Pfuhl / Bernd Rindle

Christina Aguillera hat’s getan, Cameron Diaz auch und Madonna sowieso. Sie alle waren einmal Cheerleader und prägen bis heute das Image einer Sportart, die zumeist verkannt wird. Landläufig gelten Cheerleader als Puschel schwingende Schönheiten, denen der Bodymaß-Index mehr gilt als der Intelligenzquotient. Spätestens seit den Highschool-Komödien der 80er Jahre hat sich ihr Ruf als leicht arrogant-intrigante Mode-Ikonen, denen Sporthelden zu jenen Füßen liegen, mit denen sie ansonsten „Normalos“ treten, verbreitet.

Dass das Vorurteil des „blondesten Sports“ den Tatsachen nicht gerecht wird, weiß keiner besser als die Cheerleader-Truppe „Impact“ des TSV Pfuhl, die mit ihren Darbietungen bei den Basketballspielen in der Ratiopharm-Arena zu sehen sind.

Ungeheure Pokalsammlung

Seit exakt zehn Jahren gibt es sie nun schon und mittlerweile gehören sie zu den Besten, die dieser Sport zu bieten hat. Das zeigt schon allein die ungeheure Pokalsammlung in ihrer Trainingshalle im Pfuhler Turnzentrum: Sie benötigen zur Aufbewahrung der typisch amerikanisch sehr ausladend gestalteten Trophäen eine ganze Fensterfront.

 Fünf deutsche Meistertitel haben sie schon gefeiert, sieben Mal wurden sie Vizemeister. „Wir sind leistungsorientiert und trainieren auf die Meisterschaften hin“, sagt Trainerin Tamara Erber und stellt klar: „Cheerleading ist Leistungssport.“ Der reine „Cheerdance“, choreografierte Tanzauftritte, wie man sie vor allem vom American Football her kennt, ist nur ein Teilaspekt des Sports, der wesentlich mehr Anforderungen beinhaltet und auch Turnelemente mit Akrobatik verbindet.

 Rolle, Rad und Rückwärtssalto gehören da, je nach Altersstufe, ebenso zur Klaviatur, wie ein Flic Flac. Beim Bau von menschlichen Pyramiden verlangt es nach Kraft, Gleichgewichtssinn und nicht zuletzt Mut. Vor allem aber ist ein hartes Training vonnöten, bei dem schon mal Tränen fließen. Denn ganz ungefährlich ist der Sport nicht, auch wenn man bei den Pfuhler Cheerleadern bislang „ohne größere Verletzungen durch die Saison gekommen“ sei, wie Tamara Erber sagt, die auch dem Trainerstab des deutschen Nationalteams angehört. Nicht von ungefähr trainieren sie ihre „Stunts“ auf einem federndem Weichboden.

 Auch wenn es sie manchmal nervt, von Unwissenden als hüpfende Pompon-Wedler abgetan zu werden, lassen Sarah (11) und Emma (11) nichts über ihr Hobby kommen. „Es ist ein toller Sport, man kann viel Spaß haben“, versichert Emma. Der Teamgeist und die Möglichkeit „seine Leistung im Wettkampf zu zeigen“ haben es Sarah angetan. Deshalb sind sie zweimal in der Woche im Training, obwohl ihnen dabei Disziplin abverlangt wird. Anders ist es kaum möglich, „die Laufwege von 24 Kindern so zu koordinieren, dass sie sich nicht kreuzen“, sagt deren Trainerin.

 Denn ein Durcheinander im Wettkampf wäre fatal angesichts gestrenger Kampfrichter. Eine zweite Chance gibt es nicht: „Man hat 2:30 Minuten Zeit zu zeigen was man ein Jahr lang trainiert hat.“ Da müssen Abläufe und Übungen exakt stimmen. Auf den Wertungsbogen werden Punkte für die vorgeschriebenen Elemente vergeben, aber auch der Gesamteindruck und der Fluss der Übungen spielen eine Rolle.

 Eine eher untergeordnete spielt da das Erscheinungsbild der „Impact“-Sportler. Im Gegensatz zu reinen Tanzteams, in denen „alle Modelmaße“ besäßen. „Uns ist das egal wie jemand aussieht, Hauptsache, er ist sportlich“, macht Tamara Erber deutlich, dass in ihrer Abteilung andere Attribute zählen. Auch das Geschlecht spielt keine Rolle: „Es können Männlein wie Weiblein mitmachen.“ Das tun mittlerweile viele: „Im Süden sind wir der größte Verein.“ Rund 185 Mitglieder stark ist die Impact-Truppe, die derzeit acht Mannschaften in drei Altersklassen stellt. Bereits Vierjährige dürfen mitmachen.

 Abgesehen vom Sport haben Cheerleader offensichtlich noch andere Karrieremöglichkeiten, wie man an Madonna & Co. sieht. Und es muss nicht immer die eines Popstars sein. Es gibt einen Ex-Cheerleader, der anderweitig Schlagzeilen gemacht hat: George W. Bush.

Der Traum von den Olympischen Spielen

Aufgenommen Eine kleine Chance  haben die Cheerleader nach Lage der Dinge, einmal bei Olympischen Spielen mitzumachen. Zumindest hat der Deutsche Olympische Sportbund vergangenen Dezember den Cheerdance Verband Deutschland als 100. Mitglied in seine Reihen aufgenommen.