Der Streik der Erzieherinnen ist derzeit in aller Munde. Dabei ist das ein Streik aller Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst, also auch der Sozialarbeiter, Heilpädagogen, Heilerziehungspfleger. Über die wird kaum gesprochen, weil sie ihre Arbeit nicht so öffentlichkeitswirksam niederlegen können.

Es ist auch ein Stück weit der Streik der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst der katholischen Kirche und ihrer Caritas. „Unsere Verträge orientieren sich an den Abschlüssen im öffentlichen Dienst“, sagt Thomas Schwendele, Sprecher der arbeitsrechtlichenen Kommission der Caritas in der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Koda).

Deswegen hatte er gemeinsam mit seinen Kollegen, die in Mitarbeitervertretungen im caritativen Bereich der Diözese Rottenburg-Stuttgart arbeiten, eine Solidaritätsbekundung organisiert. Für Ulm habe man sich entschieden, weil „das so schön in der Mitte liegt“, sagt Schwendele, der aus Schwäbisch Gmünd angereist ist. Aufgerufen waren die Mitarbeiter aller Caritas-Einrichtungen aus Ostwürttemberg und Oberschwaben plus den Mitarbeitern der katholischen Kirchengemeinden. Schwendele schätzt, dass rund 50.000 Leute in allen Einrichtungen arbeiten. Dafür waren vergleichsweise wenige am Samstag zum zum Bahnhof in Ulm gekommen, nämlich 215. Aber sie waren laut. „Was wollt ihr“, fragte Schwendele übers Megaphon. Die Antwort: „Aufwertung!“ Dazu stiegen die Demonstranten auf Leitern, um sich bildhaft aufzuwerten. Das alles begleitet von Pfeifen, Tröten, Rätschen. Lärmend zogen sie bis zum Marktplatz, viele hielten Transparente hoch, auf denen etwa zu lesen war: „Gemeinsam bewegen wir mehr.“ Oder: „Weder unsere Anerkennung noch unser Konto sehen rosig aus.“

Von außen betrachtet unterschied sich der Demozug nicht von den Streiks der Erzieherinnen. Der wichtigste Unterschied: Es ist kein Streik, sondern eine Solidariätsbekundung, formuliert es Thomas Münch, ebenfalls Sprecher der Kommission zur Ordnung des Diözesanen Arbeitsvertragsrechts (Koda). Denn laut Arbeitsvertrag ist den Caritasmitarbeitern streiken untersagt. Mittlerweile gebe es anderslautende Urteile des Bundesarbeitsgerichts. Doch ob Streikrecht oder nicht – die Sache mit dem Streik sieht bei Mitarbeitern im kirchlichen Dienst so aus: „Es gibt kein Bewusstsein dafür, keine Organisationskultur“, sagt Münch. Deswegen haben die Veranstalter die Aktion auf einen Samstag gelegt. „In der Freizeit kann jeder so was machen.“

Er rief die Anwesenden auf dem Marktplatz dazu auf, mit den Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst solidarisch zu sein, die derzeit im Dauerstreik sind. „Wir können unsere Verbundenheit mit ihnen zeigen und bei Eltern um Verständnis werben.“ Er forderte die Mitarbeiter im kirchlichen Dienst dazu auf, sich nicht als Streikbrecher missbrauchen zu lassen, etwa wenn die Kommune auf kirchliche Kitas zukomme und anfrage, ob dort Kinder aus städtischen Kitas in Notgruppen betreut werden. „Auf uns alle kommt es an, damit die Gesellschaft erkennt: Soziale Berufe sind richtig was wert.“

Verdi-Gewerkschaftssekretär Anton-Eugen Schmid, im Bezirk Ostwürttemberg-Ulm zuständig für Kirchen, bedankte sich für die Soli-Kundgebung. Verdi und die Kirchen – das sei ein anderes weites Feld, beschrieb Münch. Die Haltung sei folgende: „Wir nähern uns an. Wir ziehen am selben Strang.“