Trotz wegbrechender Umsätze wegen der Corona-Krise müssen die regionalen Unternehmen bei laufenden Kosten liquide bleiben. Die IHK Ulm fordert zu diesem Zweck eine Lockerung der Bankenregulierung. Die Kredit­institute müssten in die Lage versetzt werden, „umgehend bürokratiearm und risikofrei Darlehen auszureichen“, fordert Präsident Jan Stefan Roell. Dazu sollten die Banken vom Normal- in den Krisenmodus schalten dürfen: „Die hohe Zahl notleidender Unternehmen ist dringend auf diese Maßnahme angewiesen“, betont Roell in einer Mitteilung. Der von der IHK-Organisation geforderte Notfallfonds für Kleinbetriebe und Selbstständige komme jedenfalls. Dazu Haupt­geschäftsführer Max-Martin Deinhard: „Die Betriebe müssen die nächsten Monate überstehen.“ Und weiter: „Es geht mit Blick auf Liquidität und die Rücklagen-Situation um wenige Wochen, manchmal um Tage.“

Wegen der Corona-Krise laufen bei der IHK die Telefone heiß

Außerdem müsse es vereinfachte Regelungen für Steuerstundungen geben. Roell: „Das Geld, das von den Unternehmen nicht abgezogen wird, ist der schnellste Kredit.“ Die IHK Ulm blickt auf eine Woche intensiver Beratungen – „die Telefone laufen heiß“ – wegen Corona zurück. Dies bestätige die Notwendigkeit ihrer Forderungen an die Politik.

Angesichts der sich verschärfenden Lage für die Betriebe hat die Handwerkskammer Ulm der Landesregierung angeboten, die Auszahlung von Soforthilfen an ihre etwa 20 000 Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee zu organisieren. Hauptgeschäftsführer Tobias Mehlich: „Wir sind in der Lage, das schnell zu leisten.“ Sonst blieben die Zahlen „politische Theorie“. In den  Handwerksbetrieben brechen nun ebenfalls die Aufträge weg. Dies führe zu „Liquiditätsengpässen und wirtschaftlichen Nöten“.

Die Kammer appelliert mit dem DGB an die Betriebsinhaber, zunächst auf Instrumente wie Abbau von Überstunden und Resturlaub sowie Kurzarbeit zurückzugreifen, bevor sie vorzeitig Entlassungen vornehmen. Wie die IHK fordert auch die Handwerkskammer bürokratiearme Kredite.

Bei der Sparkasse Ulm geht es mit Blick auf die laufenden Kredite nun vorrangig um das Thema Tilgungsaussetzungen, erläutert Vorstandsvorsitzender Stefan Bill. Das könne bis zu sechs Monaten gehen. Für Liquiditätshilfen gebe es KfW-Programme, die freilich bisher nach den regulären Kriterien laufen: Der Bedarf muss über Unterlagen nachgewiesen werden, die Auszahlung hängt von der bisherigen Bonität ab. Wenn eine Firma also bisher schon wacklig stand, bekommt sie kein Geld. Die lokale Bank geht mit ins Risiko, betont Bill. Wenn es zu einer schnellen, vereinfachten Auszahlung von Geld kommen soll, seien solche Geschenke eine „staatliche Aufgabe“.

Für Firmen kann die Herabstufung der Bonität gefährlich sein

Er versichert gleichwohl, die Sparkasse als größtes regionales Kreditinstitut werde ihre Kunden durch die Krise begleiten. Dabei gelte besonders: „Wir haben die Versorgung mit Bargeld und den Zahlungsverkehr sichergestellt.“

Bei der Volksbank Ulm-Biberach steht Bills Kollege Ralph Blankenberg wegen Corona schon seit mehreren Tagen laufend im Kontakt mit der Politik. Dabei gehe es darum, aus der Überregulierung der vergangenen Jahre herauszukommen. So können die Banken nach Blankenbergs Worten zwar problemlos eine Tilgungsaussetzung für sechs Monate machen. Die Bankenaufsicht lässt aber maximal drei Monate zu, wenn der Kreditnehmer seine Bonität behalten will. Ansonsten wird er in der Bewertung auf einen Sanierungsfall zurückgestuft – mit entsprechend negativen Konsequenzen für die spätere Kreditfähigkeit. Die Banken haben dabei überhaupt keine Wahl. Blankenberg: „Wir haben eine funktionierende Gesetzeslage.“

Den bisherigen und ursprünglich für Corona angedachten Ablauf bei KfW-Krediten beschreibt Blankenberg so: 14 Tage Laufzeit in der Bank, vier Wochen bei der Kfw, danach vier Wochen Karenzzeit bis zur Auszahlung.

Firmen brauchen schnell Geld zur Überbrückung

In den Firmen sei freilich mit  Blick auf die Liquidität die Hauptfrage: „Wann kommt das Geld?“ Falls sich bei der über Jahre aufgebauten Überregulierung des Kreditwesens nicht rasch etwas ändere, prophezeit der Volksbank-Chef „hunderttausende Insolvenzen“ und in der Folge eine regelrechte Staatskrise.

Blankenberg weist im Zuge von Corona auf ein weiteres Problem hin: Wenn Privatkunden auf Kurzarbeit gehen oder sogar ihren Arbeitsplatz verlieren und sich bis an die Kante mit Immobilienkrediten verschuldet haben, stehen sie sofort vor einem Ausfall ihrer Raten für Zins und Tilgung. So könne es durchaus vorkommen, dass eine Familie sich bei der Bank meldet, mit der Botschaft: „1700 Euro im Monat ist derzeit alles, was wir haben.“ Auch hier gehe es daher dringend um einen leicht handhabbaren Rahmen für Tilgungsaussetzungen.

Bündelung für Service in Beratungszentren


Publikumsverkehr Die Volksbank Ulm-Biberach konzentriert ähnlich wie die Sparkasse den persönlichen Service auf größere Beratungszentren. Für die Region Ulm sind dies: die Zentrale am Olgaplatz, die Filiale in der Hirschstraße sowie in Langenau. Für die Region Illertal ist die Filiale Senden offen. Die Sparkasse hatte für die Region zuletzt zwölf geöffnete Beratungszentren genannt, drei in Ulm selbst:
Neue Straße, Söflingen, Wiblingen.