„Das riecht nach Abschied auf Raten“, meint Oberbürgermeister Gunter Czisch. Die Einheit von Parteivorsitz und Kanzlerschaft habe sich bewährt und sei notwendig. Angela Merkel habe eine große Leistung für Deutschland erbracht, es sei ihrer nicht würdig, dass nun die Diskussion über ihre Kanzlerschaft erneut entbrennen wird. Dass das passiert, daran hat Czisch keinen Zweifel: „Sie hat sich selbst angezählt.“

Angela Merkel habe als Parteivorsitzende sehr gute Arbeit gemacht, sagt die Ulmer Parteivorsitzende Barbara Münch. Die Bevölkerung erwarte aber Wandel und Weiter­entwicklung, und da mache ein Wechsel im Parteivorsitz durchaus Sinn. Ob ihn „die Generalsekretärin oder ein neuer, junger Minister“ übernimmt, da hat Barbara Münch keine Präferenz. Kanzlerin sollte Merkel aber bleiben. „Die Koalition ist ohnehin gebeutelt, und die Kanzlerin steht für Stabilität.“

„Dank“ ist das erste Wort, das dem Ulmer CDU-Fraktionschef Thomas Kienle zu Merkel einfällt. „In ihrer langen Zeit als Vorsitzende hat sie die Partei zu Erfolgen und Höhen geführt“, das dürfe man nicht vergessen. In geordneter Weise einen Generationenwechsel einzuleiten, spreche für Merkel. Wichtiger sei ohnehin, dass sie Kanzlerin bleibe. Ob die Koalition noch drei Jahre halte, liege maßgeblich an der SPD, findet Kienle, der dies hofft. Angesichts der Turbulenzen in Europa müsse Deutschland Stabilität vorleben. „Die wichtigen Themen der Zukunft sind Technologie, Mobilität, Klima und Digitalisierung, da ist sie als Wissenschaftlerin die Richtige.“ Wer Merkel im Parteivorsitz folgen soll? „Wir brauchen jemanden, der die Themen der Zukunft repräsentiert.“

„Wir brauchen einen Aufbruch“

„Ich halte die Entscheidung für richtig“, sagt die hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer. Nach so schwierigen  Monaten in der Großen Koalition „brauchen wir einen Aufbruch“.  Diesen „können wir nicht immer nur in Worte fassen, wir müssen ihn auch in Taten umsetzen“.  Einen Favoriten für den Parteivorsitz hat Kemmer noch nicht: „Mal abwarten, wer noch alles seinen Hut in den Ring wirft.“ Auf die Frage, ob sie mit dem Rücktritt Merkels als Parteivorsitzende auch deren Kanzlerschaft verbindet, antwortet Kemmer: „An Neuwahlen kann keiner Interesse haben.“ Aber so wie jetzt könne es nicht weitergehen. „Der Stil der Großen Koalition muss sich ändern.“

„Reaktionen müssen kommen“, das sei ihm nach der Hessen-Wahl klar gewesen, sagt Paul Glökler, der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm. Angesichts der „äußerst bedenklichen Situation“, in der sich seine Partei befinde, habe die Rückzugsankündigung nicht mehr überrascht. Was die Nachfolge anbetrifft, kann Glökler noch keinen Favoriten ausmachen, wobei Annegret-Kramp Karrenbauer ja nicht umsonst ins Amt der Generalsekretärin gewählt worden sei. Aber bis zum Parteitag am 7. und 8. Dezember könnten sich noch einige Bewerber aus der Deckung wagen.

„Folgerichtig und gut“

Viel Vertrauen sei verloren gegangen, meint Manuel Hagel, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU im Land. Merkels Entscheidung sei daher „folgerichtig und gut“. Als einzige der drei Koalitionsparteien sende die CDU damit das von vielen Bürgern erwartete Zeichen für Erneuerung. Die Wahl des oder der neuen Vorsitzenden ist nach Hagels Ansicht eine Richtungsentscheidung: Die CDU müsse das gesamte bürgerliche Spektrum für sich gewinnen, um Volkspartei zu bleiben.

Für den CSU-Kreisvorsitzenden und Landrat Thorsten Freudenberger ist das „eine gute Nachricht für die Union, denn viele ertragen ein ‚weiter so’ nicht mehr.“ Bei allem Respekt, den Merkel verdiene, „ist das nur der Anfang eines geordneten Rückzugs.“ Das Thema werde an Dynamik gewinnen und auch ihre Kanzlerschaft betreffen. „Vielleicht noch vor Ablauf der Legislaturperiode.“ Als CSU-Mann wolle er der CDU eine Ratschläge geben, aber der gehandelte Friedrich Merz sei ein „fähiger Mann“. Eines schiebt Freudenberger nach: „Auch in der CSU brauchen wir an der Parteispitze dringend einen Wechsel.“ 

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