Kunst Chris Duncan im Obermarchtaler Petrushof

Danach ist Schluss im Obermarchtaler Petrushof: Eine der aktuellen Arbeiten Chris Duncans.
Danach ist Schluss im Obermarchtaler Petrushof: Eine der aktuellen Arbeiten Chris Duncans. © Foto: Christina Kirsch
Obermarchtal / Christina Kirsch 07.09.2018

Abschiedsstimmung liegt über dem denkmalgeschützten Petrus­hof in Obermarchtal. Die 64-jährige Galeristin Maria Faulhammer-Wiedemann wird mit der Finissage am 30. September die Galerie schließen – aus gesundheitlichen Gründen. Das große Anwesen mit den umgebauten Stallungen und dem weitläufigen Garten ist neben dem Klostergelände eine Idylle, erfordert aber einige Energie, um es umzutreiben

Die letzte Ausstellung im Petrushof bestreitet der New Yorker Kunstprofessor Chris Duncan, der die Galeristin Maria Faulhammer-Wiedemann bereits 2013 zur Wiedereröffnung der Galerie inspirierte. Denn 2010 war ihr Mann Wolfgang Faulhammer gestorben, mit dem  Maria Faulhammer-Wiedemann die Galerie seit 2002 mit hochkarätigen Ausstellungen bestückt hatte. Micha Ullmann war in Obermarchtal, Alf Setzer und zuletzt Dieter Gassebner.

Rund 35 Werke Duncans sind jetzt in der Galerie zu sehen, manche entstanden in einer Arbeitsphase vor Ort. An den Wänden hängen Zeichnungen, die oft übermalte, wild gerasterte Felder zeigen. Meist ballt es sich kompakt in der Bildmitte. Teile der Zeichnungen lassen sich in den Skulpturen wiederfinden, die der 65-Jährige aus Abfällen unterschiedlichster Art zusammen fügt. Man erkennt Pappen, Kabel, Draht und Holz. Die Teile werden bemalt und zu dreidimensionalen Objekten verschraubt.

Dabei wolle er eine Spannung zwischen Unverarbeitetem und Verarbeitetem, zwischen den Einzelteilen und der Summe erzeugen, sagt der Künstler.  Im Gegensatz zu seinen Bronzen sind die Papierarbeiten licht und leicht, farbenfroh und verspielt.

Ein leuchtendes Gelb gesellt sich zu Maigrün und die Pappwaben atmen in Pink. Aus der ungefähren Vorstellung entwickelt Chris Duncan eine Skulptur, die in der Endfassung so sein kann, aber nicht sein muss. In diese lockeren Gebilde, die rundum mit reizvollen Ansichten glänzen, scheint der Bildhauer eine Fülle an ästhetischen Erfahrungen und internalisierten Normen verpackt zu haben. Ohne das Material zu etwas gezwungen zu haben.

Duncan lehrt seit 1988 am Union College New York. Nach Baden-Württemberg kam er über ein Austauschforum, das Künstler in Salem am Bodensee mit dem Salem bei New York verbindet.

Info Die Galerie im Petrushof in Obermarchtal unmittelbar neben der Klostermauer ist am Sonntag von 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.  Finissage am 30. September 2018 www.galerie-im-petrushof.de

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel