Herr Schöll, wie viel kommen Sie zur Zeit zum Lesen?

Normalerweise lese ich so vier Bücher in der Woche. Das schaffe ich gerade aber nicht, weil wir in einem totalen Notmodus sind. Wir haben ja nicht frei, sondern wir versuchen, den Laden zu retten.

Wie sieht der Notmodus aus?

Das Wesentliche an einem Laden ist, dass er offen hat. Wir haben seit Mittwoch geschlossen, jetzt bricht uns tatsächlich die Existenzgrundlage weg. Natürlich haben wir auch einen Online-Shop, aber wir inhabergeführten Läden verstehen uns nicht als Online-Läden, das war nichts, was wir in den letzten Jahren favorisiert haben. Für uns ist deshalb zu überlegen: Machen wir Kurzarbeit? Welche Anträge können wir stellen? Wie sieht es mit Krediten aus?

Wie groß ist die wirtschaftliche Belastung?

Extrem. Ich glaube, das würden 100 Prozent aller Läden sagen. Das ist die extremste Herausforderung, die man sich vorstellen kann.

Wie stark wird der Online-Shop derzeit genutzt?

Gerade erleben wir eine Welle der Solidarität. Stammkunden und andere bestellen bei uns, statt zu Amazon zu gehen. Das sind deutlich mehr Einkäufe im Online-Shop als sonst, aber deutlich weniger als normalerweise im Laden.

Sie haben Ihren Kundinnen und Kunden online selbst Hilfe angeboten, etwa beim Einkaufen. Hat sich schon jemand bei Ihnen gemeldet?

Ja, wir haben das schon gemacht. Wir haben im Buchhandel Kunden, die sehr, sehr alt sind. Aber unabhängig von unseren eigenen Kunden glaube ich: Es ist das Gebot der Stunde, solidarisch zu sein und anderen zu helfen.

Viele Menschen haben jetzt mehr Zeit zum Lesen. Was ist ein gutes Buch für die Corona-Krise?

Gerade lesen natürlich viele „Die Pest“ von Albert Camus. Aber in „Die Verlobten“ von Alessandro Manzoni wird das, was wir aktuell erleben, noch besser beschrieben. Das ist eines der großen Bücher der Weltliteratur, das aber nur wenige gelesen haben. Auch in diesem Buch geht es darum, dass die Pest ausbricht, ganz Mailand wird dicht gemacht – das liest sich wie eine Blaupause für unsere Zeit.

Bücher im Supermarkt abholen


Auch die Buchhandlung Jastram in der Schuhhausgasse versucht, die Corona-Krise zu bewältigen. Nach wie vor sei man  telefonisch erreichbar, der Anrufbeantworter sei an. Neben dem Bioladen „Erdapfel“ in Söflingen (wir berichteten) dient für Jastram nun auch der unweit entfernte Feneberg-Markt in der Frauenstraße als Abholstation. Auf Wunsch würden verpackte Bestellungen zur Abholung vor den Buchladen gestellt. Zudem werden Bestellungen verschickt oder nach Hause gebracht.