Ulm / Otfried Käppeler

In der Sebastianskapelle steht der Besucher zunächst vor einer unfertigen Wand, die ihm den Blick in den Chorraum versperrt. Das Unfertige stellt sich nach dem Rundgang durch die Ausstellung „Bauhaus“ von Christian Henkel als Programm dar. Geometrische Grundformen mit konstruktiven kompositorischen Tendenzen sind Ausgangspunkt fast aller Skulpturen des 1976 in Thüringen geborenen, in Berlin und Dresden lebenden Künstlers. Deren Nutzwert erfordert aber Fantasie.

Negieren die klassischen Konstruktivisten ihr formgebendes Material, so nimmt Henkel die gegenteilige Position ein: Bei ihm bleibt alles Material, Holzplatte bleibt Holzplatte, Farbe bleibt Farbe und negiert nicht deren Träger, wie Stahl und Eisen als solche zu erkennen sind. Das Material ist Teil der Aussage, des künstlerischen Inhalts. Sind die Formen auch abstrakt, bauen sie doch keine Distanz zum Betrachter auf, dafür wirken sie zu lapidar und offen sichtbar handwerklich gebaut. Den Werken ist somit etwas Alltägliches eigen. Verstärkt wird das, wenn etwa eine Holztafel an einer Seite nicht exakt gesägt, sondern gebrochen ist.

Gleiches gilt für die (Teil-)Bemalung der Skulpturen. Der Auftrag tendiert zur eigenständigen, abstrakten Malerei, die in Binnenbereichen flächig wie zeichnerisch ist und durchaus expressive Anklänge hat. Die Farbe behält also diese provisorische Wirkung, wie die Materialkompositionen und die eingangs beschriebene Wand.

Trotz der Vielfalt an Formen und Materialien und trotz des Provisorischen als ein Form- und Kompositionsprinzip gelingen Henkel dann doch erstaunlich kompakte, also in sich stimmige Skulpturen, die in ihren Einzelformen dezent räumliche Gegebenheiten der Sebastianskapelle aufnehmen und als Ganzes wie eine durchgängige Installation zu begreifen sind.

Info  Bis 31. März in der Galerie Sebastianskapelle: Fr 17-19, Sa/So 11-14 Uhr.