Zuhause bleiben – das ist zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie die Maßgabe dieser Wochen. Doch was ist mit den Menschen, die nicht zuhause bleiben können, weil sie kein festes Zuhause haben?

Für Wohnungslose in Ulm stellen sich mit der Pandemie gravierende Fragen. In den Unterkünften, die das Deutsche Rote Kreuz und die Caritas ihnen in Ulm bieten, ist es kaum möglich, den gebotenen Abstand zu anderen Personen einzuhalten. In der vergangenen Woche entschieden sich manche Wohnungslose daher, lieber an Plätzen im Freien zu übernachten. Doch seit dem Wochenende gibt es auch wieder Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt.

Im Übernachtungsheim des DRK in der Ulmer Frauenstraße haben am Wochenende „nicht mehr Menschen als üblich“ Unterkunft gesucht, sagt Claudia Steinhauer. Sie leitet die Abteilung Soziale Dienste der Organisation.

Für mehr als 20 Menschen ist in dem Übernachtungsheim in Doppelstockbetten Platz. Dabei werde auch in normalen Zeiten versucht, für etwas Platz zwischen den untergebrachten Menschen zu sorgen. Angesichts der Pandemie gibt es weitere Maßnahmen: Das Personal des DRK versucht, auf Abstand zu achten, den Untergebrachten werden Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. „Aber wir können eben nur im Rahmen der Möglichkeiten Vorsorge treffen“, sagt Steinhauer.

Wie kann Quarantäne umgesetzt werden?

Fraglich ist vor allem, wie mit möglichen Verdachtsfällen oder positiven Tests auf das Virus SARS-CoV2 unter den auf soziale Einrichtungen angewiesenen Menschen umgegangen werden kann. Wenn für Wohnungslose oder auch Geflüchtete oder Frauen in Schutzräumen Qurantäne-Regeln angewandt werden müssen, sinkt die Kapazität der Unterbringungsmöglichkeiten dramatisch.

Ulm bereite sich auf diesen Fall vor, sagt Sozialbürgermeisterin Iris Mann auf Nachfrage der Südwest Presse. Die Stadt halte Räume dafür vor, zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Dazu würden einerseits Gebäude eingesetzt, die von der Stadt zur Unterbringung von Geflüchteten beschafft, aktuell aber nicht ausgelastet werden. Andererseits kämen auch seit kurzem leerstehende Wohngebäude dafür in Frage. Erst nach diesen Optionen würde man sich damit befassen, Hotels oder Pensionen für diesen Zweck anzumieten.

DRK würde betreuen, aber nicht betreiben

Das DRK wäre Steinhauer zufolge bereit, in solchen provisorischen Unterkünften Betreuungsarbeiten zu leisten. Selbst betreiben könnte der Wohlfahrtsverband die Einrichtungen aber nicht. Auf dieser Basis habe es auch Gespräche mit der Stadt gegeben.

Eine Sprechstunde der Initiative Medinetz im Übernachtungsheim Frauenstraße.
© Foto: Matthias Kessler

Sorgen gibt es in der Coronakrise auch darüber, ob Menschen ohne Papiere und Krankenversicherung rechtzeitig medizinische Hilfe bekommen. Die „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ fordert daher ein „funktionierendes System anonymer Krankenscheine“ und Behandlung von Covid-19-Verdachtsfällen mit unbürokratischer Erstattung der Kosten für Kliniken durch den Staat.

Medizinische Versorgung gut aufgestellt

Mann zufolge ist in Ulm die direkte medizinische Versorgung der verwundbaren Gruppen aber gesichert – „zumindest für die Personen, zu denen es Kontakt gibt“. Auch Steinhauer sieht Ulm in diesem Punkt gut aufgestellt: „Die große Mehrheit der Wohnungslosen ist versichert, kann also auch zum Arzt gehen.“ Darüber hinaus gibt es regelmäßige Beratungs-Sprechstunden der Initiative Medinetz Ulm.