• So ist die Corona-Lage in BW.
  • Das Sozialministerium will vor Pfingsten Klarheit schaffen.
Weniger Corona-Neuinfektionen und für viele Menschen etwas mehr Normalität: Immer stärker wächst die Hoffnung in Baden-Württemberg auf einen neuen Alltag. In einigen Regionen könnte das in den kommenden Wochen möglich sein. Aber den Branchen fehlen die Garantien.

Corona-Regeln Baden-Württemberg: Es gibt Hoffnung für Gastronomie und Hotels in BW

Nach Monaten im Corona-Lockdown machen sich Gastronomen und Hoteliers in Baden-Württemberg Hoffnungen auf Gäste und Besucher in den kommenden Wochen. Das Gesundheitsministerium will rechtzeitig vor Pfingsten Klarheit schaffen, welche Bereiche wann und zu welchen Bedingungen öffnen können.

Passau/Wiesau

BW: Welche Bereiche dürfen wann öffnen? Hotel- und Gaststättenbranche will Klarheit

Gerade die Hotel- und Gaststättenbranche habe bei einem Gespräch mit Vertretern aller von Schließungen betroffenen Bereiche darum gebeten, möglichst schnell verlässliche Details zu bekommen, teilte das Ressort von Sozialminister Manne Lucha (Grüne) in Stuttgart mit. Pfingstsonntag ist der 23.05.2021.
Zur Eile mahnen auch Vertreter der beliebten Ferienregionen im Südwesten. „Existenzen von Unternehmen und deren Beschäftigten stehen auf dem Spiel, wenn sich der Re-Start in einigen Destinationen weiter verzögert“, sagte Markus, Sprecher der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH. Freies Reisen sei für den internationalen Bodensee-Tourismus essenziell.Möglich wäre ein Beschluss der Landesregierung bereits bis Ende der kommenden Woche. Ein gewisser Vorlauf sei nötig, um die Regelungen vorzubereiten, hieß es aus dem Ministerium.

Öffnungen in BW sind abhängig von der Inzidenz

Bislang will das Land den Betrieb von Biergärten und Außengastronomie sowie Hotels in weniger pandemiebelasteten Stadt- und Landkreisen erlauben. Bedingung ist aber, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in diesen Regionen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen stabil unter 100 Fällen pro 100.000 Einwohnern und binnen einer Woche liegt. Beschlossene Sache ist das aber noch nicht.

BW: Hotels und Gastwirte machen Druck und will einen konkreten Termin

Die Betriebe stünden vor großen Herausforderungen, warnte der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Baden-Württemberg, Fritz Engelhardt. Es gebe noch kein konkretes Datum für mögliche Öffnungen in weniger belasteten Regionen. Es müssten aber zuvor noch Waren beschafft und Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgerufen werden, erklärte er der dpa. „Es ist deshalb extrem wichtig, dass die Landesregierung uns jetzt einen konkreten Termin nennt, ab wann die Lockerungen greifen.“ Auch die Corona-Teststrategie müsse noch im Detail geklärt werden.

„Hygienekonzepte funktionieren“: Dehoga fordert komplette Betriebsöffnungen

Der Dehoga fordert, Betriebe komplett zu öffnen, um Probleme zu vermeiden, die in der Praxis auftauchen könnten. „Die Hygienekonzepte der Gastronomie funktionieren außen und innen“, sagte Engelhardt. „Wenn ohnehin nur Geimpfte, Genesene und negativ Getestete Zutritt bekommen, sind aus unserer Sicht beherztere Öffnungsschritte verantwortbar.“

Urlaub im Schwarzwald: Öffnen Campingplatz, Hotel und Ferienwohnung?

Besitzer von Hotels und Ferienwohnungen im Schwarzwald fürchten dagegen bereits, beim Wiederanlaufen des Inlandstourismus schlechter abzuschneiden als andere beliebte Ziele in Deutschland. Die Landesregierung habe für die Reisebranche noch keine klaren Perspektiven aufgezeigt, sagte der Sprecher der Schwarzwald Tourismus GmbH, Wolfgang Weiler, der dpa. „Es ist leider ein sehr chaotisches Bild.“ Es gebe zwar einen „Riesenandrang“ von Reisewilligen in der Region. „Aber wir können derzeit keine Zusage machen, dass Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätze bereits zu Pfingsten geöffnet sind.“

Urlaub im Bayern: Söder will Pfingsturlaub in Regionen mit niedriger Inzidenz erlauben

Konkreter geworden ist bereits etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er kündigte an, Urlaub im Freistaat in den Pfingstferien in Regionen mit niedrigen Corona-Infektionszahlen wieder zu erlauben. Auch Schleswig-Holstein geht weitere Öffnungsschritte im Tourismus. Im Norden dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete vom 17.05.2021 an unter strengen Vorgaben landesweit Gaststätten auch in Innenräumen besuchen und in Beherbergungsbetrieben übernachten. Touristen müssen sich alle drei Tage auf Corona testen lassen.

Baden-Württemberg: Schwarzwald-Tourismussprecher spricht von Flickenteppich

Dass es nun einen Flickenteppich in den verschiedenen Bundesländern gebe, sei zu bedauern, sagte Schwarzwald-Tourismussprecher Weiler. „Da fürchte ich tatsächlich, dass der Schwarzwald etwa im Vergleich zu Bayern ins Hintertreffen gerät.“ Den Gastgebern im Schwarzwald, die in normalen Zeiten 40 Prozent der touristischen Übernachtungen in Baden-Württemberg stellten, rate man nun, Buchungen über Pfingsten zuzulassen, aber großzügige Stornobedingungen einzuräumen - „damit dann, falls Reisen kurzfristig erlaubt werden, die Gäste auch kommen können“, sagte Weiler.

Tourismus bald möglich? Optimismus im Hochschwarzwald

Optimistischer gibt man sich im Hochschwarzwald, der am Mittwoch die niedrigste Inzidenz in Baden-Württemberg aufwies. „Seit gestern werden unsere Touristinformationen mit Anfragen geflutet“, sagte der Sprecher der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, Herbert Kreuz. Auch Buchungen würden mehr und mehr verzeichnet. „Für Pfingsten sind wir zuversichtlich, dass es Buchungsmöglichkeiten geben wird.“ Für den Sommer rechne man mit einer starken Auslastung. „Wir mussten jetzt lange warten, vielleicht ist jetzt die Zeit auch für den Tourismus wieder reif.“

Winfried Kretschmann: „Im Freien ist das Ansteckungsrisiko im Faktor 20 geringer“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) entwarf am Dienstag in Stuttgart ein erstes Szenario vor allem für das Leben vor den Türen. „Im Freien ist das Ansteckungsrisiko im Faktor 20 geringer“, sagte er. „Wenn man das nochmal verbindet mit einer entsprechenden Teststrategie, mit der Vorlage des Impfausweises, wenn man voll geimpft ist, dann kann man da schon Schritte in diese Richtung machen.“

BW: So funktioniert das Drei-Stufen-Modell des Gesundheitsministerium

In der aktuellen Öffnungsstrategie, die der dpa vorliegt, entwirft das Gesundheitsministerium ein Drei-Stufen-Modell. Liegt die Inzidenz an fünf Tagen stabil unter 100, könnten Einzelhandel, Außengastronomie und die Außenbereiche von Zoos und Botanischen Gärten demnach ebenso öffnen wie Autokinos, Archive, Bibliotheken, Bäder und Badeseen, Galerien, Museen und Gedenkstätten sowie Hotels. Fällt die Inzidenz laut Papier auch zwei Wochen später weiter, könnte in einer zweiten Stufe Musik- und Kunstschulen mit einer begrenzten Besucherzahl ebenso eine Perspektive gegeben werden wie Messen, kontaktarmem Sport in Hallen, Theatern, Opern und Orchestern, Kinos, aber auch Restaurants. Zwei weitere Wochen später wären dann in einem dritten Schritt Veranstaltungen mit größerer Besucherzahl wie zum Beispiel Theater- und Konzertaufführungen, Messen und Großveranstaltungen sowie Freizeitparks und Hallenbäder an der Reihe.

Winfried Kretschmann dämpft Hoffnung auf baldiges Reisen

Allerdings dämpfte Ministerpräsident Kretschmann die Hoffnung vieler Menschen auf baldige Reisen. „Das sehe ich erstmal nicht. Dazu müssten die Inzidenzen drastisch runtergehen, bevor wir sowas ins Auge fassen können“, sagte der Grünen-Politiker der dpa. Wegen der immer wieder neu auftretenden Mutanten sei die Lage noch unsicher. Es sei zu früh, wegen der leicht sinkenden Zahlen von einer Trendwende zu sprechen. Zudem gehöre Reisen zu den „ganz problematischen Dingen, weil das Virus wird ja verbreitet durch Reisen“, es sei durch Reisen überhaupt erst auf der ganzen Welt verbreitet worden. „Da ist große Vorsicht geboten.“