrigen nichts...), sondern der Einsatz mit Ideen für die Sache. Wenn man auf dem Weihnachtsmarkt nichts verkaufen kann – dann organisieren wir den Weihnachtsmarkt eben to go. Wenn das Kornhaus geschlossen, organisieren wir die berühmte Versteigerung eben digital. Und selbst wenn Kurzarbeit gefahren wird – wir halten dennoch an unserer traditionellen Spende fest, wie es die Angestellten von Evobus machen.

Vielleicht eine Spenden-Überraschung

Insofern gibt die Jubiläumssaison doch Anlass zum Jubel – weil sie beweist, dass diese Region zusammensteht, auch wenn es einmal schwieriger wird. Ob das Spendenergebnis am Ende vermutlich um 400.000 Euro schmaler ausfällt, ist fast nebensächlich. Vielleicht erleben wir aber auch eine Überraschung und die Ulmer beschenken sich selbst und andere mit einem Jubiläums-trotz-Corona-Rekordergebnis.