Ulm Christopher-Street-Day: Normalos statt Paradiesvögel

Bereits im vergangenen Jahr waren 2500 Besucher zum ersten Christopher Street Day in Ulm gekommen. Auch dieses Jahr hoffen die Veranstalter wieder auf ein buntes Fest.
Bereits im vergangenen Jahr waren 2500 Besucher zum ersten Christopher Street Day in Ulm gekommen. Auch dieses Jahr hoffen die Veranstalter wieder auf ein buntes Fest. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / ISABELL GAMPERLING 06.08.2012
Am kommenden Samstag findet in Ulm der zweite Christopher Street Day (CSD) statt. Organisiert wird er vom Verein CSD Ulm/Neu-Ulm. Wir haben im Vorfeld der Veranstaltung mit Vorstand Ronny Takacs, 35, gesprochen.
Herr Takacs, im vergangenen Jahr fand in Ulm zum ersten Mal ein Christopher Street Day statt. Welche Veränderungen wird es in diesem Jahr geben?
Ronny Takacs: Wir haben dieses Jahr wesentlich mehr Platz, da uns nicht nur der Marktplatz in Ulm zur Verfügung steht, sondern auch ein Teil der Neuen Straße für unsere Veranstaltung gesperrt wird. Deshalb gibt es auch mehr Infostände. Außerdem haben wir unser Bühnenprogramm komplett überarbeitet.

Am Freitagabend findet in der Petruskirche in Neu-Ulm eine Podiumsdiskussion zum Thema "Liebe ist grenzenlos" statt. Wieso gerade dort?
Wir haben an verschiedenen Locations in Ulm und Neu-Ulm angefragt und die Evangelische Gemeinde hat uns dann ganz spontan zugesagt und den Petrussaal zur Verfügung gestellt. Das passt uns auch ganz gut, da wir nicht nur in Ulm, sondern auch in Neu-Ulm aktiv sein wollen.

Und wer diskutiert mit?
Der evangelische Pfarrer Axel Schwaigert aus Stuttgart wird bei der Podiumsdiskussion mit dabei sein. Außerdem diskutieren Eléni Mavropoulou von der griechischen lesbisch-schwulen Community aus München und Flu Bäurle von Amnesty International München mit. Bäurle kennt sich vor allem beim Thema schwul-lesbische Menschenrechte aus. Dann haben wir noch jeweils einen Vertreter vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland und von den Organisatoren des CSD in Stuttgart mit dabei.

"Liebe ist grenzenlos" - so lautet das Motto der Podiumsdiskussion: Über was wird am Freitagabend gesprochen?
Wir haben uns den Titel für unsere Podiumsdiskussion im vergangen Herbst überlegt, als es noch rechtliche Unterschiede bei der Eintragung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in Bayern und Baden-Württemberg gab. In Bayern konnte man sich im Standesamt "trauen" lassen, in Baden-Württemberg war dies dagegen nur im Landratsamt möglich. Ein neues Gesetz der grün-roten Landesregierung hat diesen rechtlichen Unterschied nun aufgehoben, somit ist diese Thematik nicht mehr aktuell. Daher wollen wir über die Stellung und die Rechte von Homosexuellen auf internationaler Ebene sprechen. Es gibt Länder, da steht auf Homosexualität die Todesstrafe, beispielsweise im Iran. In Holland und Dänemark zum Beispiel haben Homosexuelle dagegen wesentlich mehr Rechte, dort können gleichgeschlechtliche Paare unter gleichen Bedingungen wie Heterosexuelle heiraten. Liebe gleichgeschlechtlicher Paar ist noch lange nicht grenzenlos und genau darüber wollen wir diskutieren.

Und was bietet der CSD seinen Besuchern am Samstag?
Das Straßenfest beginnt um 13 Uhr. Wir vom Vorstand des CSD Ulm/Neu-Ulm werden den Christopher Street Day eröffnen. Zudem schickt Schirmherr Ivo Gönner seinen 1. Bürgermeister Gunter Czisch. Danach kommen Kundgebungen verschiedener Parteien und schwul-lesbischer Verbände. Danach startet dann das Bühnenprogramm auf dem Marktplatz. Besonders freuen wir uns dieses Jahr auf das Whitney-Houston-Double Ikenna Benéy. Ein weiteres Highlight ist sicherlich die Ariane Müller Band. Durchs Programm führen wie im vergangenen Jahr die beiden Musikkabarettisten Vanessa Maurischat und Holger Edmaier.

Mit wievielen Besuchern rechnen Sie?
Wir rechnen mit 1500 Menschen, hoffen aber auf 2500. Damit hätten wir die Besucherzahl des letzten Jahres erreicht. Da haben wir mit 500 Besuchern gerechnet, gekommen sind letztendlich dann 2500. Genau diese Zahl möchten wir wieder erreichen. Ich denke, die Chancen stehen gut.

Wie steht es mit der Akzeptanz von Schwulen, Lesben und Transgender in Ulm?
Wir waren letztes Jahr wirklich sehr überrascht. Ältere Ehepaare waren gekommen, auch Eltern mit ihren Kindern. Sie haben einfach aus Interesse bei unserer Veranstaltung vorbeigeschaut. Das freut uns. Es gab bisher auch keinerlei negative Reaktion auf unsere Veranstaltung. Wir hoffen natürlich, dass das so bleibt. Auch von der Stadt werden wir sehr unterstützt. Wir dürfen das Rathaus am Samstag mit einer großen Regenbogenflagge beflaggen, was keine Selbstverständlichkeit ist.

Warum braucht Ulm einen Christopher Street Day?
Wir möchten auch in einer kleinen Stadt wie Ulm für mehr Toleranz und Akzeptanz von Schwulen, Lesben und Transgender werben. In den Medien wird der Christopher Street Day ja meist als riesengroße Party von Paradiesvögeln dargestellt. Auf dem Land bewirkt diese Darstellung meist eine automatische Ablehnung. Wir möchten mit dem CSD in Ulm zeigen, dass wir nicht außergewöhnlich sind, sondern ganz normal und somit den Vorurteilen entgegenwirken.
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