„Wir können nichts daran ändern.“ Man hört es an der Stimme, wie sehr es Claudia Steinhauer leid tut, dass die Tafelläden in Ulm, Langenau, Laichingen, Erbach, Blaustein und Ehingen alle seit Dienstag geschlossen sind. Sie ist beim DRK-Kreisverband Ulm die Abteilungsleiterin Soziale Dienste und betreut unter anderem die Tafelläden.

Läden, die in normalen Zeiten eine Brücke schaffen zwischen Überschuss und Mangel. Mit vier Tafelläden-Fahrzeugen sammeln Ehrenamtliche in der gesamten Region qualitativ einwandfreie Lebensmittel ein, die sonst im Müll gelandet wären. Weitere ehrenamtliche Helfer sortieren die Waren in den Läden in die Regale. Und Bedürftige, die einen Berechtigungsschein ihrer Gemeinde vorzeigen müssen, kaufen die Lebensmittel zu etwa einem Drittel des regulären Warenpreises.

Keine Ware mehr für Tafelläden

Der Warenrest wurde seit jeher von Discountern, Supermärkten oder Händlern des Wochenmarktes gespendet. Doch seit der zunehmenden Coronakrise gibt es diesen „Überfluss“ aufgrund der immensen Hamsterkäufe nicht mehr, also auch so gut wie keine Ware für die Tafelläden.

Das ist aber nicht der einzige Grund für die Schließung. Jeder Tafelladen braucht viele ehrenamtliche Helfer als Fahrer, Beifahrer und für das eingespielte Team im Laden. „Und da etliche über 70 oder gar 80 Jahre alt sind, haben sie mir Anfang der Woche reihenweise abgesagt, weil sie Angst vor dem Virus haben“, sagt Claudia Steinhauer. „Mir ist die Basis weggebrochen.“ Sie wiederum habe die Verantwortung, diese Helfer zu schützen.

„Die Gesundheit geht vor“

Selbst wenn sich jetzt auf die Schnelle etliche neue und junge Helfer finden würden, wären da immer noch die beengten Verhältnisse in den meisten der Tafelläden.

Weil die Kunden voneinander Abstand halten sollen, dürften jeweils nur fünf gleichzeitig einkaufen. „Aber dann wartet vor der Tür eine Riesen-Menschentraube“, erklärt die Abteilungsleiterin den triftigsten Punkt für die Schließung. „Die Gesundheit aller geht vor.“

Keine Orientierung im Supermarkt

 Also müssen die Menschen mit sehr wenig Einkommen nun im Supermarkt einkaufen. Allerdings müssten viele den Blick für die günstigen Produkte und den richtigen Preisvergleich erst lernen. „Manches, was zunächst billig scheint, muss man auf den Kilopreis umrechnen“, nennt Claudia Steinhauer ein Beispiel.

Finanzielle Unterstützung sei auch nicht in Sicht, von wem auch? Und sollte jemand Privates eine Kiste Salat spenden, wer soll das verteilen und wer kommt in den Genuss?

In Neu-Ulm ist die Lage etwas besser

Etwas mehr Ware gibt es noch im Neu-Ulmer Tafelladen in der Reuttier Straße 17, weshalb dieser bis auf Weiteres noch geöffnet hat, allerdings zu reduzierten Öffnungszeiten: Am Dienstag und Donnerstag von 12.30 bis 14 Uhr. „Aber nur für Neu-Ulmer Bürger mit Berechtigungsschein“, betont eine Mitarbeiterin des BRK Neu-Ulm. Trotz Hamsterkäufen gebe es immer noch Brotwaren und Gemüse. Sollte der Neu-Ulmer Tafelladen auch geschlossen werden müssen, stehe dieses sofort auf der Homepage unter www.brk-nu.de.

Waren immer mehr rationieren


Rückgang Auch schon in den vergangenen fünf Jahren mussten die Tafelläden - in ganz Deutschland - die gespendeten Waren immer mehr rationieren. Der Grund: Die Armutsquote ist gestiegen und es kommen Einwanderer und Flüchtlinge hinzu.

Verteilung Damit alle etwas von dem „Kuchen“ abbekommen, haben die sechs Läden des DRK Ulm jeweils an verschiedenen Wochentagen geöffnet. Bleibt beim einen etwas übrig, nimmt der Fahrer dies beim Ausliefern gleich in einen anderen Tafelladen mit.