Wissenschaft Chemiker der Entstehung des Lebens auf der Spur

Max von Delius hat für sein Projekt viel Geld eingeworben.
Max von Delius hat für sein Projekt viel Geld eingeworben. © Foto: . Foto: Uni Ulm
Ulm / swp 31.07.2018

Prof. Max von Delius hat sich viel vorgenommen. In den nächsten fünf Jahren will er innovative chemische Transportbehälter – so genannte „Käfige“ – für medizinisch wirksame Ionen entwickeln, die dann in der Krebsbehandlung eingesetzt werden sollen. Doch das ist dem 36-Jährigen nicht genug: Basierend auf solchen Netzwerken will von Delius auch dem Ursprung allen irdischen Lebens auf den Grund gehen. Dafür erhält der Chemiker, der sich in einem strengen und von starker Konkurrenz geprägten Verfahren durchgesetzt hat, eine Anschubfinanzierung in Höhe von 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (ERC) – einen so genannten ERC Starting Grant. Das teilt die Universität Ulm mit.

Ziel des Wissenschaftlers, der am Institut für Organische Chemie II forscht, ist es, die Transportprozesse geladener Teilchen zu revolutionieren. Es geht ihm darum, geladene Teilchen in so genannte „Käfige“ zu sperren. „Bei der Beförderung durch die Zellmembran schirmen solche Käfige dann die Ladung der Teilchen ab“, erklärt von Delius, der bereits mit 33 Jahren Professor in Ulm wurde.

Die gefährliche Fracht wie etwa Calcium und Beryllium für die Krebsbehandlung darf nämlich erst am Wirkort, beispielsweise durch den Einsatz von Säure oder Licht, befreit werden. Auf diese Weise sollen die giftigen Stoffe ausschließlich Krebszellen abtöten. „Solche ,Gefängnisse‘, aus denen eingesperrte geladene Teilchen erst am definierten Wirkort entlassen werden können, wären einmalig und hätten als Medikamentenfähren großes Potenzial“, betont der Chemiker.

Während die Grundlagen solcher Transportbehälter bereits am Institut für Organische Chemie II gelegt sind, gilt der zweite Teil des Projekts „Supranet“ als Hochrisikoforschung. Mittels leistungsfähigster Analysetechniken will Max von Delius mit seiner Forschergruppe die Entstehung von Ribonukleinsäuren (RNA) erforschen. Hintergrund ist die so genannte RNA-Welt-Hypothese: Viele Chemiker sind überzeugt, dass die RNA deutlich früher existierte als die gemeinhin als Trägerin der Erbinformation bekannte DNA – und somit die RNA die Grundlage des irdischen Lebens bildet. „Mithilfe unseres Forschungsansatzes hoffen wir, der Entstehung komplexer RNA-Stränge auf die Spur zu kommen“, so von Delius.

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