Bis vor wenigen Wochen war es noch möglich, seine Angehörigen uneingeschränkt in den Alten- und Pflegeheimen zu besuchen. Doch seit der Ausbreitung des Coronavirus erlässt Baden-Württemberg, wie auch andere Bundeländer, ein Besuchsverbot, damit Angehörige das Virus nicht in den Wohnbereichen verteilen. Gerade jetzt über die Feiertage eine besonders schwere Zeit.

Bewohner und Pflegepersonal stärker schützen

Auch wenn es schwer hinnehmbar ist, es bleibt der einzige Weg die Menschen dort zu schützen. Das Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen stellt allerdings das Personal vor eine große Herausforderung. „Kein Heim schließt freiwillig seine Türen um Angehörige und Bewohner voneinander zu trennen“ sagt Johannes Kessler, Leiter der Abteilung Gesundheit, Alter und Pflege vom Diakonischen Werk Württemberg. Gerade bei Alten und schwermehrfach-behinderten Menschen ist die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus am größten. Das Risiko, dass Besucher das Virus unwissentlich in Einrichtungen bringen, und es sich dadurch rasch unter den Bewohner und Bewohnerinnen verbreitet, ist zu hoch. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen müssen die Maßnahmen des Infektionsschutzes beachten.

Demenzkranke brauchen ihre Gewohnheiten

Vielen Demenzkranken in den Pflegeheimen fallen durch das Besuchsverbot ihre Bezugspersonen weg. Sie reagieren verunsichert oder ängstlich, wenn sie sie länger nicht sehen können. „Gerade in solchen schlimmen Situationen braucht es die Unterstützung durch das Personal“, sagt Kessler und betont, dass viele von den Pflegekräften plötzlich ganz neue Seiten an sich kennenlernen und Dinge tun können und müssen, die sie vorher gar nicht kannten. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es nach wie vor einen Mangel an Personal gibt, der schließlich auch dazu führt, dass Angehörige Bedenken haben, ob das Pflegepersonal seinem Auftrag nachkommen kann.

Kommunikation mit Angehörigen

„Damit Angehörige immer über den Stand im Pflegeheim informiert sind, braucht es eine gute Transparenz“, sagt Kessler. Gerade in Zeiten wo kein persönlicher Kontakt besteht, muss die Kommunikation über verschieden Kanäle funktionieren, was aber nicht zuletzt eine gute Technik voraussetze, so Kessler. Es gibt bereits Heime, die als Ausgleich für die eingeschränkte Besuchersituation die Möglichkeit bieten, in den Aufenthaltsbereichen der Wohngruppen Videotelefonate zu führen.

Heimleitungen entscheiden über Ausnahmeregelung

Tod und Sterben ist allgegenwärtig in den Heimen, umso mehr trifft es die Angehörigen, wenn sie nicht die Möglichkeit bekommen sich richtig zu verabschieden. „Eine Sterbebegleitung ist momentan sehr schwierig, da selbst das professionelle ambulante Hospiz nicht mehr in die Heime kommt“, klagt Johannes Kessler. Aber Angehörigen muss es möglich sein, einen Sterbenden in den letzten Stunden begleiten zu dürfen und ihn oder sie nicht alleine zu lassen. In diesen Fällen liegt es im Ermessen der jeweiligen Heimleitung, wie eine Ausnahmeregelung aussieht.