Claudia Schumann: Das Hospiz in der Bürgerschaft verankert

Ihre gewinnende Art ist ein Gewinn für das Hospiz: Claudia Schumann.
Ihre gewinnende Art ist ein Gewinn für das Hospiz: Claudia Schumann. © Foto:  
SWP 21.07.2015

Für eine, die sich nicht herausheben will aus all den anderen, die genau wie sie ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass das Hospiz Ulm heute das ist, was es ist: die wichtigste Anlaufstelle in Ulm rund um Sterben, Tod und Trauer. Die Bürgermedaille? Claudia Schumanns erster Gedanke war: "Das kann ich nicht machen." Aber kann man ablehnen, wenn einem Ivo Gönner persönlich die bevorstehende Verleihung der Bürgermedaille anträgt? Kann man natürlich nicht.

Das wollte Claudia Schumann auch nicht. Die Geschäftsleiterin des Hospizes sieht diese Ehrung stellvertretend für all die Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich engagieren für das Hospiz. Dass Gemeinderat und OB die 57-Jährige ausgewählt haben, hat freilich gute Gründe, die Ivo Gönner bei der Verleihung nannte. Schumann sei es "mit großem persönlichen Einsatz" gelungen, "den Gedanken der mitmenschlichen Solidarität in der Ulmer Stadtgesellschaft zu verankern". Mit ihrer offenen und gewinnenden Art habe sie viele Menschen für die ehrenamtliche Mitarbeit im Hospiz begeistert. "Sie haben sich durch Ihr langjähriges, unermüdliches Engagement in außerordentlichem Maße um das Wohl Ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger verdient gemacht."

Die Diplom-Sozialpädagogin und Fachwirtin für Organisation und Führung ist seit 15 Jahren Geschäftsleiterin des Hospizes. Ja, sie ist stolz auf die Entwicklung, die die Einrichtung genommen hat. Die Anfänge lagen vor ihrer Zeit. Eine Gruppe Ehrenamtlicher hatte 1991 den ambulanten Hospizdienst gegründet und damit die Hospiz-Bewegung in der Stadt ins Leben gerufen. Zehn Jahre später konnte das stationäre Hospiz Agathe Streicher eingerichtet werden: in einem Trakt im Seniorenheim St. Anna-Stift mit sechs Betten, teils in Doppelzimmern.

Diese Unterkunft erwies sich jedoch schnell als zu klein. Ein Geschenk eröffnete dem Hospiz eine neue Zukunft: Das Ehepaar Großpeter-Bertele überließ der eigens gegründeten Hospiz-Stiftung 2007 die ehemalige Klinik Bertele am Michelsberg.

Die Freude war riesig, die Herausforderung war es nicht minder. Denn das Gebäude musste renoviert und umgebaut werden. Und vor allem: Das Geld dafür musste aufgebracht werden. Und das für eine Einrichtung, die allein schon für den Betrieb des stationären Hospizes auf Spenden angewiesen ist. Doch das Team um Hospiz-Vorsitzende Katharina Gräfin Reuttner von Weyl, Schatzmeisterin Sigrid Markmiller, den 2013 gestorbenen Stiftungsvorstand Ulrich Staiger, Fördervereinsvorsitzenden Dr. Götz Hartung und eben Geschäftsleiterin Claudia Schumann stemmte alles. Im November 2009 konnte das Hospiz-Haus bezogen werden.

Die Finanzen sind ohnehin eine ständige Herausforderung. Einen großen Teil ihrer Arbeit wendet Schumann dafür auf, mit den Kostenträgern zu verhandeln, Geldquellen aufzutun und um Spenden zu werben. Darüber hinaus tut sie alles, um den Hospiz-Gedanken zu befördern - und das fast zu jeder Tageszeit. Sie nimmt an Podiumsdiskussionen teil, hält Vorträge und steht für persönliche Gespräche bereit. "Leben bis zuletzt", diesen Leitsatz der Hospiz-Bewegung will Schumann in alle Köpfe tragen.

Es gehe nicht darum, dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben. Eine gute palliative Versorgung, Schmerztherapie und Systemkontrolle gehören dazu, aber auch Zuwendung, Nähe, Gespräche, Wertschätzung, Spiritualität. Dazu wollen alle Mitarbeiter des Hospizes beitragen, sei es im ambulanten Dienst oder im stationären Hospiz. "Hier wartet man nicht auf den Tod", sagte Schumann einmal in einem Interview. "Es ist Lebenszeit, die die Menschen hier verbringen."

Der Ausbau der Palliativversorgung ist ihr ein großes Anliegen. Denn nicht überall sind sterbende Menschen so gut versorgt wie im Hospiz. Eine bessere Palliativversorgung, davon ist Schumann überzeugt, würde auch die Diskussion über Sterbehilfe beenden. Sie ist sich sicher: Ein Mensch, der physisch und psychisch gut versorgt ist und der seine Angehörigen nicht mit der Pflege überfordert sieht, wird nicht den Wunsch haben, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Wer jeden Tag mit Sterben und Tod konfrontiert ist, kann trotzdem ein heiterer, positiv gestimmter Mensch bleiben. Dafür ist sie das beste Beispiel. Die Mutter eines erwachsenen Sohnes ist ernsthaft und hartnäckig in ihren Anliegen, aber stets zugewandt und herzlich. Und: Es wird gelacht im Hospiz. "Das gehört zum Leben dazu."

Schumann ist neugierig auf Neues, nicht nur auf Reisen in ferne Länder. Auch das Hospiz entwickelt sich unter ihrer Leitung immer weiter. 2013 zum Beispiel kam die Hospiz-Akademie dazu, die sich in der kurzen Zeit schon etabliert hat. Das ist für Claudia Schumann die vielleicht schönste Auszeichnung: dass das Hospiz mit allen Angeboten fest verankert ist in der Ulmer Bürgerschaft und von ihr getragen wird.