Kneipe Capo gibt das „Größenwahn“ ab

Ulm / Nadine Vogt und Steffen Wolff 05.01.2018
Dieter Zauner ist nicht mehr Chef im „Capo’s Größenwahn“. Der 72-Jährige hat die Ulmer Kultkneipe an eine Mitarbeiterin übergeben.

Am 31. Dezember 2017 hat Dieter Zauner einen Schlussstrich gezogen. Nach 35 Jahren hinter der Theke in „Capo’s Größenwahn“ hat der 72-Jährige die Ulmer Kultkneipe an seine langjährige Mitarbeitern Selly Stegmann übergeben, die verspricht: „Ändern soll sich nichts.“

Es sind gesundheitliche Gründe, warum Zauner künftig kürzer treten möchte. „Wenn man ein erfolgreicher Wirt sein möchte, muss man das zu 100 Prozent machen“, erklärt er. Man müsse immer vor Ort und stets „gut drauf“ sein. „Schließlich wollen die Gäste keinen missmutigen Wirt.“ Das alles könne er nicht mehr in dem Umfang leisten, wie er es von sich selbst erwartet. „Deshalb höre ich auf.“

Seit dem 1. Januar ist nun Selly Stegmann die Frau, der die Kultkneipe in der Platzgasse gehört. „Wir reden schon fünf, sechs Jahre darüber“, sagt die 32-Jährige. Für die Übergabe sei bislang nie der richtige Zeitpunkt dagewesen. „Das ist ja sein Baby. Das abzugeben ist ihm (Dieter Zauner, Anm. d. Red.) nicht leicht gefallen.“ Zum neuen Jahr hat Dieter Zauner sein Versprechen eingelöst. „Es ist nie in Frage gekommen, das Capo jemandem Fremden zu überlassen“, sagt Selly Stegmann, die seit zwölf Jahren zum Team gehört. „Das ist auch eine emotionale Sache.“

In der Gastronomiebranche völlig unerfahren war Zauner, als er vor 35 Jahren das Lokal übernommen hatte. Schnell drückte er dem „Größenwahn“ seinen Stempel auf, wurde zum Gesicht der Einrichtung, die sich bis heute in vielen Details von anderen Lokalen abhebt. Fußball spielt in der Kneipe eine große Rolle. Überall im Innenraum wechseln sich Fanschals, Wimpel und Vereinsplakate ab. Auf mehreren Großbildschirmen laufen den ganzen Tag lang Fußballübertragungen. Die Speisekarte beschränkt sich auf wenige Gerichte, die Getränke sind preiswert. Und so treffen sich Gäste aller gesellschaftlichen Schichten im „Größenwahn“ – zum Fußballgucken oder einfach nur so.

Am Konzept wird sich auch künftig nichts ändern. „Es bleibt alles so, wie es ist“, verspricht Selly Stegmann. Sie hat dieselbe Konzession wie ihr alter Chef, will in Capo-Manier in der Kneipe stehen: mithelfen, wo sie gebraucht wird, sich trotz Chefinnen-Rolle für nichts zu schade sein, das Team, so zu unterstützen wie es auch Dieter Zauner 35 Jahre lang selbst gemacht hat. „Das ist auch der Charme von diesem Laden.“ Zauner übergibt den Stab voller Vertrauen in ihre Hände: „Die Selly ist seit vielen Jahren dabei. Die weiß, wie’s geht.“

Im „Capo’s Größenwahn“ ist Zauner schon längst verewigt worden. Stammgäste und Mitarbeiter hatten vor ein paar Jahren einen Stern in den Boden seiner Kneipe eingelassen. Ein Stern wie auf dem „Walk of Fame“ in Hollywood, auf dem nur „Capo“ steht und die Jahreszahl 1982, als Zauner seine Kneipe eröffnete. Er selbst will jetzt das Leben genießen, „morgens ausschlafen, dann frühstücken. Und wenn’s die Gesundheit erlaubt, auch reisen. Ab und zu wird „The Boss“ aber auch künftig noch persönlich vorbeischauen. „Als Aushilfe“, wie er betont.

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