Ulm CONTRA 23 UHR Dreht an der richtigen Schraube!

Ulm / 12.02.2013

Das Vorhaben, den Schwörmontag nur in der Innenstadt um 23 Uhr zu beenden, stößt nicht nur bei Gastronomen, sondern beim Großteil der Bürgerschaft auf herbe Kritik. Dieser Schuss geht gewaltig nach hinten los. Zu diesem Schluss kommt jeder, der die Situation nicht einseitig, sondern unvoreingenommen betrachtet. Lassen Sie mich zuerst das Problem beleuchten, von dem alles ausgeht: Die Zustände am Schwörmontag sind so nicht mehr tragbar, da sind wir uns einig! Wenn man nach den Feierlichkeiten durch die Gassen geht, wird es einem angst und bange: Viele Betrunkene mit erhöhtem Aggressionspotenzial, ein Scherbenmeer, Müll ohne Ende. Das muss sich ändern.

Nun wird aber an der völlig falschen Schraube gedreht. Das bewirkt nichts, die neuen Maßnahmen verschärfen die Lage sogar. Durch das Verkürzen der Sperrzeit ist kein Betrunkener weniger in Ulm unterwegs, es wird kein bisschen leiser. Die Menge des mitgebrachten Alkohols wird sich drastisch erhöhen, da ab 23 Uhr nichts mehr an den Ständen in der Innenstadt ausgeschenkt werden darf. Im Ergebnis entstehen noch mehr Glasscherben und Müll durch mitgebrachte Wodkaflaschen und ein noch höheres Sicherheitsrisiko.

Auf die Überfüllung der Stadt und daraus resultierenden Gefahren kann nur mit einem angemessenen Reagieren der Sicherheitskräfte entgegengewirkt werden. Das heißt: deutlich mehr Polizeipräsenz, mehr private Sicherheitsdienste, ein deutlich restriktiveres Vorgehen der Bürgerdienste bei Bußgeldern. Einfach gesagt, wird sich ein Wildpinkler nach einem verhängten Bußgeld zweimal überlegen, ob er sein Geschäft wiederholt. Studien zeigen: Verstärkte Präsenz von Polizei und Ordnungskräften senkt die Gewalt! Dies ist die richtige Stellschraube.

Lernen wir von Städten wie Biberach (Schützenfest), Ravensburg (Rutenfest) oder Köln (Karneval), wenn wir uns überlegen, wie wir mit den Folgen eines solchen Großevents klar kommen! Suchen wir sinnvolle Konzepte, indem wir unsere Alt-Ulmer Scheuklappen ablegen und nicht nur mit einer Spaßbremse reagieren! Über den Tellerrand hinausblicken, das Problem ganzheitlich betrachten und vor allem: indem wir einen Schritt weiterdenken! Und das bitte mit Leuten, die was von diesen Problemen verstehen.

CARLHEINZ GERN, Geschäftsführer von Donau 3 FM sowie Konzert- und Event-Veranstalter.