Etwas blumig, leicht haselnussig oder fruchtig mit wenig Säure – die Rede ist von Kaffee. Wer auch als Viel-Kaffeetrinker mit diesen Beschreibungen nichts anfangen kann, der sollte sich mal an den Bohnen versuchen, die Christine Völlinger anbietet. Die 53-Jährige wohnt in Elchingen und ist vor Jahren tief in die Welt des Kaffees eingetaucht und bietet nun mit ihrer eigenen Kaffeemarke „La Ruga“ Bohnen an: „Eigentlich bin ich Wirtschaftswissenschaftlerin, habe Rechnungswesen und Controlling gemacht. Die letzten Jahre war ich dann bei einem Steuerberater“, erzählt sie, während sie Kaffeebohnen aus einer Schale nimmt. „Kaffee war aber schon immer eine Leidenschaft – ich habe sensible Geschmacksnerven und war einfach neugierig, woher die unterschiedlichen Nuancen des Kaffees eigentlich kommen“, so Völlinger.

Christine Völlinger: Vom Genießer zum Kaffee-Freak

Schnell war klar, dass viel an der Röstung liegt. In Berlin machte sie dann eine Rösterausbildung: „Zwei Wochen lang habe ich nur Kaffeebohnen geröstet, viel gelernt und mir so eine Menge Wissen angeeignet. Da ist dann so viel Euphorie entstanden, dass ich im letzten Sommer eine Kaffeeologen-Ausbildung draufgesetzt habe.“

„Natürlich interessiert mich auch sehr, woher der Kaffee kommt, deshalb habe ich Kontakte zu Kaffeefarmern geknüpft. Meine Bohnen kommen von fünf Farmen – und zwar direkt, nicht über die großen Importeure. Ich möchte die Farmen auch gerne selber besuchen, im Januar reise ich deshalb nach Indien.“

Lieblingssorte: „Mama ya“

Natürlich weiß Völlinger auch so viel von ihrem Produkt zu erzählen: „Eine meiner aktuellen Kaffeesorten, ,Mama ya‘, wuchs auf einem Lot, das runtergeschnitten und lange nicht bewirtschaftet wurde.“ Erst als sich die Parzelle erholt hatte, wurde wieder geerntet. „,Mama ya' ist nun der erste Kaffee, der nach 15 Jahren von dieser Parzelle kommt. Als ich den nach Rösten und Lagern das erste Mal probiert habe, war ich nicht gerade begeistert. Der Kaffee war total wild und hat gar nicht geschmeckt. Also habe ich ihn erst mal zur Seite gestellt. Nach einigen Monaten wagte ich einen neuen Versuch und nun ist er so großartig, dass er mein aktueller Lieblingskaffee ist!“

Christine Völlinger röstet ihren eigenen Kaffee. Ihre Marke heißt „La Ruga“.
© Foto: Privat

Christine Völlinger will Kaffeebar in Ulm eröffnen

Im Moment werden ihre Bohnen noch in Mannheim gelagert und auch von ihr geröstet. Seit einiger Zeit sucht Christine Völlinger aber eine Location in Ulm. „Ich möchte neben einem Lager und einer Rösterei auch eine kleine Kaffeebar eröffnen, um Cupping – so nennt man beim Kaffee eine Verkostung – anbieten zu können und dabei etwas über das Thema zu erzählen. Ich hatte auch schon eine urige alte Schmiede in der Ulmer Innenstadt in Aussicht. Das wäre eine tolle Location gewesen. Leider war es etwas feucht im alten Mauerwerk, was für die Kaffeelagerung einfach nichts gewesen wäre“, sagt sie bedauernd, „nun bin ich also weiter auf der Suche.“ Beim Markennamen, aber auch bei den Namen der Kaffeesorten war sie recht erfinderisch. „La Ruga ist zum einen sehr klangvoll, zum anderen heißt es auf Esperanto ,die Rote‘ – passt zur roten Kaffeekirsche, aber auch zu meinen Haaren“, lacht sie. Ihre Kaffeesorten sind eine kleine Hommage an ihre Kinder und Enkel, aber auch mit „pippit pu“ an Ulm: pippit heißt Spatz auf indonesisch.

La Ruga: Lieferservice in Büros

Aktuell gibt es den Kaffee von Christine Völlinger nur online. „Ich bringe den Kaffee zum Beispiel in Büros. Es spricht sich rum, weil ich auch viel netzwerke“, erklärt sie. „In meiner Freizeit singe ich im Chor, ein Hobby ist auch unser Oldtimer“, sagt sie, „da kommt man viel rum.“ Sonst genießt Völlinger auch das Familienleben, mit Mann, zwei Kindern, zwei Enkelkindern, einem Hund und einer Katze.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit cityStories Ulm entstanden.

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