Trotz der sich abzeichnenden Lockerungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens haben am Samstag mehr als 500 Menschen – etwa doppelt so viele wie in der Vorwoche – auf dem Münsterplatz gegen die Corona-Beschränkungen demonstriert: unter Wahrung der gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsregelung, deren Einhaltung Demo-Organisator Markus Haintz zu Beginn angemahnt hatte.

Störer muss vom Platz

Die von einem stattlichen Polizeiaufgebot überwachte Veranstaltung verlief friedlich, lediglich ein einzelner Mann wurde von den Organisatoren des Platzes verwiesen, nachdem er mehrfach versucht hatte, die Kundgebung zu stören.

Rund zwei Stunden und immer wieder aufgelockert von musikalischen Darbietungen forderten unterschiedliche Rednerinnen und Redner aus allen Teilen der Gesellschaft von der Landesregierung ein sofortiges Ende der ihrer Meinung nach überzogenen Corona-Schutzmaßnahmen.
Da war zum Beispiel der Ulmer Psychologiestudent Sebastian Götz, der die aktuelle Gefährlichkeit des Virus in Deutschland infrage stellte. Die Letalitätsrate liege bei weniger als 0,2 Prozent, der Reproduktionsfaktor – die Geschwindigkeit, mit der sich das Virus verbreitet – sei mittlerweile so niedrig, dass die Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr mit Artikel 1 des Grundgesetzes vereinbar seien. „Respektiert es die Würde des Menschen, wenn uns vorgeschrieben wird, wie viele Menschen wir treffen dürfen?“, fragte er. Die Verantwortung für die Gesundheit müsse jeder Einzelne selbst tragen.

Kluft in der Gesellschaft

Hauptrednerin war die aus der Nähe von Pforzheim kommende Tierärztin Imke Querengässer. Sie wolle diese „neue Normalität“ nicht akzeptieren. Die Maßnahmen hätten angesichts des glimpflichen Verlaufs und einer Genesungsrate von 95 und in wenigen Wochen wohl an die 100 Prozent jede Verhältnismäßigkeit verloren. Stattdessen schürten Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder weiter Angst. Das sei ein Jammer, „auch weil dadurch eine Kluft in der Gesellschaft entsteht“. Querengässer führte Jahr für Jahr die um ein vielfaches höhere Zahl an Todesfällen durch Alkohol- und Tabakkonsum an. Dagegen unternehme die Regierung wenig bis nichts, was wohl allein den milliardenschweren Einnahmen durch Tabaksteuer und Co. geschuldet sei. Die Stimmung in der Bevölkerung sei nun am kippen, so Querengässer: „Wir werden immer mehr.“

Davon gehen offenbar auch die Veranstalter aus. Wie Markus Haintz sagte, ist für Samstag, 13. Juni, eine „Großkundgebung“ in der Ulmer Friedrichsau geplant.